Wenn ein Englein auf die Zunge pinkelt

cog2Wohin reisen, wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen immer weiter fallen? Wir waren zwar zur wärmeren Jahreszeit in der Charente, aber es heißt ja im Volksmund, Conjacken seien die wärmsten Jacken! Wer je in einer der Brennereien in Cognac einen wirklich grandiosen Branntwein gleichen Namens verkostet hat, wird zustimmen: Es ist als pinkele ein Englein auf die Zunge!
Von „Eau de vie“, Lebenswasser, sprechen jene, die sich in und rings um das malerische südfranzösische Städtchen Cognac mit diesem Branntwein befassen. In der Charente trägt das Phänomen des zum Himmel hin verdunstenden Cognacs den schönen Namen „Anteil der Engel“: Ein Teil der Branntweinmenge verdunstet während der Alterung. Die Verluste betreffen hauptsächlich die Hauptbestandteile Alkohol und Wasser. Andere flüchtige Verbindungen verdunsten ebenfalls mehr oder weniger stark. Hierdurch tritt eine Konzentration der am wenigsten flüchtigen Verbindungen ein. Durch Verdunstung gehen rund zwei Prozent der gesamten Lagerbestände verloren, umgerechnet also mehr als 20 Millionen Flaschen pro Jahr! Die Engel sind also ganz schön durstig.cog3 Kaum ein hochprozentiges Getränk, dass so urfranzösisch erscheint. Dabei verdankt der Cognac sein Dasein Engländern, Schotten und Iren! Es war Jean Martell, der im Jahre 1715 von Jersey gen Cognac kam, um dort Branntwein herzustellen. Damit ist Martell das Cognac-Haus mit der längsten Tradition. Martell war ein begnadeter Geschäftsmann: Schon wenige Jahre nach seiner Ankunft in Cognac verschickte seine Haus jährlich rund 35.000 Fässer. Heute sind es mehr als 30 Millionen Flaschen, die Jahr für Jahr aus Cognac in 140 Länder exportiert werden.cog5Der irische Soldat Richard Hennessy beschloss 1765 ebenfalls Brandy in Cognac herzustellen. Heute gehört die weltweit bekannte Marke zum Luxuskonzern LVMH und ist Weltmarktführer. Auch Baron Jean Baptiste Otard war kein Franzose, sondern schottischer Abstammung. Im Jahre 1795 begann er, in einem Château Cognac herzustellen. Zwischen meterdicken Wänden glaubte er, ideale Bedingungen zum Reifen des Cognacs gefunden zu haben – weder zu feucht noch zu trocken und gleichbleibend kühl. Auch Otard kann man besuchen. Rémy Martin hat seinen Sitz ebenfalls in der Stadt Cognac. Der Name des weltweit zweitgrößten Cognac-Produzenten geht auf Winzer Rémy Martin zurück, der das Haus 1724 gründete. Mehr als zwei Jahrhunderte hielt sich das Haus, bis es in den 1920er Jahren von André Renaud übernommen und von Grund auf umstrukturiert wurde. Die 1835 von Felix Courvoisier gegründete Brennerei gleichen Namens ist heute viertgrößter Hersteller. cog1Noch immer – und als einzige verbliebene! – in Familienbesitz befindet sich die fünftgrößte Brennerei Camus. Gründer des Unternehmens war Jean-Baptiste Camus (1835–1901), der sich – als unabhängiger Winzer – im Jahre 1863 entschloss, den von ihm gebrannten Weinbrand nicht mehr an die bereits bestehenden Cognac-Häuser zu verkaufen, sondern in Zukunft selbst zu vermarkten.
Auch der Besuch kleinerer Brennereien lohnt. 1862 reisten die beiden Schlesier Karl und August Meukow im Auftrag des russischen Zaren in die Charente, um Cognac auszusuchen. Die beiden Herren blieben, gründeten noch im selben Jahr das Cognac-Haus Meukow. Sehenswerte Tour! cog5

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