Sorglos durch den Zoll

So manches Reise-Schnäppchen entpuppte sich bei der Einreise zum teuren Mitbringsel. Wenn der Zoll nachrechnet, kann aus billig schnell sehr teuer werden! Das gilt nicht nur bei der Rückkehr nach Deutschland, sondern auch dann, wenn man häufiger Grenzen während der Reise überschreitet.
Um stets ungeschoren durch den Zoll zu kommen, sind auch bei Reisen durch mehrerer Länder die jeweiligen Bestimmungen (Freimengen) der Transitländer zu beachten. Nicht alles, was im Bestimmungsland zur Einfuhr erlaubt ist, darf auch unterwegs mitgeführt werden. Wer von Deutschland gen Frankreich durch die Schweiz reist und seinen Proviant mitführt, sollte bedenken, dass die Eidgenossen bei der Durchreise gelegentlich genau hinschauen.

800 Zigaretten ist die Freimenge für aus der EU einghführte Zigaretten. (Achtung: Ausnahmen!) Ansonsten ist bei 200 Stück die Grenze der Zollfreiheit erreicht.
800 Zigaretten ist die Freimenge für aus der EU eingeführte Zigaretten. (Achtung: Ausnahmen!) Ansonsten ist bei 200 Stück die Grenze der Zollfreiheit erreicht.
Der beliebte Umsteigeort Singapur hat Einfuhrbestimmungen, die recht eigenwillig sind: Kaugummi mitzuführen ist ebenso verboten wie E-Zigaretten! Nicht in Singapur versteuerte Zigaretten könne Strafen bis zu 250 Euro nach sich ziehen.
Die schöne und zollfreie Insel Langkawi (Malaysia) verlockt zum Einkauf. Doch bei der Weiterreise ist ein Blick auf die Einfuhrbestimmungen Thailands und Malaysias hilfreich.
Wer von Samnaun (Schweizer Exklave) nach Österreich zurückkehrt (EU!), kann böse Überraschungen erleben. Der Kontrollierende könnte auch für die vor einem Jahr (wo auch immer!) erworbene teure Armbanduhr oder für den Laptop Zoll verlangen, wenn man den Beweis schuldig bleiben muss, dass bereits Zoll anderswo entrichtet wurde! Für Schlaumeier: Serien-Nummern sind verräterisch.
Tückische Besonderheiten gibt es auch zu beachten, wenn man von Helgoland aufs Festland zurückkehrt (Näheres). Das gilt auch für zolltechnisch nicht der EU angeschlossene Inseln (Sonderbestimmungen) wie die Kanaren, Madeira die Azoren oder britische, niederländische oder französische Übersee-Gebiete (auch dann, wenn dort der Euro Zahlungsmittel ist!).
Raucher, die aus der Ukraine, Russland, Moldawien oder Weißrusssland in die EU einreisen, sollten sich vorher erkundigen, welche Freimengen gerade gelten. Z. B. Polen oder Rumänien haben da ihre Besonderheiten. Auch wenn die Kiste Wodka im russischen Duty Free sehr verlockend erscheint: Ein paar Meter sind völlig humorlose litauische oder estnische Zöllner zugange. Auch wer den beliebten russischen Kaviar mit nach Hause nehmen möchte, ist gut beraten, sich vorher zu informieren.
Zollfrei dürfen aus EU-Staaten maximal zehn Liter Spirituosen, 20 Liter Likör oder Wermut, 90 Liter Wein oder 110 Liter Bier nach Deutschland eingeführt werden. Aus Nicht-EU-Ländern wie der Schweiz oder den USA dürfen Urlauber dagegen nur einen Liter Hochprozentiges oder zwei Liter Sekt, Sake oder ähnliche Getränke mit weniger als 22 Prozent Alkoholgehalt sowie vier Liter Wein mitbringen. Für Bewohner der Grenzregionen und beruflich Reisende gelten niedrigere Sätze.
Aus einem EU-Land dürfen zehn Kilogramm Kaffee zollfrei eingeführt werden. Aus den übrigen Staaten ist die Menge auf ein Pfund Kaffee oder 200 Gramm löslichen Kaffee oder Konzentrate beschränkt. Von außerhalb der EU sind duftende Mitbringsel bis zu 50 Milliliter Parfüm sowie 250 Milliliter Eau de Toilette zollfrei. In der EU gibt es keine Beschränkung. Bei der Einreise aus Nicht-EU-Ländern bleiben Souvenirs und andere Produkte zum persönlichen Gebrauch im Wert von maximal 430 Euro (Einreise auf dem Luft- oder Seeweg) zollfrei. Die 1.000-Euro-Uhr aus der Schweiz muss also ebenso verzollt werden wie der Teppich für 3.000 Euro aus der Türkei.
Vorsicht ist geboten, wenn man aus den USA oder dem Mittleren Osten preiswert gekaufte Elektronik (Laptop, Kamera) oder Textilien mitbringt. Das Nikon- oder Canon-Schnäppchen kann sich als teurer „Nachbrenner“ erweisen.
Freibeträge mehrerer Reisender können nicht addiert werden. Beispiel: Ein Paar kauft in der Schweiz einen antiken Bauernschrank für 320 Euro. Da der Schrank nicht wie bei zwei antiken Stühlen zu je 160 Euro geteilt werden kann, muss dieser Bauernschrank leider voll verzollt werden.
Gefälschte Kleidung, Taschen oder Uhren werden hierzulande – anders als etwa in Frankreich – nicht geahndet, wenn es sich um nichtgewerbliche Mengen handelt. Wer sich aus dem Urlaub 20 raubkopierte CDs für je zwei Euro mitbringt, muss dem Zollbeamten nur nachweisen, dass er sie für sich selbst gekauft hat. Bei 20 unterschiedlichen CDs könnte dies gelingen; 20 gleiche CDs sehen dagegen verdächtig nach beabsichtigtem Weiterverkauf aus und kosten Zoll.
Wer einen derart "guten Geschmack" entwickelt, solche "Souvenirs" aus Vietnam mitzubringen, darf sich über die (teure) Rechnung des Zolls nicht wundern!
Wer einen derart „guten Geschmack“ entwickelt, solche „Souvenirs“ aus Vietnam mitzubringen, darf sich über die (teure) Rechnung des Zolls nicht wundern!

Sämtliche Obergrenzen verlieren ihre Bedeutung, wenn es um geschützte Arten geht. Bedrohte Tiere und Pflanzen oder Teile davon dürfen ohne Sondergenehmigung nicht eingeführt werden. Sonst wird nicht nur das Souvenir beschlagnahmt – es droht auch ein saftiges Bußgeld! Vorsicht also bei Kakteen, geschützten Pflanzen, Korallen, Elfenbeinfiguren, präparierten Schmetterlingen oder einem Biberfell – egal, was der wortgewandte Verkäufer erzählt!
Aus Nicht-EU-Staaten eingeführte Lebensmittel und Pflanzen wandern beim Zoll aus Gründen des Seuchenschutzes unweigerlich in der Entsorgung (es sei denn, sie entsprechen EU-rechtlichen Bestimmungen). Versuch macht nicht klug, sondern meist nur Ärger.
Egal, wo auf dieser Welt (auch bei Rückkehr in die deutsche Heimat): Nicht selten gelten bei Einreise mit dem Flugzeug andere Bestimmungen als bei der Einreise auf dem Landweg oder mit dem Schiff! Flug- und Seereisende, die nach Deutschland zurückkehren haben eine Zoll-Freimenge von 430 Euro, wer auf dem Landweg heimkehrt, muss sich mit 300 Euro bescheiden.
Die genauen Vorschriften kann man hier nachlesen.
PS: Wer durch mehrere Länder jenseits der EU reist und auf die ständige Einnahme seltener Medikamente angewiesen ist, ist gut beraten, zuvor die einschlägigen Zoll-Bestimmungen zu studieren.

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