Kleinkleckersdorf liegt nirgendwo

Es gibt gar viele geflügelte Worte, mit denen gesagt werden soll, es handele sich um das Ende der Welt. Doch wo liegen all diese „Einöden“ eigentlich?
Nehmen wir als erstes mal Posemuckel. Das ist nichts weiter als der deutsche Name zweier Dörfer der Gemeinde Babimost in Polen: Seit dem 19. Jahrhundert wird allerdings „Posemuckel“ (oder abgewandelt „Pusemuckel“) als Synonym für eine kleine, abgelegene und provinzielle Ortschaft benutzt.

Wo der Pfeffer wächst, gedeiht auch Trockenreis.

Wo der Pfeffer wächst, gedeiht auch Trockenreis.

„Geh doch dahin, wo der Pfeffer wächst.“ Wie oft wünscht man manchen Zeitgenossen dorthin. Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Immerhin kennt jeder diese Redensart, denn benutzt wird sie schon seit dem 16. Jahrhundert. Der Ausdruck spielt auf die Entfernung des Landes an, aus dem man Pfeffer importierte – und das war früher Indien. Mit der Redensart könnte aber ebenso die Teufelsinsel (l’Isle de Diable) vor der Küste Französisch-Guayanas gemeint sein. Auf der südamerikanischen Insel im atlantischen Ozean wurde ebenfalls Pfeffer angebaut. Auch in Sarawak (Malaysia, Borneo) wird Pfeffer angebaut. Und das ist ausreichend weit weg.
Wenn ein Ort „mitten in der Pampa“ liegt, dann muss dieser schon sehr einsam und abgelegen sein. Nirgendwo trifft die Beschreibung der wirklichen Pampa ebenfalls recht gut. Die Grassteppe verteilt sich hauptsächlich auf Argentinien, Uruguay und Brasilien. Der größte Teil der Pampa befindet sich in Argentinien, wo vor allem die Rinderzucht dominiert.
Andere Länder, andere Orte als Abgeschiedenheits-Synonyme: Eketahuna gilt im neuseeländischen Volksmund als der Inbegriff von Einöde. Der Ort steht als Synonym für ein Kaff, das kein Mensch zu kennen braucht.
Den Wohnort Hintertupfingen möchte ebenfalls niemand für sich reklamieren. Geht auch schlechterdings nicht. Ebenso wie Kleinkleckersdorf und Krähwinkel handelt es sich um einen fiktiven Ortsnamen mit Fingerzeig darauf, dass dort wohl das Ende der Erde liegen muss. Der Begriff Hintertupfingen ist seit etwa 1920 gebräuchlich und vor allem in Süddeutschland verbreitet. Der Volkskundler Lutz Röhrich übersetzte die Redewendung „von Hintertupfingen sein“ mit „ein rechter Hinterwäldler sein“ und mit „in einem Ort wohnen, der fernab von jeglicher Zivilisation liegt“.
Mit der Walachei, einem ebenfalls gern verwendeten Synonym für einen abgeschiedenen Ort wird es für viele schon schwieriger: Dass es sich hierbei aber um eine Region in Rumänien handelt, wissen viele nicht. Die Walachei gliedert sich in die große Walachei im Zentrum und Osten und die kleine Walachei im Westen Rumäniens. Geteilt wird die Region durch den Fluss Olt.
Zur Walachei zählt die Hauptstadt Bukarest mit dem imposanten Parlamentsgebäude.

Zur Walachei zählt die Hauptstadt Bukarest mit dem imposanten Parlamentsgebäude.


„Ab nach Timbuktu“ heißt die Losung für viele Abenteurer. Mit Timbuktu verbindet man das Niemandsland – weit weg, irgendwo in der Wüste – unerreichbar eben. Die afrikanische Oasenstadt liegt in Mali am südlichen Rand der Sahara. Somit ist die Vermutung, dass sie irgendwo in der Wüste liegt, nicht ganz falsch. Im Gegenteil, die Wüste scheint sich immer weiter auszubreiten und Timbuktu einzunehmen. Unerreichbar ist die ehemalige Handelsstadt allerdings heute nicht mehr. Timbuktu verfügt sogar über einen kleinen Flugplatz. Schon aus Sicherheitsgründen sollte man aber derzeit nicht gen Timbuktu reisen!

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