Auf Schusters Rappen

Irgendwie ist jedwedes Schuhwerk irgendwann mal zu irgendwas nütze. Aber ein Irgendwas als Schusters Rappen  taugt nicht, auf längeren Strecken im Gelände unterwegs zu sein. In der allergrößten Not sind  hochwertige Outdoor-Sandalen mehr wert als billige Turnschuhe.
Irgendwie ist jedwedes Schuhwerk irgendwann mal zu irgendwas nütze. Aber ein Irgendwas als Schusters Rappen
taugt nicht, auf längeren Strecken im Gelände unterwegs zu sein. In der allergrößten Not sind
hochwertige Outdoor-Sandalen mehr wert als billige Turnschuhe.

Wir vermögen weder die „ultimativen“ noch die „besten“ Schuhe zu empfehlen, die man auf dem Jakobsweg tragen sollte. Aber nach einschlägigen Wandererfahrungen und dem im vergangenen Jahr gegangenen Caminho Português können wir kund tun, was sich für uns bewährt hat.
Gutes Schuhwerk halten wir zum Pilgern für das A & O, lange vor dem gut passenden Rucksack. Den Rucksack kann man notfalls austauschen oder transportieren lassen – falsche Schuhe bereut man jeden Tag aufs Neue. An den Schuhen sollte zuletzt gespart werden.

1. Wahl des richtigen Modells

Wir haben bisher Schuhe nur dann im Internet gekauft, wenn es sich um ein Modell handelte, das wir bereits an den Füßen hatten. Nichts ist ärgerlicher als ein Fehlgriff! Wer noch nie Trekkingschuhe gekauft hat, sollte sich in einem Fachgeschäft beraten lassen. Anprobieren ist immens wichtig. Und das heißt nicht, die Schuhe nur an- und auszuziehen. Man sollte schon darin herumlaufen und erkunden, wie sich der Schuh auf Steigung und Gefälle verhält. Wenn schon kleinere Unebenheiten auf der „Teststrecke“ im Geschäft an der Fußsohle ankommen – Finger weg. Die Sohle sollte einen gelungenen Kompromiss aus Gewicht, und Stabilität und Komfort darstellen.
Passende Trekkingsocken zur Anprobe mitzunehmen schadet nicht, Probierexemplare hat aber jeder gute Laden vorrätig.

Ich habe mir vor einigen Monaten den MEINDL Borneo gekauft, bin sehr damit zufrieden und werde ihn dennoch nicht auf dem Jakobsweg tragen: Wenn das Leder erst einmal durchfeuchtet ist, dann ist eine Trocknung über Nacht unmöglich.
Ich habe mir vor einigen Monaten den MEINDL Borneo gekauft,
bin sehr damit zufrieden und werde ihn dennoch nicht
auf dem Jakobsweg tragen: Wenn das Leder erst einmal durchfeuchtet ist, dann ist eine Trocknung über Nacht unmöglich.
Der Schuh muss zu seinem Träger passen – nicht der Träger zu irgendeiner Marke! Ob der Schuh stylisch daher kommt, ist völlig irrelevant – passen muss er. Wir haben grundsätzlich kein Problem mit Ausrüstungsgegenständen von Discountern, da kann man auch Glück haben. Schuhe sind die Ausnahme. Wer einen guten Schuh für längere Zeit haben möchte, sollte von Billigtretern tunlichst die Finger lassen.
Wir halten bei jedem Ausrüstungsgegenstand stets zuerst Ausschau nach ausgewiesenen Spezialisten. Wer vorgibt, alles zu können, kann meist nichts Halbes und nichts Ganzes anzubieten. Auch bei Schuhen seien Ross & Reiter genannt: Hanwag, Meindl, Lowa, Aku. Bei Sandalen und Flipflops führt an Teva kein Weg vorbei.
Schuhe nicht am frühen Vormittag kaufen, der Fuß schwillt im Laufe des Tages an! Im Zweifel das schwerere, aber dafür stabilere (knöchelhohe) Modell kaufen.
Was muss ein Schuh, der später im Gelände einen ganzen Tag Freude bereitet, wirklich können? Er muss den Fuß optimal im Gelenk stützen und über eine gut profilierte Sohle ausreichend Trittsicherheit und Halt geben. Mag sein, dass man auch mit Sport- oder Halbschuhen irgendwie sein Ziel erreicht. Ob dabei Freude aufkommt? Zweifel sind angebracht.
Faustregel bei der Wahl des Schuhs: Eine Nummer größer als sonst üblich. Verschiedene Fabrikate fallen höchst unterschiedlich aus. Ein Testlauf bergab gibt schlüssig Auskunft, ob die Luft zwischen Schuh und großem Zeh ausreicht. Ob man Schuhe aus Goretex oder aus Leder kauft, ist bereits eine Geschmacksfrage. Beide haben ihr Vor- und ihre Nachteile. Die „eierlegende Wollmilchsau“ bei Trekkingstiefeln haben wir noch nicht herausgefunden.
Wenn es erst einmal stundenlang wie aus den berüchtigten Eimern schüttet, bleibt kein Schuh trocken. Wer bei starkem Regen trockene Füße behalten möchte, muss sich entweder unterstellen – oder Gummistiefel anziehen.

2. Schuhe wirklich einlaufen

Neue Trekkingstiefel müssen gut eingelaufen werden. Zwei Mal um den Kirchturm reicht nicht. Erst nach längerem Tragen passt sich ein guter Schuh der Anatomie des Fußes wirklich an. Mit der Zeit werden Schuhe aus Leder auch geschmeidiger. Leichte Schuhe kann man kürzer einlaufen als schwere Modelle.
Bei neuen Schuhen können mehrstündige Testläufe nicht von Nachteil sein. Das Gelände sollte dabei möglichst abwechslungsreich sein. Die Stiefelchen schnürt man übrigens anfangs nicht gar zu fest! Wenn der Schaft noch recht steif ist: Die oberen Haken einfach frei lassen.

3. Einlegesohlen

Hier muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen! Wir benutzen selbst nur die im Schuh befindlichen Einlegesohlen, nichts Zusätzliches. Für andere kann dies dennoch nützlich sein – einfach ausprobieren. Man kann sogar individuell angepasste Einlegesohlen kaufen.

4. Füße pflegen nicht vergessen

Viele, die wir unterwegs trafen, haben gute Erfahrungen mit Kampferspray gemacht. Andere schworen auf Hirschtalg. Die nächsten würden auf Fußpuder nicht verzichten. Ob das hilfreich ist, wissen wir nicht. Wir haben keinerlei Einreibungen vorgenommen. Gründlich waschen (wenn möglich ein Wechselfußbad), abends Strümpfe und Schuhwerk wechseln – das war’s.

5. Socken müssen passen

Gute Trekkingsocken gibt es in ausreichender Zahl im Handel. Ein vergleichsweise hoher Preis ist allen gemeinsam. Es taugen wirklich nur Socken aus hochwertigen Materialien! Wolle ist absolut okay, wir bevorzugen dennoch einen Mix wie bei Meindl Revolution oder FALKE.
Wer unterwegs seine Füße leiden lassen möchte, kann gern Socken aus reiner Baumwolle tragen, ansonsten ist das tabu! Die Socken müssen wie angegossen sitzen! Falten sind der erste Weg zu Blasen. Socken müssen gewaschen und eingetragen sein. Niemals ladenneue Socken anziehen.

6. Auf den Weg machen

Wir haben am Morgen die Schuhe erst einmal nicht zu fest geschnürt, nach ca. anderthalb Stunden dann nachgeschnürt für den Rest des Tages. Eine zu feste Schnürung schadet mehr als sie nützt. Sollten die Zehen kribbeln, ist es schon zu spät: Sofort die Schnürung lockern!
Oftmals wird empfohlen, bei jeder Rast den Schuh auszuziehen und die Füße „ausdampfen“ zu lassen. Davon halten wir nichts. Wir behalten unsere Schuhe bis zum Tagesziel grundsätzlich an, lediglich bei einer längeren Kaffeepause wird die Schnürung manchmal gelockert.
Je zügiger wir mitunter gehen, umso häufiger fallen auch die Pausen aus. Eine (kurze) Rast ist bei uns nach frühestens 3 km, spätestens aber nach 5 km fällig.

7. Blasen und andere Ärgernisse

Auch eine weitere gern geäußerte „Regel“ befolgen wir nicht: Zwei Paar Socken übereinander zu ziehen. Wir finden, dass doppelt nicht immer besser hält. Für andere mag es ja dennoch hilfreich sein.
2014 sind wir bis nach Santiago de Compostela von Blasen und Abschürfungen verschont geblieben. Sicherheitshalber haben wir aber ein Minimum an Desinfektionsmittel, eine Sicherheitsnadel und dünne Damenbinden (!) dabei: Blase öffnen, desinfizieren, Damenbinde auf die Blase, Strumpf drüber – fertig. (Wir wissen wohl, dass nicht wenige vom Öffnen einer Blase abraten – da muss jeder selbst herausfinden, was ihm und seinem Fuß gut tut.)

8. Wenn ein langer Tag vorbei ist

Vor allem auf den ersten Etappen ist es die Wohltat des Tages, abends in der Herberge oder im Hotel die Stiefel abzulegen. Die Schuhe kommen (sofern möglich) erst einmal an die frische Luft. Ich schwöre als Allzweckwaffe auf meine Teva-Sandalen. Sie taugen abends für jegliche Zwecke, notfalls auch zum Duschen, wenn mir selbige in Sachen Hygiene nicht gut genug erscheint. Andreas wiederum schwört seit einigen Jahren auf seine Sanük. Wirklich wichtig ist aus meiner Sicht nur eines: Geringes Gewicht und sich wohl zu fühlen, mit dem, was man am Fuß trägt. Was einem sonst dazu einfällt, ist eigentlich egal. Die Geschmäcker sind verschieden und sollen es auch bleiben.

Um Preise wirklich vergleichen zu können, sollte man nicht irgendwann gemachte Schnäppchen oder Sonderangebote zugrunde legen. Einen vernünftig zu gebrauchenden Schuh für den Jakobsweg dürfte man ("Listenpreis") unter 150 Euro nicht bekommen. Andreas hatte Glück mit seinen Hanwag-Schuhen: Sie standen mutterseelenallein im Geschäft - und waren fast 30% reduziert.
Um Preise wirklich vergleichen zu können, sollte man nicht irgendwann gemachte Schnäppchen oder Sonderangebote zugrunde legen. Einen vernünftig zu gebrauchenden Schuh für den Jakobsweg dürfte man („Listenpreis“) unter 150 Euro eher nicht bekommen.
Andreas hatte Glück mit seinen Hanwag-Schuhen: Sie standen mutterseelenallein im Geschäft – und waren fast 30% reduziert.
Fazit: Man muss sich für ein einziges Paar entscheiden, das für den gesamten Weg taugt. Wir trafen niemanden, der ein zweites Paar dabei hatte. Schon Gewichtsgründe sprechen dagegen. Wer genügend Zeit hat, ist besser dran, „sacknasse“ Schuhe auszutrocknen und einen Tag zu pausieren. Ein Neukauf unterwegs ist sinnlos!
Wir würden immer wieder für Pilgerzwecke Trekkingschuhe kaufen, die knöchelhoch und aus Goretex sind. Pflege sollte man den Schuhen vom ersten Tage angedeihen lassen. Unterwegs erst recht. Wir benutzen seit Jahren ein gutes Imprägnierspray vor dem ersten Tragen und dann nach einwöchigem Gebrauch. Selbst Pflegemittel von manchem Discounter sind brauchbar (z. B. Deichmann).
Ausnahme: Wenn die Schuhe richtig nass waren, imprägnieren wir sie erneut gründlich, wenn sie wieder trocken geworden sind. Niemals nasse Schuhe einsprühen! Wenn es am Tag nicht geregnet hatte, haben wir außer mit einer Bürste den Staub zu beseitigen, auch nichts gemacht.
SchuhpflegeMit je drei Paar Trekkingsocken sind wir gut gelaufen – und werden das beibehalten. Wir haben die Socken erst nach jedem zweiten Tag gewaschen bzw. nur dann, wenn auch die Chancen gut standen, sie wirklich über Nacht wieder trocken zu bekommen.
Ein Waschmittel nehmen wir nie mehr mit – das Duschbad taugt allemal bestens zum Waschen (auch von Kleidung).
Wir haben im vergangenen Jahr an den Füßen anderer Pilger so ziemlich alles gesehen, was die menschliche Fantasie sich vorstellen kann: Das reichte vom klassischen Trekkingstiefel (die Mehrheit) über schwere Bergsteigerstiefel (die auch für eine Mount Everest-Besteigung getaugt hätten) und saloppe Halbschuhe bis hin zu Turnschuhen und offenen Sandalen. Wer mit Turnschuhen jemals durchs Wasser gewatet ist, dürfte dies kam allzu oft wiederholen. In Sandalen längere Zeit steil bergab zu gehen, wäre für uns eine Horror-Vorstellung. Aber: Jeder, wie er`s am liebsten mag!
Wir haben im vergangenen Jahr an den Füßen anderer Pilger so ziemlich alles gesehen, was die menschliche Fantasie sich vorstellen kann: Das reichte vom klassischen Trekkingstiefel (die Mehrheit) über schwere Bergsteigerstiefel (die auch für eine Mount Everest-Besteigung getaugt hätten) und saloppe Halbschuhe bis hin zu Turnschuhen und offenen Sandalen. Wer mit Turnschuhen jemals durchs Wasser gewatet ist, dürfte dies kam allzu oft wiederholen. In Sandalen längere Zeit steil bergab zu gehen, wäre für uns eine Horror-Vorstellung. Aber: Jeder, wie er`s am liebsten mag!
Hier hat Andreas sich zum Thema Schuhwerk ausgetobt.

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