In der Heimat der Kopfjäger (Teil 1)

Über Geld auf Reisen wird (selten) gesprochen. Dabei ist doch vor allem die Frage des „wieviel“ eine wesentliche. Wir haben auch in der Vergangenheit Fragen nach den Finanzen nie abgeblockt, sondern beantwortet. Im Detail folgt das für mögliche Nachahmer später. Nur die Gesamtkosten dieses Trips aus 2008 mal vorweg.
Dass Singapur ein sehr teueres Pflaster ist, ist wohl hinlänglich bekannt. Auch Brunei ist kein Land, das Besuchern etwas schenkt. Wer Thailand kennt, wird überrascht sein, dass Malaysia zwar im Vergleich mit Deutschland ein billiges Reiseziel ist – verglichen mit sehr vielen anderen südostasiatischen Ländern jedoch eines, dass durchaus ordentliche Löcher in die Reisekasse reißt. Das gilt vor allem für Ostmalaysia (Borneo).
Wir haben mit Abstand (und das ist genau das Finanzintensive in Sabah und Sarawak) das meiste Geld fürs Reisen selbst (Fahrtkosten, Gebühren für Nationalparks) ausgeben müssen. Wer sich wenig (oder gar nicht) fortbewegt, kann viel sparen.
Wichtig: Wer allein reist, zahlt deutlich drauf, da die meisten Guesthouses und Hotels Zimmerpreise haben – unabhängig von der Zahl der Personen! Es sei denn, man nächtigt im Schlafsaal.
Für die Flüge von Frankfurt gen Singapur und weiter gen Kuching mit Singapore Airlines und Silk Air haben wir zusammen 1.670 Euro berappt. Dagegen war der Inlandsflug von Kota Kinabalu mit Air Asia (ca. 1.100 Kilometer) ein wahres Schnäppchen: Pro Ticket ca. 33 Euro!

Wenn wir die Flugkosten außen vor lassen, haben wir für 22 Tage zusammen rund 1.150 Euro berappt – für alles inkl. Übernachtung, Essen, Transport.
Man kann da sicher noch sparsamer sein, vor allem, wenn auf klimatisierte Zimmer verzichtet wird, was wir in der Regel aber nicht getan haben (wenn die Möglichkeit dazu bestand). Auch beim Essen waren wir nicht unbedingt die Sparsamsten, haben allerdings fast durchgängig auf den (sehr teuren) Alkohol verzichtet. Zigaretten kosten einen Spottpreis.
Gesamtkosten für diesen Trip inkl. Anreise zum Flughafen bei „round about“ 1.575 Euro (pro Person).
Wie das im Einzelnen aussieht, werde ich in den nächsten Tagen mal detaillierter nachzeichnen.
Tag 1: Der Wecker klingelt an einem kalten Februar-Tag 2008 in Thüringen früh: 5 Uhr. Es ist alles gepackt – also nur kurz unter die Dusche, die obligatorische Zigarette samt großem Milchkaffe und ab im gestreckten Galopp gen Frankfurt am Main. Kurz vor der Mainmetropole wird der Verkehr zäh fließend, dennoch kommen wir um 9 Uhr (wie geplant) am Parkplatz bei Kelsterbach an, wo wir das Auto stehen lassen und zum Rhein-Main-Flughafen geshuttelt werden. Wir hätten genau zweieinhalb Stunden Zeit bis zum Abflug gehabt, aber die erste „Überraschung“ ist da: Der aus New York kommende Flieger wird drei Stunden später erst in Richtung Singapore weiter fliegen! Es gibt ein opulentes Mittagessen auf Rechnung der Airline – und endloses Warten. Eines ist auch klar: Unser Anschlussflug ab Singapur ist in jedem Fall weg …
Um 14 Uhr geht es endlich los: Gesichtskontrolle bei der Bundespolizei und das Getatsche am ganzen Körper beim Sicherheits-Check. Wir haben gute Plätze reservieren können und glücklicher Weise haben wir die drei Plätze in der „Holzklasse“ das Jumbo-Jet (Boeing 747) zu zweit zur Verfügung, so dass wir die Mitte frei lassen und uns breit machen können. Lektüre gab es bei Singapore Airlines reichlich und das Entertainment-Programm lässt keine Wünsche offen. Man kann „seinen“ Film jederzeit unterbrechen und wieder aufnehmen. 15.20 Uhr hebt der „Vogel“ endlich ab, bei strahlendem Sonnenschein. 11 Stunden und 40 Minuten in der Luft! Brrrrr. Aber dann schlafe ich doch – und werde erst munter als der Flieger längst am Kaspischen Meer vorbei 10.000 Meter über Turkmenistan ist. Es gibt zu essen und als „Nachtisch“ den Zwergen-Film von Otto Waalkes – und Zeit für ein weiteres Nickerchen bis kurz vor dem Ziel.
Tag 2: Durch die 7 Stunden Zeitverschiebung landen wir vormittags in Singapur auf dem Flughagen Changi. Der Himmel ist bedeckt – 28 Grad Außentemperatur. Unser Gepäck sehen wir nicht wieder. Aber wann wir mit wem gen Kuching weiter fliegen können, steht noch in den Sternen. Silk Air (eine Singapore Airlines-Tochter) hat „gespurt“ und uns zwei Plätze in einem Flieger der Malaysian Airlines frei gehalten.
So bleibt es bei einem zweistündigen Aufenthalt. Schnell noch Bargeld gezogen (Singapore Dollar), da auch in Brunei diese Währung neben dem Brunei Dollar uneingeschränkt gilt. Am Duty free komme ich ebenfalls nicht vorbei, 9,90 Euro für eine Stange „Camel“ sind zu verlockend! Noch ein eher teurer Latte Macchiato-Muntermacher und ein kurzer Blick ins Internet (kostenlos!) – und weiter geht´s mit einer kleinen Boeing in die Lüfte.
Nach anderthalb Stunden dann die weiten Schleifen der braunen Brühe des Sarawak-River unter uns. Es ist bereits erkennbar, dass es unter uns Gehöfte gibt, die nur auf dem Wasserweg erreichbar sind. Rund herum endloser Regenwald. Die Landung ist eher ein kontrollierter Absturz! Kritische Blicke des malaysischen Zöllners, dann gibt es bei der Immigration das 60-Tage-Visum in den Pass.
Gegen 16 Uhr haben wir unsere Rucksäcke vom Förderband geholt – und stehen draußen. Auf dem Boden von Sarawak, dem größten malaysischen Bundesstaat. Leichter Regen, 31 Grad – und zwei dumme Gesichter. Fairer Weise gibt es (damit kein Reise-Greenhorn übers Ohr gehauen wird) fürs Taxi Coupons zum Einheitspreis. Für 3,43 Euro umgerechnet kann man vom Airport zu jedem beliebigen Punkt der Stadt fahren. Wir fahren 20 Minuten – und stehen dann mitten in einer 500.000-Menschen-Stadt unter freiem regnerischen Himmel. Noch bevor wir ein Quartier suchen, biegen wir an einer Straßenküche ab – und essen erst einmal. Eine scharfe Suppe und Hühnchen mit Reis. Dazu einen eiskalten frisch gepressten Ananas-Saft. Unwillkürlich denken wir an einen thailändischen Bekannten, der einst sagte: Die Asiaten essen den ganzen Tag. Und wenn sie mal nicht essen, denken sie darüber nach, was sie als nächstes essen werden. Stimmt! Und so geht es uns auch die nächsten 20 Tage.

Zwei Guesthouses hauen uns von der Sauberkeit nicht so vom Hocker, ein drittes hat keine Zimmer mit Klimaanlage. Dann sehen wir das Schild „Nomad B & B“ und steigen die Treppe hinauf. Freundlicher Empfang, passender Preis, schönes Ambiente. Sauberes Zimmer; wir bleiben. Kaffe und Tee sind frei, wir kochen also erst einmal einen starken (Nes)Kaffee, quälen unsere Lungen und sind mit dem Leben eigentlich wieder mal ganz zufrieden. Ein Holländer macht sich im Guesthouse nützlich, lebt in Kuching mit seiner chinesischen Freundin und schüttet einen Redeschwall über uns aus. Herrlich. Der Typ lässt den lieben Gott den frommen Mann sein – und schert sich um gar nix mehr. Beneidenswert!
Dann lernen wir Chris kennen, den Eigentümer. Der junge Iban hat selbst als Tour-Guide gearbeitet und ist Hansdampf in allen Gassen. Iban-üblich tätowiert und den Schalk im Nacken. Er merkt rasch, dass wir in der Lage sind, eigene Weg zu gehen und überlässt uns der Ruhe.
Wir verlassen das gastliche Haus noch mal für ein leichtes Abendmahl und wollen dann nur noch eines: Schlafen!!!
Tag 3: Neun Stunden Schlaf können Wunder wirken. Eine lauwarme Dusche, dann Kaffee, hauchdünne Eierkuchen und vollreife Bananen, so geht der Tag gut los. Noch vor 9 Uhr verlassen wir unsere gastliche Bleibe, um Kuching zu erkunden. Kleine Läden en masse, alle 50 Meter eine Touristik-Agentur, die Langhaus- und Dschungel-Touren anbietet. Wir laufen lieber zur wunderschönen „Waterfront“ am Sarawak-River. Zwischen der jetzigen Gouverneurs-Villa „Astana“ und dem historischen Fort Margherita auf der gegenüber liegenden Seite des Flusses kann man täglich den Baufortschritt an einem imposanten Verwaltungsgebäude erleben. Bauten der öffentlichen Hand sind übrigens in ganz Malaysia meist recht neu – und vor allem sehr, sehr groß. Da wurde nie gekleckert, sondern immer geklotzt!

Uns faszinieren immer Märkte jeder Art – und so machen wir die visuelle und Geruchsprobe in Kuching. Obst. Gemüse, Fisch, Fleisch – einfach alles da. An einem Food Stall machen wir unsere übliche Fruchtmix-Probe: Papaya-Pineapple, ja oder nein? Im vierten Anlauf werden wir fündig. Und so wird unser Lieblingsgetränk zubereitet: Vollreifes Fruchfleisch von Ananas und Papaya kommt gemeinsam mit Eis und einem Schuss Kokosmilch oder Wasser in den Mixer. Das war´s. Unsäglich lecker. Kein Zucker dazu! Kostenpunkt: Ca. 0,80 Euro.

Der immer wieder einsetzende Regen zwingt förmlich dazu, sich von einem Fresstempel oder Markt zum anderen zu hangeln. Nebenbei noch ein paar Ansichtskarten für diejenigen „Hinterbliebenen“ gekauft, die wir gern und regelmäßig damit ärgern. Vorzugsweise Menschen aus der „Ex“-Rubrik … Mal kurz im Tourismus-Büro vorbei geschaut und mit Lesestoff eingedeckt. Infos eingeholt, wie man am nächsten Tag am besten gen Sibu kommt. Dann zurück ins Guesthouse und ein Jetlag-Nickerchen gemacht. Die miefigen Klamotten von der Anreise zum Waschen geben und dann nochmals auf Erkundungstour. Aus Neugierde im „Hilton“ gewesen und Erkundigungen zu deren Batang Ai Resort im Regenwald eingezogen. Wer nichts auf eigene Faust machen möchte, findet dort durchaus eine Alternative vor. Ausflüge vor Ort kosten dann extra. Am Abend Luxus genossen und bei „Coffee Bean“ gewesen, ein Espresso bleibt eben doch ein Espresso.
Später am Abend bis nach Mitternacht mit einer Studentin aus Bayern geplauscht. Angenehme Abwechslung bei drei Tassen leckerem Tee, zwei kleinen Dosen „Tiger“-Bier und viel Qualm. Vor dem Einschlafen dann der „Beschluss“, dass wir tags darauf den Bus – und nicht das Boot nehmen. In Hinblick auf aufziehenden Sturm möchte ich meine Seefestigkeit nicht vier Stunden auf dem offenen Meer testen.

Tag 4: Heute wird es ernst, der Wecker klingelt um 6 Uhr und zehn Minuten später stehen wir in der Küche. Die Jungs können es nicht glauben, dass man im Urlaub um diese nachtschlafene Zeit von dannen will. Schnell gefrühstückt und dann Gepäck geschultert – wir haben sieben Stunden Busfahrt bis nach Sibu, der zweitgrößten Stadt Sarawaks, vor uns. Am Busbahnhof lösen wir die Tickets (pro Person ca. 8 Euro) und machen es uns im mehr als luxuriösen Bus bequem. Schlafsessel (einer auf der linken Seite des Ganges, zwei rechts), Klima, DVD und insgesamt nur 26 Mitfahrer (mehr passen ohnehin in diese Busse nicht rein!). Als es dann los geht, schwant uns Böses: Bereits im Trailer zum Spielfilm gibt es mehr als ein Dutzend Tote. Aber die Einheimischen mögen Gewalt-„Schinken“ ebenso wie alles aus Bollywood. Wir versuchen zu schlafen. Nach jeweils zwei Stunden an einem Food Stall an der Straße ein halbstündiger „Fress-Stopp“. Um 16.30 Uhr kommen wir in Sibu an und steigen in den Stadtbus zum Hafen um. Keine Chance, noch weiterzukommen, erst am nächsten Tag um 9 Uhr.


Wir machen der einzigen Sehenswürdigkeit, einer chinesischen Pagode, unsere Aufwartung, schwatzen ein wenig mit den Fischern und suchen uns eine Bleibe. Auch ein paar Flaschen Wasser werden gekauft. Dann finden wir eine passende Kemenate in Hafennähe. So sieht sie aus: Doppelzimmer mit Klima, Dusche und WC – dafür aber mit zahlreichen „Mitbewohnern“, die allesamt schnell krabbeln können …. Egal, bei 30 Ringgit (ca. 6.80 Euro) für zwei halbwegs ekelfreie Deutsche wird nicht diskutiert! Wir ziehen ein. Bis zur Schlafenszeit aber dann doch lieber wieder raus – auf die Straße; Abendessen. Reis, Gemüse, geräucherte Ente (kalt) und Tee. Das war´s, Reisen kostet eben Zeit.

Tag 5: Es ist Sonntag. Genau richtig, um stundenlang Boot zu fahren. Wir traben samt unserem Gepäck gen Hafen – und werden sofort angesprochen. Das Schiff legt in zehn Minuten bereits ab. Schnell die Tickets gekauft – und ab geht´s. Stromaufwärts auf Malaysias längstem Fluss (560 km), dem Rajang. Die erste Etappe wird uns gen Kapit bringen: Sechs Stunden Fahrt, 130 Kilometer.
Die Stadt liegt mitten im Dschungel und markiert die Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis. Alles, was dort gebraucht wird, muss mit dem Schiff herbei geschafft werden. Befahrbare Straßen gen Kapit gibt es nicht. Dort leben ca. 60.000 Menschen im Umkreis und vielleicht 6.500 in der Stadt.
Vorbei geht die Fahrt an den ersten Langhäusern, immer mal wieder stiegen Menschen aus – oder zu. Und dann wieder links und rechts am Ufer nur die „grüne Hölle“, sonst nichts. Ab und an kommt ein Langboot entgegen. Selten ist ein Fischer zu sehen, der in der lehmig-braunen Brühe auf einen Fang hofft. Wir sind die einzigen „Hellhäutigen“ auf dem Schiff. Und keiner kann verstehen, dass wir eben nicht von „Rambo-II“ unterhalten werden möchten. Die anderen Passagiere kriechen fast in den Bildschirm, wenn Stallone um sich ballert.

Am frühen Nachmittag kommen wir in Kapit an. Gleich neben dem Anleger das gewaltige (man könnte auch überdimensioniert dazu sagen) nagelneue Gebäude, in dem sich Kapits District Council befindet. Wir tun das Übliche – ein Quartier suchen. Das fällt nicht schwer – ist ja außer uns anscheinend niemand hier!

Nachdem wir das Gepäck los sind, ziehen wir ein wenig durch die Stadt, beäugen den Hafen und machen dem legendären Fort Sylvia (jetzt ein Museum) unsere Aufwartung. Der freundliche, aber hartnäckige Zerberus gibt nicht eher Ruhe bis ich mir im Gästebuch ein paar freundliche wohl gesetzte Worte in Englisch abquäle.

Dann gehen wir in den kleinen Park. Dort werden wir zu Gefangenen, denn plötzlich schüttet es wie aus Eimern, eine Stunde lang. Obwohl Angeln im Teich verboten ist, stört es niemanden, bei Regen sollen die Schuppentiere ja besonders gut beißen. Als es deutlich nachlässt, flüchten wir in ein Café – und treffen Joshua, einen Guide, den viele Reiseführer erwähnen. Man hat ihm wohl gesagt, dass da zwei Neue in der Stadt sind. Nachdem wir ihm erklärt haben, dass wir weiter flussaufwärts wollen, geht er seiner Wege. Telefonnummern tauschen wir sicherheitshalber. Denn ich habe tags zuvor in Sibu eine malaysische Prepaid-Karte erworben, um teuren Roaming-Gebühren keine Chance zu geben.
Wir schlendern nach dem Abendessen noch durch den Ort und beschließen zeitig „abzutreten“, da wir spätestens um halb acht hoch müssen. Um 8 Uhr öffnet die Behörde, auf der wir das Permit für Belaga holen müssen. Mitunter soll es vorgekommen sein, dass bei Abfahrt des Express-Bootes um 9 Uhr auch die Polizei da war – und die amtlichen „Wische“ kontrollierte. Wer keinen hatte, musste da bleiben (es geht nur ein Boot täglich) – und verlor so einen ganzen wertvollen Tag. Das wollten wir wirklich nicht.
Zu Teil 2.

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