Man ist, was man isst?

Fotomontage Essen international

Um es unmissverständlich zu sagen: Ein gutes (!) Steak geht für mich immer, medium rare und  möglichst groß. Beilagen wären komplett verzichtbar.

Um es unmissverständlich zu sagen: Ein gutes (!) Steak geht für mich immer, medium rare und möglichst groß. Beilagen wären komplett verzichtbar.


Nichts ist ja bekanntlich verschiedener als Geschmäcker. Das gilt in allen Lebenslagen – und beim Essen erst recht! Da ich selbst sehr gern koche, schaue ich auch gern in Kochtöpfe fremder Länder. Was nicht zwangsläufig heißt, dass ich auch daraus esse!
Es gibt, wenn man der Altersrente entgegen geht, einige lieb gewordene Gewohnheiten, die zu ändern eine Tortur bedeuten würden. Ich bin und bleibe der Mensch in seinem Urzustand – ein Allesfresser. Oder eleganter ausgedrückt – ein Mischkostler. Ich stelle meistens auch fest: Alles, was nicht dick macht, schmeckt auch nicht.
Ich habe bei meiner memelländischen Großmama gelernt: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Daran halte ich mich, auch wenn es mitunter schwer fällt. Aber nicht alles, was ich als geladener Gast esse, würde ich mir auch selbst unter anderen Umständen bestellen.
Regel Nr. 1: Ich möchte von dem, was ich – wo auch immer – esse, auch satt werden! Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass Quantität vor Qualität ginge. Beides muss stimmen. Das eventuell verborgene Fleisch möchte ich aber nicht unter acht Blättern Rucccola mit der Lupe suchen müssen.
Fritten in BelgienDie meisten Reisenden, mit denen ich auch heute noch Kontakt pflege, teilen meine Ansicht: Ohne gutes Essen und guten Wein ist der Zielort nur die Hälfte wert. Ich kann sehr gut auf eines davon verzichten. Beide Komponenten mag ich nicht tagelang entbehren.
Sieben Dinge gehen auf Reisen immer: Fleisch, Fisch, Wurst, Käse, Nudeln, Kartoffeln, Süßes. Reis ist kein Problem, aber bitte nicht wochenlang und ausschließlich. Damit bin ich an meinen Lieblingsdestinationen auf der ziemlich sicheren Seite angelangt.
Die Liste dessen, was ich nur unter bestimmten Bedingungen und an bestimmten Orten esse, würde sehr lang ausfallen. Einige Beispiele: Pommes frites gehen nur in Belgien, meist auch nur in Antwerpen. Ansonsten ist das ein Notnagel, den ich selten bis nie einschlage. Eine Bratwurst esse ich in Thüringen, in Franken – und sonst nirgends!
Pizza kommt mir jenseits der Grenzen Italiens nicht oder nur selten auf den Tisch. Ebenso wenig wird mich ein Nicht-Schweizer dazu bewegen können, bei ihm Rösti zu essen. Einen Kaiserschmarrn esse ich nur in Österreich – und auch da schaue ich vor der Bestellung genau auf andere Teller wie dieser sich optisch anlässt.
Wild bestelle ich mir nur in der Jagdsaison – Tiefkühlkost mag ich nicht. Exotische Früchte (vor allem Papaya, Ananas & Mango), mag ich sehr: Aber nur dort, wo sie natürlich wachsen und in reifem Zustand. Ein flüssiger eisgekühlter Papaya-Pineapple-Mix in Singapur: Da geht nichts drüber.
Was geht gar nicht? „Vogelfutter“ in jeder Darreichungsform! Damit meine ich bei Müsli jedweder Art oder Haferflocken am Morgen (auch Cornflakes sind für mich grenzwertig). Mit Porridge könnte man mich ans Ende der Welt jagen, wenn damit verhindert würde, dass ich es ein weiteres Mal essen muss.
Salat als Hauptmahlzeit wäre ein no go! Als Beilage ist das okay, zusammen mit gebratenemen Geflügel oder Fisch wird es sogar erträglich. Aber eher fallen Ostern und Weihnachten auf einen Tag, bevor ich mir freiwillig „Karnickelfutter“ bestelle.
Ich esse nach Möglichkeit kein Gericht, dessen „Einzelteile“ nicht identifizierbar sind. Bis zur Unkenntlichkeit zerkochtes Gemüse mag ich weder in Leipziger Allerlei noch in Minestrone. Ein aus Fleischfasern bestehendes Gulasch bekommt der Koch von mir ebenfalls zurück. Wenn der Đuveč-Reis auf dem Balkan gelegentlich als Matsch daher kommt: Nein, danke.
Zwei Möglichkeiten habe ich bisher verweigert als die Chance zum Kosten bestand: Ein unsägliches Gemisch aus Rinderblut und Milch (beides körperwarm!) in der Masai Mara und in Kambodscha konnte ich mich mit frittierten Vogelspinnen so gar nicht anfreunden. Hat alles irgendwie etwas von extreme eating in Reinkultur!
Reise  BorneoMitten im Dschungel von Sarawak (Malaysia) wurde mittags bei Reisbauern zu Tisch gebeten (Foto). Der gedämpfte Trockenreis war eine wahre Köstlichkeit. Die „Beilagen“ waren essbar (gelinde ausgedrückt). Never ever! Zumal ich nicht im Entferntesten wusste, was es nun genau ist. Aber vielleicht will ich es auch gar nicht wissen.
Was kulinarisch aus der Reihe fällt: Ich habe bereits mehrfach Hühnerfüße gegessen, auch Schlange fand sich in Vietnam bereits auf meinem Teller. Gegrillte Heuschrecken fand ich in Thailand ebenso essbar wie frittierte Maden. Was ich weder kosten, geschweige denn essen würde: Hund!
Zwei viel kritisierte Speisen der Grand Nation kommen mir gelegentlich auch auf den heimischen Tisch: Gänsestopfleber (auf knackfrischem Salat) und Froschschenkel (in Sahne-Knoblauch-Sauce mit frischen Kräutern).
PortoNatürlich probiere ich – wann immer möglich – was anderen Orts als Spezialität gepriesen wird. Vergangenes Jahr habe endlich das Versäumnis eliminiert, Francesinha in Porto zu essen. Dieses meist in viel Flüssigkeit schwimmende Sandwich besteht aus Toastbrot, Kochschinken, Linguiça, Beefsteak oder gebratenem Rindfleisch. Darauf thront geschmolzener Käse. Die Soße ist aus Tomaten, Bier und Senf. Resultat: Kann man essen, kann man auch gut bleiben lassen.
Eine sehr spezielles portugiesisches (aber auch spanisches) Fischgericht, dessen Rohprodukt allerdings nicht gerade angenehm riecht, lässt mir schon beim Gedanken daran das Wasser im Munde zusammen laufen: Bacalhau.
Für Austern könnte ich mein Leben lassen (was auch schnell realistisch wird, wenn diese verdorben sein sollten!). Man offeriere mir ein halbes Dutzend frische Austern und ein Glas Chablis – dafür lasse ich (fast) alles andere stehen. Auch zu frischen Muscheln (vorzugsweise in Weißwein mit vielen Kräutern gekocht) muss man mich in Meernähe nicht überreden.
Eine gemischte Käse-Platte mit ein paar frischen Trauben kann mich nicht nur in Italien oder Spanien glücklich machen. Handkäs mit Musik tut es ebenso wie Würchwitzer Milbenkäse (nicht wirklich vergleichbar mit sardinischem Casu Marzu).
Kokossuppe ThailaandDas Hohelied auf die chinesische und thailändische Küche zu singen, würde einen Roman füllen. Die Straßenküchen in Bangkok, Hongkong oder anderswo sind immer ein Geschmackserlebnis gewesen. Dim Sum wird ebenso auch daheim zelebriert wie Pad Thai oder diverse leckere Currys. Scharf darf es bei mir immer sein, Knoblauch ist auch kein Ausschlusskriterium. Im Gegenteil. Es musss ja nicht an einem Tag sein, an dem man anderen noch recht nahe kommt (z. B. im Flieger oder im Bus)!
Ich bestätige gern das landläufige Vorurteil von Frauen über Männer, dass letztere vor allem das gerne essen, wozu es nur einen großen Löffel braucht.
Ja, ich bin ein bekennender Suppen-„Kasper“! Dabei ist es vollkommen egal, ob es sich um eine deftige Linsen- oder Erbsensuppe, Bouillabaisse, Gazpacho, Borschtsch, Soljanka oder eine scharfe Tom Ka-Suppe handelt.
Da der Mensch nicht nur feste Nahrung zu sich nehmen kann: Da im Wein bekanntlich Wahrheit liegen soll, komme ich nur schwer an Weingütern zwischen Unterfranken und Andalusien vorbei. Bei der Besichtigung bleibt es für gewöhnlich nicht – auch die eine oder andere Flasche reist anschließend im Campingbus mit. In Aquitanien und beim Nachbarn Charente kenne ich zwar kein Museum von innen, wohl aber diverse Weinkeller und Cognac-Destillerien.
Schottland ohne Whisky-Destillerie? Undenkbar! Sofern ich Vertrauen zu den „Brennmeistern“ habe, schrecke ich in Russland, Polen oder auf dem Balkan auch vor selbstgebranntem Wodka oder Slivovitz nicht zurück.
Das waren samt und sonders Getränke nur zum Feierabend. Flüssige Begleiter von früh bis spät sind Kaffee in allen denkbaren Variationen (abends dann auch gern als Caffè corretto!) und Coca Cola (in der light-Variante). In tropischen und subtropischen Gefilden fallen Wein und Hochprozentiges aus praktischen und gesundheitlichen Erwägungen komplett aus. Ein gut gekühltes Bier am Abend ist ein anderes Thema.
Btw: Abgefrühstückt wurde bereits.

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