Sachsen am Ende Europas

Auf einer mehrwöchigen Rundreise durch Portugal und Spanien im Juni 1995 suchte ich lange vergeblich ein ruhiges Plätzchen, ohne Touristen-Rummel. Am liebsten auch ohne Landsleute mit ihren oft (mehr oder weniger) intelligenten, weil nervigen Gesprächen. In Grandola (südöstlich von Lissabon) war mir das einen ganzen Abend lang gelungen, am nächsten Nachmittag rollte ich mit meinem Auto auf den Parkplatz am Südwestzipfel Europas, dem Cabo de São Vicente (Foto vom Leuchtturm). Weit und breit kein Mensch. Nur das Rauschen des Meeres und eine steife Brise.Cao Sao Vicente LeuchtturmPlötzlich tauchte ein mit zwei Frauen besetzter Opel Corsa auf. Ein Blick genügte: Portugiesisches Kennzeichen. Einheimische, Null Problemo. Der Mietwagen-Aufkleber war so klein geraten, dasss ich ihn übersehen musste. Die Jüngere der beiden stieg aus, räkelte sich und rief dann ihrer Mitfahrerin zu: „Iss das scheene hier. Ach Mudder, wenn dos där Babba noch erläbt hätte!“ Breitestes Sächsisch der Oschatzer Gegend verlor sich zum Glück im Atlantik-Wind …
Vor den Reise-Weltmeistern aus Sachsen ist man also nirgendwo sicher. Mich hätte in jenem Moment am Meer übrigens Bayerisch, Schwäbisch oder Platt genauso genervt …

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