Jakobsweg: Nichts für Sparfüchse!

Wenn als  erster Gang Salmorejo angeboten werden sollte: Unbedingt probieren! Ohne Schinken und Ei obenauf auch ein veganes Gericht.

Wenn als erster Gang Salmorejo angeboten werden sollte: Unbedingt probieren! Ohne Schinken und Ei obenauf auch ein veganes Gericht.

Wer beabsichtigt, einen der vielen Jakobswege in Spanien, Frankreich oder Portugal zu gehen, schlage sich eines vorab aus dem Kopf: Aktivurlaub zum Nulltarif geht anders! Wer sich eine komplette Ausrüstung vorab noch kaufen muss, lernt schnell, was gutes Equipment kostet.
Es gibt kaum einen Start- und/oder Zielort, der es nicht wert wäre, etwas ausführlicher besichtigt zu werden. Die Hotelkosten sind dann oft entsprechend! Natürlich gibt es immer und überall „Sparpotenzial“. Doch für uns hört an einem bestimmten Punkt dann eben auch der Spaß auf. Einen ganzen Tag in Gluthitze unterwegs zu sein, um dann des Sparens Willen abends kalt zu duschen und Kamillentee zu trinken? Nein, danke! Die Beispiele wären zur langen Liste aufblähbar.
Die Gesamtkosten für 20 Tage (inkl. "Vor- und Nachprogramm" in Brüssel und Sevilla) beliefen sich auf 1.704,13 Euro. Der größte Posten: Essen 6 trinken = 697,43 Euro, gefolgt von Übernachtung (549,70 Euro) und Bus, Bahn & Flieger = 435,40 Euro.

Die Gesamtkosten für 20 Tage (inkl. „Vor- und Nachprogramm“ in Brüssel und Sevilla) beliefen sich auf 1.704,13 Euro. Der größte Posten: Essen & trinken = 697,43 Euro, gefolgt von Übernachtung (549,70 Euro) und Bus, Bahn & Flieger = 435,40 Euro. Unter „Sonstiges“ liefen Eintritte, Ticket-Ausdruck und Kerzen.


Nach mir vorliegenden spanischen Quellen gibt ein Pilger durchschnittlich pro Tag 38 Euro aus. Wir lagen bei knapp 43 Euro pro Person und Tag (all inklusive!). Alle Paare, die uns bisher begegneten (meist im gleichen Alter oder älter), lagen in diesem Bereich bei ihren täglichen Kosten. Wie bereits im vergangenen Jahr auf dem portugiesischen Jakobsweg haben wir auch 2015 nur dann „klassische“ Pilger-Herbergen aufgesucht, wenn kein Bett mehr woanders zum halbwegs vertretbaren Preis frei war. Nicht selten (z. B. in Mérida) kostet das Bett in der Herberge pro Person 10 Euro. Bei zwei Menschlein liegt die Differenz zum Hotel (30 Euro) bei einem schlappen Zehner – das ist es uns stets wert (auch wenn das Hotel mitunter noch etwas mehr kostet).
Die Qualität der Pilger-Herbergen schwankt noch immer beträchtlich. Nicht immer stehen Sauberkeit und Hygiene im Vordergrund. Wir hatten meistens Glück, haben aber auch einen echten „Saustall“ vorgefunden. Nicht immer sind mehrere Duschen und WC vorhanden. Welche Freude aufkommt, wenn man Stunde darauf wartet, mal unter die Dusche zu kommen, mag sich jeder selbst ausmalen. Wir meiden solche Situationen, wo und wann immer es geht.
Rechnet man lediglich die reinen Jakobsweg-Tage zusammen, so ergeben sich für Logis = 392 Euro und für Speisen & Getränke summa summarum 544,98 Euro.

Rechnet man lediglich die reinen Jakobsweg-Tage zwischen Sevilla und Cáceres zusammen, so ergeben sich für Logis = 392 Euro und für Speisen & Getränke summa summarum 544,98 Euro.

In den Kosten für Speis & Trank steckt bei uns auch Bier, Rotwein oder ein Verdauungs-Schnäpschen mit drin. Wir machen es mit dem Campingbus selten anders: Unsere beiden Mahlzeiten heißen Frühstück (eher bescheiden) und Abendessen (eher recht ausgiebig). Speziell beim Frühstück können die Kosten schon erheblich differieren: Man bekommt für 2 Euro pro Person nicht selten bereits Milchkaffee, Toast, Butter und Marmelade. Auch Milchkaffee und Churros gibt es zu diesem Preis. Wenn man mit Appetit satt werden möchte, kommt man bei zwei Personen schnell über die 15-Euro-Schwelle: Mit zwei Milchkaffee, zwei Bocadillos mit gutem Schinken und je einem Glas frisch gepresstem Orangensaft hat man das fix ausgegeben.
Derart viel Fleisch kommt nur selten als zweiter Gang auf den Teller.

Derart viel Fleisch kommt nur selten als zweiter Gang auf den Teller.

Mit dem sogenannten Pilger-Menü ist es so eine Sache. Das wird fast überall mittags und abends angeboten – meist zu Preisen zwischen 6 und 10 Euro. Es handelt sich um ein dreigängiges „Menü“, meist mit einer Suppe, einem Hauptgericht (mit Fleisch oder Fisch) und einem Dessert. Qualität und Menge sind sehr unterschiedlich. Oft kann man die drei Gänge nach seinen eigenen Wünschen zusammenstellen, fast immer gibt es zur Hauptspeise ein frei wählbares Getränk. Wir haben statt eines Desserts (nicht selten kommt ein Flan aus dem Supermarkt auf den Teller) fast immer einen Café con leche vorgezogen. In der Regel halten die Restaurants inzwischen auch Menüs für Vegetarier und Veganer bereit.
Die Getränkepreise in Andalusien und in der Extremadura empfanden wir als sehr moderat. Ein Café von leche kostete fast immer 1 Euro, sehr selten mehr. Bier kommt meist in 0,2 l-Gläsern daher und kostet zwischen 1 Euro und 1,30 Euro. Coca Cola oder Fanta sind geringfügig teurer. Ordert man eine Literflasche Bier, ist man nicht selten bereits mit 2,50 Euro dabei. Wasser haben wir abends nicht getrunken – wir hatten Durst und wollten uns nicht waschen (das taten wir zuvor unter der Dusche). Das Glas Rotwein wurde regelmäßig für 1,50 Euro durchgewunken, eine ganze Flasche trinkbaren Rebensafts schlug mit 8 Euro bis 10 Euro zu Buche.
Es hätten sich auf allen Speisekarten, die wir unterwegs in den Händen hielten, auch für unter 10 Euro zahlreiche Hauptgerichte gefunden, die uns mit gutem Appetit gesättigt hätten. Eine einzige Ausnahme gab es: Für eine ración (großer Teller) vom besten Jamón Ibérico wurden auch schon mal 20 Euro und mehr aufgerufen! Davon nicht zu essen, wäre Frevel gewesen!!!
Die Herberge im Kloster von  Alcuéscar kann mehr als 20 Pilger aufnehmen, die meist in ehemaligen Mönchszellen untergebracht werden. Für solche und ähnliche Gelegenheiten sollte unbedingt der Schlafsack dabei sein (Bettwäsche ist schon aus Kostengründen in den meisten Herbergen Fehlanzeige!). Das gemeinsame Nachtessen um 19:30 Uhr war ein schönes Erlebnis. Dass einige am nächsten Morgen die Spendenbox "übersahen", war weniger schön.

Die Herberge im Kloster von Alcuéscar kann mehr als 20 Pilger aufnehmen, die meist in ehemaligen Mönchszellen untergebracht werden. Für solche und ähnliche Gelegenheiten sollte unbedingt der Schlafsack dabei sein (Bettwäsche ist schon aus Kostengründen in den meisten Herbergen Fehlanzeige!). Das gemeinsame Nachtessen um 19:30 Uhr war ein schönes Erlebnis. Dass einige am nächsten Morgen die Spendenbox „übersahen“, war weniger schön.

Ein offenes Wort für alle „Sparfüchse“ zu den von Mönchen oder Privatpersonen betriebenen Herbergen, die keine fixen Preise – sondern statt dessen eine Spendenbox haben. Für nicht wenige Landsleute haben ich mich in solchen Häusern geschämt wie ein Bettnässer! Nassauer scheint nicht weniger Deutscher zweiter Vorname zu sein! Sie tun wahnsinnig christlich – vergessen aber stets das Bezahlen. Das Lied, das einige Hospitaleros davon singen können, ist unschön und garstig.
Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, ob er sein müdes Haupt für 10 Euro betten möchte  (oben) - oder ob er abends für das doppelte Geld bereits anders empfangen werden will.

Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, ob er sein müdes Haupt für 10 Euro betten möchte (oben) – oder ob er abends für das doppelte Geld bereits anders empfangen werden will.

Es ist allerdings ein himmelweiter Unterschied, ob man allein oder zu zweit unterwegs ist! Wer allein ein Hotelzimmer nutzt, wird auf Dauer recht teuer leben. Wer ausschließlich in Herbergen übernachtet (womöglich in stets vollen Schlafsälen), bekommt irgendwann schlechte Laune.
Wir trafen sehr viele „Wiederholungstäter“, die uns alle bestätigten, dass man zumindestens ab und an ein Stück Privatsphäre braucht. Es ist schon ein schönes Gefühl, sich nach einem anstrengenden Tag in ein „richtiges“ Bett und/oder in eine Badewanne legen zu können.
Last but not least ein paar überdeutliche Worte an verwirrte Schäfchen. Wen meine ich damit? Diejenigen Landsleute, die in der wärmeren Jahreszeit die Vía de la Plata oder andere Jakobswege als „Dauerwohnsitz“ unterhalten. Sie haben selten einen Knopf in der Tasche – aber immer einen frommen Spruch auf den Lippen. Sie brauchen nichts, schnorren aber alles. Sie laufen noch zu nachtschlafener Stunde am Morgen los – in der Hoffnung, in der nächsten Herberge zeitig genug anzukommen, um verwertbare Essensreste vorzufinden, die andere zurückgelassen haben.
Unterm Strich: Nur Traumtänzer kommen mit einem Taschengeld auf dem Jakobsweg zurecht! Rechnen wir einfach mal den niedrigsten Satz aus. Ein Bett für 6 Euro, ein Pilgermenü für 7 Euro, dazu 2 Euro am Tag für Mineralwasser. Statt eines Frühstücks ein Einkauf im Supermarkt für 4-5 Euro. Macht unterm Strich immer noch 20 Euro. Wer das haben muss und kann – bitteschön. Freude geht für uns anders – und wir schmeißen wahrlich nicht mit dem Schinken nach der Wurst!
Von Luxus war dieses DZ (40 Euro) weit entfernt. Aber das Hotel bot ein schönes Stück Privatsphäre in sauberer Umgebung - kostenloses WLAN dazu.

Von Luxus war dieses DZ (40 Euro) weit entfernt. Aber das Hotel bot ein schönes Stück Privatsphäre in sauberer Umgebung – kostenloses WLAN dazu.

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