Bei den Enkeln der Kopfjäger

A1Es gibt zahllose Möglichkeiten, ein traditionelles Langhaus auf Borneo (Malaysia) kennen zu lernen.
Dabei ist nicht unerheblich, wo und wie dies passieren soll. Eines sollte man in jedem Falle mitbringen: Zeit! In den größeren Städten (Kuching, Miri oder Sibu) in Sarawak gibt es eine kaum überschaubare Zahl von Tourismus-Agenturen, die zu ziemlich einheitlichen Preise Langhaus-Touren (mit und ohne Übernachtung) anbieten.LanghausDie Werbung der Agenturen ist unübersehbar, da muss niemand suchen. Die Preise liegen zwischen 30 Euro (Eintagestrip) und ca. 300 Euro (Fünftagestrip mit vier Übernachtungen). „Ausreißer“ nach oben und unten sind drin.
Wir haben in Sibu Boots-Tickets gen Belaga gekauft (zwei Tages-Reisen stromaufwärts). Eine preiswerte Zwischenübernachtung in Kapit ist ebensowenig ein Problem wie ein günstiges Quartier in Belaga zu finden. In Kapit ist es wichtig, sich noch vor der Weiterreise ein „permit“ zu besorgen!37 Oftmals wird dann aber trügerische heile Welt speziell für westliche Touristen vorgespielt, die mit der Lebenswirklichkeit nichts, aber auch gar nichts gemeinsam hat. Wer „Folklore“ sucht, sollte in diverse Museen gehen, z. B. ins „Sarawak Cultural Village“ nahe Kuching. Der Eintrittspreis ist kein Sonderangebot, aber das Museum ist gewiss recht sehenswert – nur spiegelt es eben die Vergangenheit wieder, nicht die aktuelle Lebensrealität.

Unsere gesamte Tour kann man hier nachlesen.

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Denn wer heute noch Männer mit Lendenschurz, Blasrohren und Speeren sucht, wird enttäuscht werden. Die traditionellen Langhäuser beherbergen meist mehr als 50 Familien und können mehrere hundert Meter lang sein. Ihren Lebensunterhalt verdienen die dort lebenden Menschen hauptsächlich durch Reis und Pfefferanbau. Als natürliche Nahrungsquelle dient der Anbau einiger Nutzpflanzen und der Dschungel. A LanghausDie Neuzeit ist auch in sehr weit entfernten Langhäusern angekommen. Mit allem Für und Wider – und bar jeder Romantik. Statt dessen Wellblechdächer, TV, PC und Beleuchtung aus Notstromaggregaten. Auch die Fünfminuten-Terrine von Maggi hat (leider) Einzug gehalten. Und damit das Müllproblem.
Herzliche Bitte an all unsere Nachfolger: nehmt den Kindern etwas für den Kopf – und nicht für den Bauch (Süßigkeiten) mit! Malhefte und Buntstifte (keine Faserschreiber!). Billiges Spielzeug landet rasch im Regenwald, ebenso die Verpackung der Schokolade. A3Andere, aber sehr schwierige Möglichkeit: Man spricht die Menschen an, wenn sie mit ihren Langbooten irgendwo stromaufwärts fahren, z.B. in Kapit oder Belaga. Mit viel Glück erhält man eine Einladung. Aber aufpassen: Die Langhaus-Bewohner wissen, dass es für Besucher noch am selben Tag kein Zurück gibt – und verlangen plötzlich horrende Preise für eine Übernachtung. Das muss unbedingt vorher geklärt sein! Außerdem gehört es sich, bei einer privaten Einladung sein Essen mitzubringen – und ein bisschen mehr. Gern gesehene Mitbringsel für Erwachsene sind Zigaretten und Kleinigkeiten aus der Heimat des Besuchers. Visitenkarten sind nützlich. A2Wir haben uns für einen dritten Weg entschieden: In Kapit haben wir uns auf die Suche nach einem seriösen Guide gemacht und fanden Joshua. Der Mann ist nicht zu verfehlen, wenn man wirklich sucht. Er hat uns problemlos in Belaga avisiert – und dort gibt es nur einen wirklich seriösen Führer: Anddreas Bato (Foto). (Ja der Vorname ist mit Doppel-D ist richtig geschrieben, die Hebamme hat es vermasselt beim Eintrag ins Register.) Der junge Kayan hat in Australien studiert und in seiner Heimat sämtliche Prüfungen mit Bravour bewältigt. 4Wichtig zudem: Anddreas fährt in Langhäuser, die nur er besucht – sozusagen ein Heimspiel für ihn. Da wir zu viert waren, wurde der Preis erträglich, p. P. ca. 17 Euro (Tag). Dafür gab es Einblicke in je ein Langhaus der Kayan und Kenyah, erfrischende Bäder in glasklaren kühlen Gebirgsbäche und am Wasserfall sowie zwei Besuche auf dem Reisfeld.
Für einen ausgiebigen Langhaus-Besuch ab Belaga sollte man (Start und Ende der Tour in Sibu) mindestens fünf Tage einplanen. Allein die Bootsfahrt auf dem Rajang stromaufwärts dauert zwei Tage. Nicht vergessen: In Kapit ein Permit besorgen! Wer im Langhaus übernachten möchte, sollte unbedingt einen Schlafsack und ein Moskitonetz dabei haben. Die beste Reisezeit ist von Februar bis Mai.
„Schnuppertouren“ zu den Iban bietet ab Kuching auch dieses Guesthouse.
Wer richtig viel Geld abschaffen und dafür aber keinen Komfort vermissen möchte, dem sei das Hilton Batang Ai Longhouse Resort empfohlen. Buchbar bereits in Deutschland oder im Hilton in Kuching.

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