Digitale Nomaden?

Ist es die "totale Freiheit", in Saigon (Vietnam) mit triefender Nase und klamm im Geldbeutel draußen zu stehen, während andere Party machen?
Ist es die „totale Freiheit“,
in Saigon (Vietnam) mit triefender Nase und
klamm im Geldbeutel draußen zu stehen,
während andere Party machen?
In den vergangenen 24 Monaten entwickelte sich „digitaler Nomade“ zum Mode- und Zauberwort in der Reise-Blogger-Szene. Was das nun wirklich ist, da gehen die Ansichten teils weit auseinander.
Ich bin mir nach unzähligen Stunden der Lektüre vor allem nicht mehr sicher, ob diejenigen, die vorgeben, ihren Traum zu leben, nicht mitunter in einem Alptraum gefangen sind. Dem Alptraum, dass plötzlich die liquiden Mittel zum (ver)leben und reisen ausgehen könnten.
Dass sich weltreisende Mittzwanziger übers Alter wenig Gedanken machen ist für mich ebenso normal wie erschreckend. Ebenso erschreckend ist für mich die Naivität vieler,  glauben zu wollen, dass einem unterwegs gelingt, was man in der kalten Heimat nie zustande brachte. Das Gegenteil ist der Fall: Von herzlich wenigen Ausnahmen abgesehen, ist die Zahl der inländischen Loser mit der Zahl derer fern der Heimat identisch!
InternetcaféAuf den wunden Punkt gebracht: Wer jenseits deutscher Grenzen dauerhaft dem Begriff „digitaler Nomade“ gerecht werden will,  ist mehr mit (harter) Arbeit, denn mit Reiselust beschäftigt! Zuerst braucht es einmal die Kenntnisse, Fähigkeiten und die Ausbildung in einem Bereich, der ortsunabhängiges (selbstständiges!) Arbeiten überhaupt ermöglicht. Für Traumtänzer und „Lebenskünstler“ gibt es keine Erwerbsquellen!
Finanzielle Rücklagen, die diesen Namen wirklich verdienen, sollten so bemessen sein, dass man ein Jahr in der Fremde und – falls es schief geht – notfalls ein weiteres Jahr daheim gut überbrücken kann.
Da kommt der gesamte Bereich der Medien ebenso in die engere Wahl wie die IT-Branche. Wer programmieren kann, dürfte weltweit ebenso sein (gutes) Geld verdienen können wie diejenigen, die  ganze Sätze, die sich publizistisch vermarkten lassen, in die Tastatur hämmern können.
Danach wird es ziemlich dünn. Jenseits allen Digitalen hat gewiss ein Handwerker auf „Dauer-Wanderschaft“ ebenso gute Chancen, sich allzeit zu ernähren, wie gelernte (!) Kräfte aus Gastronomie und Hotellerie. Auch Tauch-, Surf-, Golf- oder Tennislehrern gebe ich gute Chancen.
Bei allen sieht es jedoch dann nicht so rosig aus, wenn eine Arbeitserlaubnis benötigt wird, was jenseits der EU leider (fast) immer der Fall ist. Man bewegt sich dann rasch in einer  Grauzone, die zudem sehr schnell auch rabenschwarz werden kann. Wer als Ausländer mit dem Gesetz in Konflikt kommt,  hat ganz schlechte Karten!
Schaut man sich den Reise-Journalismus näher an, so wird man unschwer feststellen, dass die meisten „digitalen Nomaden“ sich in dieser hart umkämpften Nische nicht ihre Brötchen, sondern lediglich ein Zubrot verdienen.
Nicht nur in der Khao San Raod in Bangkok wird unentwegt digitales "Strandgut" angespült.
Nicht nur in der Khao San Raod in Bangkok wird unentwegt digitales „Strandgut“ angespült.
Die nomadisierenden Soldschreiber habe ich bereits hier gewürdigt. Auf diese Art und Weise kann man vielleicht die eine oder andere Reise schnorren – zum Leben reicht es bestimmt nicht!
Deutlich besser sieht es da schon bei PR-Profis sowie bei Werbe-Textern und- Grafikern aus. Ebenso bei Web-Designern und artverwandten Schaffenden.
Rückblende: Ich habe im Winter 2006  in Malaysia einen sowohl lebens- als auch weltreiseerfahrenen Schweizer Endfünfziger kennengelernt, der seit 15 Jahren alle Brücken zur kalten Heimat abgebrochen hatte. Ein Dauer-Reisender. Alles, wirklich alles, was er in anderthalb Jahrzehnten an Lehrgeld in Südamerika, Asien und Ozeanien zahlte, wäre es wert als Lehrbuch für reisende Traumtänzer aufgeschrieben zu werden. Sein Reise-Credo, dem ich vorbehaltlos zustimme:
Die Mittel zum Reisen müssen aus der Heimat kommen!
Ich habe seit 2002 viele ernstzunehmende und Dauer-Reisende auf fünf Kontinenten kennen gelernt. Jenen war eines gemeinsam: Sie waren finanziell absolut unabhängig.
Die Zahl der am Hungertuche nagenden Dauer-Reisenden, die jenseits von Deutschland meine Wege kreuzten,  war ungleich höher. Die gestrandeten Existenzen gibt es auf Mallorca ebenso wie an thailändischen Gestaden.
Ich habe größtes Verständnis für alle Twens, die gern „Party machen“ und an fernen Stränden chillen. Aber das kostet! Und möge mir niemand erzählen, dass es dauerhaft wirklich Freude macht, in einem Bretterverschlag am Strand mehr zu hausen, denn zu leben. Und ich nehme es auch niemandem ab, dass er/sie freudvoll jahrelang im „dorm“ (Schlafsaal) schläft!  Das mag eine Zeit lang okay sein – aber gewiss nicht dauerhaft.
Chiang Mai (Thailand). Ein Eldorado für "digitale Nomaden" und solche, die sich dafür halten.
Chiang Mai (Thailand). Ein Eldorado für „digitale Nomaden“ und solche, die sich dafür halten.
Wo ist denn eigentlich der „Nährboden“, auf dem  „digitale Nomaden“ am besten gedeihen? Im Wesentlichen heißt dieser Ort Südostasien. Die Lebensqualität ist indirekt proportional zu den Lebenshaltungskosten.
Die Szene kann man in Chiang Mai und Bangkok (Thailand) ebenso treffen wie in  Saigon (Vietnam), Luang Prabang (Laos), auf Bali (Indonesien) oder auf Cebu (Philippinen). In  jüngster Vergangenheit auch häufiger in Medellin (Kolumbien) oder in Mittelamerika (insbesondere Mexiko)
Überall dort, wo die Lebenshaltungskosten den deutschen weitestgehend ähneln, trifft man Dauer-Reisende bestenfalls auf der Durchreise.
Es grenzt für mich an Verwerflichkeit, als Greenhorn jungen Menschen den Floh ins Ohr zu setzen „wenn du das willst, kannst du das auch“: Alles hinter sich zu lasen, sich von jeglichem Besitz daheim zu trennen, alle Zelte abzubrechen, um dann die totale Freiheit zu erleben???
Genaues Hinsehen zeigt oftmals, dass diejenigen, die genau dies predigen, selbst gar nicht danach leben. Da kommt dann mal in einem Halbsatz die WG zum Vorschein, bei anderen das ständig angewärmte Zimmerchen im Haus der Eltern, und, und, und.
Einige selbsternannte „Gurus“ betrügen sowohl ihre Jünger als auch sich selbst. Was wäre dabei, einfach der Wahrheit die Ehre zu geben – und das Wasser zu trinken, dass man auch predigt?
Die Zahl derer, die als wahre „digitale Nomaden“ durch die Welt ziehen, ist sehr überschaubar. Nur ein Bruchteil von ihnen schreibt darüber.
Zum wesentlichen Kritikpunkt: Es werden unerfüllbare Hoffnungen geweckt und viele „Nomaden“ bürden sämtliche Unwägbarkeiten des Lebens allzu gern denjenigen auf, die über „dolce vita“ auch das Arbeiten nicht vergessen.
Auch wenn die Rente längst nicht in Sichtweite ist, ist es verantwortungslos, auf Renten- und Pflegeversicherung zu verzichten! Die Wechselfälle des Lebens ereignen sich nicht der Reihe nach  – sondern zufällig. Falls sie eintreten, darf dann „Väterchen Staat“ mangels Eigenvorsorge für alles aufkommen?
Zu meinen, eine Auslands-Krankenversicherung allein reiche aus, ist Traumtänzerei. Spätestens nach Erreichen des deutschen Bodens kommt das böse Erwachen.
Ja, man kann va banque am Spieltisch des (Reise-)Lebens spielen. Einige tun dies auch tatsächlich. Aber nur sehr wenige von ihnen kommen auch mit den Konsequenzen klar, wenn doch mal statt einer Trumpfkarte die berüchtigte Arschkarte gezogen wird. Ich wünsche allen „Gurus“ wirklich von Herzen, dass dieser Fall nie eintreten möge.white templeIch reise für mein Leben gern und bin seit mehr als einem Jahrzehnt meist ein halbes Jahr auf Achse. Vielleicht hat dies mich gelehrt, ein Zuhause zu schätzen.
PS: Ein gänzlich anders gelagertes Kapitel sind die „Nomaden“ auf zwei oder drei Achsen. Dazu später.

2 thoughts on “Digitale Nomaden?

  • Reisen will „gelernt“ sein. Wer nie eine Reise gemacht hat sollte nicht gleich mit einer Weltreise anfangen. Wer glaubt sein Reisevorhaben als Flucht aus dem Reglement deutsch/europäischer Bürokratie organisieren zu können ist ein Illusionist, ja schlimmer: Er offenbart seine ganze Dummheit. Und wer eine Reise, gar eine Weltreise als Ausstieg ansieht, oder gar als Einstieg in persönliche „Freiheit“ sollte gleich zu Hause bleiben.

    Oder so: Wer nicht bereits innere Freiheit besitzt oder sie sich erkämpft hat wird sie auch in der Fremde nicht finden. Dazu gehört auch die Freiheit von materiellen Zwängen die nicht automatisch mit dem Aufbruch in die Ferne kommt, sondern die bereits eine Voraussetzung für praktizierte Reisefreiheit ist.

    Warum ich das sage? Weil wir Erfahrungen haben, mehr Erfahrungen als die Meisten aller Reisewilligen. Wir haben eine Weltreise gemacht:

    • Insgesamt waren wir 4 Jahre, 5 Monate und 29 Tage unterwegs, also insgesamt 1624 Tage.
    • Wir haben etwa 200 000 km zurückgelegt.
    • Auf DIESER Reise waren wir in 50 Ländern.
    • Das Bett, also das Hostel, Hotel oder Motel haben wir um die 700 Mal gewechselt.
    • Das bedeutet auch, dass wir 700 Mal das Gepäck reingeschleppt, ausgepackt (jedenfalls teilweise) und wieder rausgeschleppt haben.
    • An etwa 1300 Tagen haben wir Restaurants aufgesucht.
    • Wir haben 32 Mal den Mietwagen gewechselt. 30 Fahrzeuge davon habe ich selbst gefahren, 2 Mal hatten wir einen Fahrer (Indien und Laos).
    • 23 Tage und Nächte waren wir auf dem Wasser. (Fähre Wladiwostok -Südkorea 1, Fähre Südkorea – China 1, Halong Bay 1, Yangtes River 3, Australien – Hawaii 17)
    • Etwa 250 Kirchen, Kathedralen, Tempel und sonstige Anbetungssteätten haben wir besucht und von außen und innen gesehen.
    • In den jeweiligen Ländern haben wir uns, genug Zeit hatten wir ja, mit den sozialen Systemen, der Architektur, der Infrastruktur, der Kunst, dem historischen Erbe und dem Alltagsleben befaßt. Das hat unseren Horizont erweitert und zu unser aller Allgemeinbildung beigetragen.
    • Uns wurde nichts gestohlen, kein Laptop, keine Kamera, kein Objektiv, nichts, gar nichts.
    • Wir haben auch nichts verloren.
    • Ja, nicht mal überfallen wurden wir.
    • Das Beste: Wir sind auch nicht krank geworden. Jedenfalls nicht, was durch die Reise bedingt wäre.
    • Das Allerbeste: Wir sind auch nicht pleite.
    • Als wir losfuhren waren unsere Kinder 8 und 12. Bei der Rückkehr waren sie 13 und 17.

    In diesen 4 ½ Jahren haben wir unzählige andere Reisende getroffen. Reizende Leute zum Teil aber auch Spinner, Idioten und Träumer. Gestrandete, Schnorrer und Ganoven. Insofern können wir uns also ein Urteil erlauben und können feststellen:

    • Es gibt nur wenige Reisende mit einer festen Vorstellung eines Ziels oder einer Agenda im Kopf.

    Bei uns z. B. war die Reise ein selbstgewählter pädagogischer Auftrag um unseren Kinder (und uns) Erfahrungen der 1. Hand zu vermitteln. Das, was die meisten Kinder und Erwachsenen sich selbst vorsetzen sind Erfahrungen der 2. Hand, also des Fernsehens. Man nimmt das auf und zieht es zur Urteilsfindung heran, was ANDERE gesehen und erlebt haben. Diesen Lernprozess der eigenen Erfahrung mit in den Alltag zu übertragen war auch eines unserer Hauptanliegen. Dazu gehören auch so Dinge wie Medienkritik und zwischen den Zeilen lesen und das Schärfen eines kritischen Bewusstseins.

    • Viele haben uns gefragt: Seid ihr Millionäre?

    Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man „umsonst“ um die Welt kommt. Aber man muss auch nicht Millionär sein. Die Lebenshaltungskosten hat man zu Hause wie in der Ferne. Anstelle von Miete oder Grundsteuer daheim hat man Hotel- oder Hostelkosten. Man pflegt auf Reisen einen ähnlichen Standard wie zu Hause. Wer in bürgerlichen Verhältnissen gelebt hat wird, von Ausnahmen abgesehen, nur selten unter Brücken schlafen wollen. Wer schon immer ungepflegt und schlampig durch die Gegend torkelte kann das auch im Ausland tun, sollte aber Bedenken, dass andere Nationen sehr wohl auf sich halten und mit Verachtung auf dekadente Westler schauen, die meinen, bloß weil es warm ist, sich gehen lassen zu können. Für etliche Westler haben WIR uns in Grund und Boden geschämt. Und man sollte soviel finanzielle Reserven haben, dass man diese Zeit des Reisens ohne materielle Not überbrücken kann und auch noch ausreichende Mittel hat um nach dem Zurückkommen ganz gelassen wieder ins Berufsleben einsteigen zu können.

    • Ohne Geld ist man ein Schmarotzer

    Sagen wir es mal ganz klar: Wer ohne ausreichende finanzielle Mittel durch die Gegend reist und auf die Gnade anderer Reisender angewiesen ist oder auch nur darauf reflektiert ist ein Schmarotzer. Wir haben solche Typen gesehen, zuhauf, und uns von ihnen ferngehalten. Die Wahrscheinlichkeit unterwegs gerade mehr westliche Versager zu finden als daheim ist hoch, da man immer wieder an touristischen Highlights auf sie stößt. Überhaupt ist auffällig wie viele Gestrandete man trifft. Menschen, die auch zu Hause es nie geschafft haben sich zu disziplinieren und etwas auf die Beine zu stellen.

    • Die Träumer

    Besonders hoch ist der Anteil der Träumer. Wir haben unzählige Spinner getroffen die keinen Schulabschluss hatten und auf keinerlei Berufserfahrung zurückblicken konnten. Aber sie glaubten im Ausland „Englisch“ oder „Deutsch“ unterrichten zu können. Trugschluss. Auch in China oder Vietnam werden Zertifikate verlangt und das Angebot an Studenten und Lehrern aus westlichen Ländern ist sehr hoch. Und braucht beispielsweise Shanghai wirklich für seine lernwillige Finanzelite britische Schulabbrecher die ein dubioses Englischzertifikat vorweisen können? Dort will man bestes Businessenglisch lernen. „How do you do?“ können sie auch ohne Lehrer sagen. Auch auf „PC-Experten“, „Erzieher“, „Kindermädchen“ wartet niemand. Gibt’s alles vor Ort und besser.

    • Die wirklich Zielstrebigen

    Ja, die haben wir auch getroffen. Junge Leute, die in China, in Malaysia, in Buenos Aires studierten. Aber die hatten bereits in Deutschland oder Europa exzellente überdurchschnittliche Leistungen erbracht, hatten Stipendien bekommen, sprachen die Landessprache bereits perfekt und waren für 2 oder mehr Semester an einer führenden Uni eingeschrieben. Junge, smarte Leute, die selbst unter den einheimischen Studenten hervorstachen. Ihnen gehörte unser ganzer Respekt.

    • Die Grauköppe

    Du triffst sie am Baikalsee oder in Machu Picchu. Meistens sind sie eine kleine Gruppe. Du siehst ihnen auf 100 km gegen den Wind an: Deutsche im Pensionsalter. Kommst Du näher sind es fast immer pensionierte Studienräte. Diese sind nun wieder so unflexibel, so deutsch geordnet, dass Du das Weite suchst. Sie drängeln und schubsen und wissen alles besser. Wenn man sich mit ihnen unterhält hätte man sich auch die Reise sparen können. Mit diesen Studiosusgrufties hat ein echter Weltreisender nichts gemein.

    • Und auch nichts mit den Gruppentouristen.

    Das sind Menschen, die schon das Herausfinden eines Grenzüberganges oder einer Reisestrecke als lästig empfinden. Sie delegieren alles. Nie haben sie mit knurrendem Magen die Straßen abgeklappert um etwas essbares zu finden. Sie sitzen des Abends am vorgebuchten Abendbrottisch.

    • Der echte Weltreisende ist ein Individualreisender.

    Dazu gehört auch folgendes: Eine Krankenversicherung die länger als 6 Wochen ist, ein erheblicher Kostenfaktor, das eigenständige Kümmern um Pässe und Visa, das Organisieren von Grenzübertritten zu jeder Tages und Nachtzeit. Wir haben auf unserer Reise etwa 80 mal Grenzen überquert. Wir hatten nie ein Problem. Nur eine Illusion hatten wir nicht: Das es im Ausland weniger Bürokratie gibt. Meistens gibt es mehr. Und umsonst ist sie auch nicht. Und bevor Sie sich aufregen: Auch der deutsche Pass ist inzwischen nicht mehr für lau zu bekommen.

    Wir haben auf Renten- und Pflegeversicherung verzichtet. Aber nicht um Geld zu sparen, sondern weil es zu unserem Lebenskonzept gehört selbst für uns (vor-) zu sorgen. Wir haben Herrn Blüm nie vertraut. Mit anderen Worten: Solche Entscheidungen trifft man ganz unabhängig von dem Wunsch auf eine Reise zu gehen.

    • Zu guter Letzt

    Sie können allein reisen. Nutzen sie eine solche Reise nicht um eine Partnerin/Partner, die sie auch zu Hause nicht gefunden haben nun auf der Reise zu finden. Weder die Mädchen noch die Jungen sind in der Mehrheit gewillt sich anbaggern zu lassen. Was man machen kann, ist, dass man einen gewissen Reiseabschnitt gemeinsam weiterreist. Das kann sehr nett sein, jedenfalls dann, wenn es frei ist von sexuellen Ambitionen.

    Wenn Sie zu zweit reisen ist die Reise kein Problemkitt. Im Gegenteil, man muss sich hundertprozentig auf einander verlassen können. Ohne Harmonie geht man sich schnell auf den Geist, schneller als zu Hause wo man ausweichen kann. Hier ist man zur gemeinsamen Weiterreise gezwungen, denn allein reisen und Trennung wird teuer.

    Mit Kindern: Das Erlebnis für eine Familie überhaupt. Eine gute Möglichkeit für alle Disziplin zu lernen und wie man sich zurücknimmt. Wir haben es so gehalten, dass wir mal in Hostels und mal in Hotels geschlafen haben. Auch Eltern haben einen Anspruch auf Privatleben. Den kann man in Hotels besser umsetzen. In Hostels wiederum lernen die Kinder sehr gut soziale Kompetenz und Umsichtigkeit.

    Wir waren 1624 Tage ständig zusammen. Es hat uns nicht geschadet. Im Gegenteil. Wir alle haben diese Zeit sehr genossen. Wir alle haben gelernt uns in unseren Wünschen zurückzunehmen, Konflikte auszutragen, Versöhnungen, wo notwendig, zu bewerkstelligen. Wir konnten jeder unseren Individualismus weiterentwickeln und haben dennoch verstehen gelernt, dass unsere Freiheiten das Korsett der Rücksicht tragen müssen.

    Diese Weltreise hat auch Verzicht erfordert: Fußball spielen war nicht drin, der Go-Club konnte nicht fortgesetzt werden, die Freunde konnte man nicht sehen. Email und Skype, Facebook waren Ersatz. Das hat auch gut geklappt, nicht immer, wenn das Internet schlecht funktionierte, aber generell eben doch. In China haben wir für zensierte Seiten eine Tunnelsoftware benutzt. Ohne das Internet wäre unser Leben ärmer gewesen, hätte die Reduzierung der Bindungen mehr geschmerzt.

    Das wir als Familie diese Reise geschafft haben, in Harmonie und Liebe, ist ein Glück, ein Privileg, für das wir dankbar sind. Es bestärkt uns in der Ansicht, dass man sein Schicksal zwar nicht aufhalten, aber doch zumindest beeinflussen kann. Diese Reise hat uns auch gelehrt unser Zuhause zu schätzen. Das Essen von gutem Porzellan, kochen am eigenen Herd, eine kultivierte Einrichtung, Konzertbesuche und Freunde um die Ecke.

    Wer nicht ausgeglichen und innerlich frei losfährt wird ich sein Zuhause nicht mit Ausgeglichenheit und Freiheit ausfüllen können.

    Reisen ist Bereicherung und keine Flucht!

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