Der beste Platz im Flieger

Bei Billigfliegern geht es stets eng zu - dafür nur für realtiv kurze Zeit.

Bei Billigfliegern geht es stets eng zu – dafür nur für realtiv kurze Zeit.

Da ich bei Ryanair vor zwölf Stunden online eingecheckt habe, ist mir dies willkommener Anlass, mich über Sitzplätze im Allgemeinen und im Besonderen auszutoben. Eines vorweg: Egal, wie lange und ausgiebig man über den besten oder gar ultimativen Sitzplatz debattiert: Es gibt ihn schlicht und ergreifend nicht, denn was des einen Freud, ist des anderen Leid!
Die „Güte“ des jeweils besten Sitzplatzes richtet sich ausschließlich nach den individuellen Vorlieben des Fluggasts. Bestimmte Sitzplätze sind übrigens nicht nur unterschiedlich beliebt – sondern auch unterschiedlich teuer! Einige wenige Verallgemeinerungen für diverse Vorlieben sind dennoch möglich.
Wenn man Ruhe sucht und schlafen möchte:
Die denkbar schlechtesten Plätze dafür sind am Gang und in den hinteren zwei Dritteln des Fliegers. Ruhe gibt es über den Tragflächen, möglichst weit vorn und am Fenster. Allzu große Nähe zur Bordküche sollte ebenso gemieden werden wie die zu den Bordtoiletten. Weit vorn befinden sich meistens auch die Plätze für Familien – mit selten leisen Kindern.
Wenn man groß ist und viel Bewegungsfreiheit möchte:
Die Sitze vor den Trennwänden und an den Notausstiegen haben deutlich mehr Beinfreiheit. Nachteil: Handgepäck darf dort aus Sicherheitsgründen nicht unter dem Sitz verstaut werden.
Die Sitze in der Economy sind zwar alle gleich breit – subjektiv erscheinen die Mittelplätze aber enger.
Wer bei Speis und Trank gerne drängelt:
Fast immer beginnen die Flugbegleiterinnen beim Service vorn – naturgemäß bekommen die dort Sitzenden auch ihr Essen zuerst. Es kann dann auch nicht passieren, dass ein Menü bereits ausgegangen ist. Am schnellsten kommen erfahrungsgemäß diejenigen an ihr Essen, die ein Sondermenü vorbestellt haben: Gluten- oder laktosefrei, vegetarisch usw. usf.
Wer öfter Bewegung braucht und viel zur Toilette muss:
Die Gangplätze sind dafür ebenso prädestiniert wie die an den Notausgängen. Wer am Fenster eincheckt und dann ständig andere Passagiere zum Aufstehen nötigen muss, macht sich richtig Freunde auf Langstreckenflügen! Gravierender Nachteil aller Gangplätze: Angerempelt zu werden ist ebeno unvermeidlich wie das Ausstrecken der Beine zum Gang hin nahezu unmöglich ist – dafür sorgt schon der Servierwagen!
Tragfläche FlugzeugWenn man ein Flug-Angsthase ist:
Wer Flugangst hat, ist ebenfalls auf Plätzen über den Tragflächen relativ gut aufgehoben. Plötzliche Flugmanöver (über die Tragfläche abkippen z. B.), dauerhafte Vibrationen und starke Turbulenzen sind dort am wenigsten spürbar. Der Blick nach unten bleibt Ängstlichen erspart. Sitzreihen über den Tragflächen gehören statistisch gesehen zu den sichersten.
Wer zudem stets Katastrophen kommen sieht, sollte einen Sitzplatz in der Nähe der Notausgänge, möglichst im vorderen Teil des Fliegers ergattern.
Wer gute Sicht haben möchte:
Fensterplatz (außer über den Tragflächen). Aber Fensterplatz ist nicht gleich Fensterplatz. Im vorderen Teil ist es ruhiger. Aber nicht zu weit vorn sitzen, denn vor der Trennwand zu den besseren Plätzen lungern auch gern die Plaudertaschen herum.
Was tunlichst vermieden werden sollte:
Mir ist kein Passagier bekannt, der darauf Wert legen würde, einen linken und rechten Nachbarn zu haben. Vor allem wenn 3-4-3 bestuhlt ist, wird der Sitzplatz in der 4er-Reihe mittendrin zur Tortur. (Blieb uns bisher zum Glück erspart.) Sitze in der Reihe vor Notausgängen oder Trennwänden können unbequem sein: Die Lehnen lassen sich meist nicht oder nur minimal neigen.
Eher für einen Marketing-Gag, denn für etwas Sinnvolles, halte ich „Social Seating“ (zum Beispiel Meet & Seat von KLM). Man kann sich vor dem Flug dort anmelden, viele Informationen über sich preisgeben – und mit etwas Glück den passenden Nachbarn für einen langen Flug finden.
Die meisten Airlines zeigen auf ihren Homepages die Sitzverteilung in ihren diversen Flugzeugtypen an. Seatexpert, Seatguru, Seatmaestro oder Airlinequality sind bestens geeignet, sich sowohl über die passende Fluggeellschaft als auch den dazu passenden Sitzplatz zu informieren. Skyscanner hat vor geraumer Zeit einmal die besten Sitzplätze in einer Umfrage ermittelt – Lesestoff.
Bestimmte Sitze – wie z. B. an den Notausgängen – lassen sich inzwischen viele Airlines vorab gut bezahlen. Wer ein paar Euro mehr zahlen kann, die Kosten für die Business Class scheut, aber dennoch mehr Komfort möchte: „Premium Economy“ heißt bei vielen Fluggesellschaften das Zauberwort. United Airlines nennt das „Economy Plus“, British Airways taufte diese Klasse „World Traveller Plus“ und „Pacific Premium Economy“ heißt das Kind Air New Zealand. Weltweit etwa drei Dutzend Fluggesellschaften bieten eine aufpreispflichtige Zwischenklasse unterhalb der Business Class an.
PS: Wenn man nicht gewillt ist, für ausgewählte Sitzplätze im Billigflieger extra zu zahlen, bekommt man einen zufälligen zugewiesen. 19A und 19B erhielten wir – das ist über den Tragflächen. Also (wieder mal) Schwein gehabt …

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