In der Heimat der Kopfjäger (Teil 4)

Tag 15: Schon um 7 Uhr am Morgen wollten am Busbahnhof in Kuching wieder jede Menge Taxi-Fahrer mit uns ins Geschäft kommen. Aber wie soll das gehen, wenn der Bus 0,46 Euro kostet? 45 Minuten dauert die Fahrt zum Eingang des Bako-Nationalparks.

Dann kommt man nicht umhin, ein Boot zu mieten. Fünf Personen haben darin Platz, der Preis ist unabhängig von der Personenzahl. Logisch eigentlich! Also halten wir Ausschau nach Mitfahrern und werden fündig: Eine Mutter mit zwei halbwüchsigen Kindern will auch zum Park. Wie sich heraus stellt, kommt Mama aus Dänemark und spricht sehr gut Deutsch. Dann bleibt uns die Spucke weg: Papa (Seemann) verdient die „Kohle“ und Mutti ist mit den zwei lieben Kleinen insgesamt viereinhalb Monate auf Asien-Tour. Schön für sie – aber irgendwas müssen wir wohl falsch machen …

Das Boot fährt einen Fluss hinunter bis zur Mündung – und dann aufs offene Meer hinaus. Bei der Größe dieser „Nussschale“ ist es gut, seefest zu sein! Es ist windig – und es kommt reichlich „Segen“ von oben. Nach 25 Minuten landet man dann im Nationalpark an und kann einchecken. Das Zimmer ist geräumig, leider ohne Klima – was soll´s. Wir machen uns anhand eines Plans kundig – und laufen los. Es gibt etwa ein Dutzend sogenannter Trails, unterschiedlich lang und unterschiedlich beschwerlich. Teils sind die Wege beplankt, teils geht es über Stock und Stein. Da ist festes Schuhwerk mehr als angesagt.

Wir haben uns für einen Weg entscheiden, der in einer schönen Bucht endet und unterwegs (dem Vernehmen nach) die Chance bieten soll, die Nasen-Affen zu sichten. Ihr überdimensioniertes Riechorgan gab den Tieren einst ihren Namen. Die sogenannten Holländer-Affen (wie die Malaysier sie nennen) sind noch stärker bedroht als die Orang Utans. Gerade einmal 1.000 Tiere soll es noch (ausschließlich auf Borneo!) geben. Die Nase ist allerdings nur bei den männlichen Affen markant vergrößert. Die scheuen Primaten leben in Gruppen von 10 bis 30 Tieren tief in den Mangrovenwäldern zusammen. Nasenaffen leben in „Haremsgruppen“ – Kleingruppen, die sich aus einem erwachsenen Männchen, ein paar Weibchen und deren Nachkommen zusammensetzen. Es gibt aber auch reine Männchengruppen. Die Affen gelten als die besten Schwimmer unter allen Primatenarten. Oft springen sie direkt von den Bäumen ins Wasser, sie können zudem bis zu 20 Meter tauchend zurücklegen. Die tagaktiven Waldbewohner leben daher auch nie weit vom Wasser entfernt.
Hinsichtlich ihrer Kost sind die Nasenaffen sehr wählerisch. Ihre Nahrung besteht zum überwiegenden Teil aus Blättern und Früchten, in geringerem Ausmaß werden auch Blüten verzehrt. Ausgewachsene Affen erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 66 bis 75 cm, der Schwanz ist nochmal ebenso lang wie der Körper. Männchen sind mit einem Gewicht von 16 bis 22 kg gut doppelt so schwer wie Weibchen. Die größte Bedrohung der putzigen Affen: Riesige Ölpalm-Plantagen (Biosprit lässt grüßen!!) fressen sich immer tiefer in ihren Lebensraum. Die Folge: Es gibt kaum noch Mangrovenwälder entlang der Küste, die der Vielzahl von Land- und Wassertieren eine Zuflucht bieten.

Auf dem Trail kommen wir an Mangroven-Wäldern und mancherlei kleinem Getier vorbei, es herrscht Ebbe. Also gute Chancen auf die Affen. Aber erst einmal durch den Regenwald zum Südchinesischen Meer. Das Wetter ist eher durchwachsen, die Sicht nicht der „Brüller“. Der Weg ist beschwerlich, weil es stets steil auf und ab geht. Ich komme nicht so voran, wie ich es gerne hätte – aber einen Sturz kann ich mir nicht leisten. Der Untergrund ist extrem glitschig und die Luftwurzeln bieten nicht immer halt. Nach einer Dreiviertelstunde dann die Bucht. Traumhaft – und kein Mensch da! Wir genießen die Ruhe und gehen dann langsam zurück.

Am Plankenweg über die Mangrovensümpfe treffen wir einen deutschen Tierfotografen mit seiner Frau. Auch sie warten auf die Nasenaffen, da sie an dieser Stelle stets welche getroffen haben. Wir setzen uns dazu – und warten, und warten und warten. Plötzlich kommt Bewegung in den Regenwald, die Wipfel biegen sich. Die Affen kommen! Doch zuerst machen uns die Languren ihre Aufwartung. Graue Gesellen, denen meist die Nasenaffen folgen. Und so war es auch. Sind schon putzige Viecher. Wir haben die Tiere fast zwei Stunden beobachten können. Ein Heulen hätte sich einstellen können, gerade jetzt keine vernünftige Kamera mehr zu haben!!!!

Dann ging´s zurück zur Parkverwaltung, wo sich auch die Bungalows zum Übernachten befinden. Wir haben zu Abend gegessen und sind dann gleich „abgetreten“. Vor der Tür hat uns noch ein Wildschwein „Gute Nacht“ gesagt …

Tag 16: So richtig gut haben wir bei den nächtlichen Temperaturen nicht geschlafen, aber ausreichend. Das Frühstück lässt keine Wünsche übrig, allerdings wird wirklich jeder Bissen extra berechnet. So kommen wir auf die für malaysische Verhältnisse stolze Summe von 26 Ringgit (was etwa 5,62 Euro entspricht). Unter normalen Umständen wird man dafür zu zweit einen ganzen Tag lang satt! Wir kraxeln einen weiteren Trail entlang und kehren dann zum Affen-„Aussichtspunkt“ zurück. Als hätten die Nasenaffen gewusst, dass uns nur noch dieser eine Tag bleibt: Plötzlich raschelt es wieder im Regenwald – und zwei Herden kommen!

Leider erleben wir dann gleich die Unvernunft lokaler Guides im Verbund mit sächsischen Dumpfbacken. Zwei Guides sind mit einer Viergruppe und einer Dreier-Gruppe am Strand entlang gelaufen – und kommt nun durch den Mangrovenwald (auf eigentlich streng verbotenem Terrain) zurück. Er möchte sich wohl ein paar Dollar dazu verdienen. Einige unserer Begleiter gestikulieren eindeutig, dass die „Naturfreunde“ zurück bleiben mögen, um die Affen nicht zu verjagen. Keine Reaktion. Statt dessen läuft das Grüppchen seelenruhig weiter – und die Affen ziehen sich erst einmal zurück. Alle, die am Plankenweg ausgeharrt haben, erzählen den Guides ein paar unfreundliche Takte. Das Wort „fuck“ kommt auch vor. Einer der Guides „tickt“ aus (was so gut wie nie vorkommt!) und erklärt, es sei „sein“ Gebiet. Wir klären ihn freundlich auf, dass es eben nicht „sein“ Gebiet, sondern Nationalpark für „alle“ sei und er seinen Job vergessen kann, wenn er so weiter macht. Keine Affen, keine Touristen! Dann kommen zwei Männer aus der Gruppe auch noch dämlich – und die Aussprache bringt es an den Tag: Sachsen! Ich bekomme den ganz dicken Hals und entnehme mein Vokabular der Keller-Schublade. Es hilft! Nach 20 Minuten kommen die Affen zurück. Drei Stunden Naturschauspiel. Einfach nur geil!! Noch größere Nasenaffen-Populationen gibt es nur noch in Sabah und in Kalimantan. Wie lange noch?

Am Nachmittag dann wieder die Suche nach einem Boots-Partner. Erfolgreich: Ein Schwabe auf Einjahres-Trip durch Asien schließt sich uns an. Das Wetter auf der Rückfahrt ist deutlich besser. Am frühen Abend sind wir wieder zurück in Kuching und übernachten bei den Nomads.

Tag 17: Ausschlafen war angesagt, aber nicht über Gebühr! Um 8 Uhr zogen wir los. Einkaufen. Denn im Kubah-Nationalpark gibt es zwar Übernachtungs- und Kochmöglichkeiten – aber keinen einzigen Laden. Auch anderswo muss man seine Lebensmittel mitbringen. Nichts Ungewöhnliches also. Nach langem Hin und her entschließen wir uns dann doch für die schnelle Küche, also Instant-Nudeln. Ein wenig Tee, Nescafé (es gibt keinen Bohnenkaffee!) und Mineralwasser, das war´s dann. Busse verkehren nicht zum Nationalpark, ein Taxi bringt uns hin (30 Kilometer). Für den nächsten Tag vereinbaren wir die Rückfahrt bzw. einen Anruf, falls sich unsere Pläne ändern sollten.

Obwohl unsere Ankunft bekannt war, können wir nicht einchecken – es muss noch sauber gemacht werden. Den langen Trail, an dessen Ende es einen super Aussichtspunkt zum Meer hin geben soll, verkneifen wir uns. Zu lang – und das Wetter lässt nicht auf gute Fernsicht schließen. Im Kubah-Nationalpark (erst in den 1990er Jahren in Betrieb gegangen) steht mehr die Flora im Vordergrund. Deshalb sind hier auch kaum Besucher zugange. Wir sind die Einzigen!
Ab in den Regenwald! Es geht erst einmal steil bergauf, bevor wir in die „grüne Hölle“ abtauchen können. Wir grüßen Frösche und Schlangen und überlegen, warum für die 2,5 Kilometer zwei Stunden Gehzeit angegeben werden …

Nach 30 Minuten beginnt es zu regnen. Wir stellen uns unter großen Bäumen unter – und bereuen es sogleich. Die Blutegel kommen! Jeder Stopp auf dem Dschungelboden = ein bis zwei Blutegel. Wir hätten Gamaschen anziehen sollen. Die blöden Viecher krabbeln überall hoch. Auch in die Schuhe hinein. Es sind dieses mal die dunklen Egel, die brennen! Also beschleunigen wir die Schritte und kommen nach anderthalb Stunden zu einem schönen Wasserfall. Ein kühles Bad würde sich anbieten, wenn die Blutegel nicht wären. Der Regen nimmt kräftig zu – und wir kehren um. Sacknass sind wir bereits. Der Regenwald dampft nur noch …

Am Nachmittag dann ist das Zimmer gerichtet, wir sind trotz der warmen Außentemperaturen durch die Nässe ein wenig gekühlt – und würden gern warm duschen. Aber das Wasser bleibt kalt. Den „Quirl“ an der Decke (Ventilator) stellen wir gleich mal ab – er bringt Zugluft, aber keine Kühlung. Bei dem Wetter (der Regen wird noch stärker) geht draußen nichts mehr – Lesestunde heißt das Gebot. Heißer Tee und ebenso heißes Süppchen – und Nachtruhe.

Somit sind wir am 18. Tag angelangt. Um – wie geplant – zum Matang Wildlife Center zu kommen, müssten wir dreieinhalb Stunden durch den völlig durchgeweichten Regenwald gehen. So Ranger-mäßig sollte es nicht sein. Wir machen es bequemer, wie in Studentenzeiten: Wir trampen. Oder wollen es wenigstens versuchen. Das zweite Auto hält! Aber was ist das? Ein „Elefanten-Rollschuh“ (koreanischer Kleinwagen), besetzt mit Mutter, Vater (vorn) und vier Kindern (hinten). Mama zerrt eines der Kinder zu sich nach vorn – und die Tür öffnet sich für uns! Ganz geheuer ist uns nicht, aber wir fahren mit: Es sind immerhin zehn Kilometer auf der Straße bis zum Center. Das war eine Fuhre!! Als wir am Ziel ankommen, scheint dort noch alles zu schlafen. Ein Rundweg führt durchs Wildlife Center. Schon nach wenigen Metern sind wir ein wenig entsetzt. Sechs Krokodile in einem Gehege, das vielleicht 45 Quadratmeter hat! Da bietet ja (fast) jeder Zoo bessere Bedingungen. Den Stachelschweinen geht es nicht viel besser, vielen Vögeln ebenso.

Dann kommen wir zu den Orangs. Fünf leben hier. Ein Weibchen hat sich in Positur gesetzt. Zwei Jahre ist sie alt, Wilderer haben 2005 die Mutter erschossen und das Jungtier kam ins Center. Und da stehst du da – und weißt nicht, ob du über diesen „Vorfahren“ Freude oder Trauer empfinden sollst. Freude, dass er lebt, Trauer, da es nicht mehr viele gibt. Und es werden immer weniger: Auf vielen gerodeten Regenwaldflächen werden riesige Monokulturen angepflanzt (Ölpalmen). Da stört der Orang die „ökologische Globalisierung“. Und wird erbarmungslos gejagt. Offiziell natürlich verboten, aber das stört vor allem in Kalimantan keinen.
Ein wenig „belämmert“ wenden wir uns ab – und halten mit einem englischen Tierarzt noch ein Schwätzchen. Immerhin: Viele, die hier Forschungen betreiben, tun dies auf eigene Rechnung! Nehmen dafür Urlaub oder eine Auszeit.

Wir bestellen unseren Taxifahrer dann doch schon zu zwölf Uhr – und fahren zurück gen Kuching. Ein bisschen Stadtbummel und eine Bootsfahrt auf dem Sarawak River.

Tag 19: Am Morgen fahren wir von Kuching hinaus ans Meer – und nach anderthalb Stunden gleich wieder zurück in die Stadt. Das Einzige, was sich dort an der Endhaltestelle des Shuttle befindet, ist ein großer 08/15-Hotel-Komplex eines internationalen „Riesen“. Keine Infrastruktur, nur das übliche All Inklusive-Getümmel. Schnell weg! Es war dann wohl doch Zeitverschwendung. Baden verbot sich auf Grund des starken Wellengangs ohnehin.
Kuching ist mit mehr als einer halben Million Einwohnern zwar vermeintlich riesig, aber der koloniale Touch des British Empire umfasst ein Gebiet, das man in zwei Stunden locker fußläufig bewältigen kann. Das Wort Kuching heißt bei den Malaysiern übrigens Katze. Aus diesem Grund gibt es in der Stadt mehrere Katzendenkmäler und auch ein Katzenmuseum. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten …

Vom Guesthouse sind es nur wenige Schritte ins pulsierende Leben. Am verkehrsumtosten ältesten chinesischen Tempel Tua Pek Kong muss man einfach verweilen. Im Tempel-Inneren wird man fast betäubt von den vielen glimmenden Räucherstäbchen und Rauchspiralen, die von den Gläubigen angezündet werden. Dann lieber wieder Frischluft! Vor wenigen Jahren wurde die sogenannte Waterfront am Sarawak-River angelegt.

Zum anderen Ufer, wo sich die ehemalige Astana-Villa (heute Sitz des Gouverneurs) sowie das Fort Margarita befinden, fahren kleine Sampans (Boote), teil mit Motorkraft, teils auch nur mit dem Paddel bewegt.
Anschließend laufen wir zum großen Markt, um uns ein wenig Appetit zu holen. Fast sämtliche Museen sind in Gebäuden aus der Kolonialzeit untergebracht. Auch das Tourist Office befindet sich in einem altehrwürdigen Gemäuer. Wir lassen uns noch ein wenig vom Mäntelchen der Kolonialgeschichte umwehen – und haben dann Hunger. Zur Ente gibt es Reis und eine herrlich scharfe Soße.

Noch während unserer Mahlzeit öffnet der Himmel seien Schleusen – und wir flüchten in eine der Shopping-Malls. Eigentlich wollten wir einen der kleinen Rucksäcke in Singapore austauschen, aber wir werden gleich fündig. Tücke des Geschäfts: Die Kreditkarte streikt! Es dauert eine Viertelstunde, einen „maestro“-geeigneten Geldautomaten zu finden – und dann haben wir ein neues Daypack.
Am letzten Abend in Sarawak wollen wir uns (wie auch im Jahr zuvor in West-Malaysia) ein Steam-Boat gönnen. Also: Ein Kessel mit Wasser, das man selbst würzt. Am Rand ein Mini-Grill. Sozusagen Fondue einmal anders.

Man holt sich dann am Buffet von Gemüse, über Fisch, Meeresgetier und Fleisch. Und gart oder brät dieses. Für ein Steam-Boat braucht man vor allem eines: Zeit! Nach zweieinhalb Stunden bekommen wir dann aber wirklich nichts mehr rein. Nur: Es schüttet wie aus Gießkannen. Also ab ins Taxi. Es sind zwar nur 500 Meter, aber bei dem Regen wären wir nach 30 Sekunden bis auf die Haut durch gewesen.
Vor der letzten Nacht in Kuching gönnen wir uns ausnahmsweise mal ein großes Bier und ein längeres Schwätzchen im Guesthouse.

Tag 20: Der letzte Tag bei den „Nomads“ – der Flieger gen Singapore ruft. Ein paar Bilder von Kuching (es scheint endlich mal stundenweise die Sonne und der Himmel ist blau), Essen gehen und dann das Unvermeidliche, aber Notwendige: Alle Rucksäcke auspacken – alles (wirklich alles!) auseinander nehmen; und neu packen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. So mancher Reisende wurde schon unfreiwillig zum Kurier von „Stoff“ aus dem dann bei der Ausreise oder Einreise Albträume werden können … Sowohl in Singapore als auch in Malaysia steht bereits auf 15 Gramm Heroin oder 500 Gramm Haschisch die Todesstrafe! So viel Zeit muss also sein! Denn in Singapore werden im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Todesurteile vollstreckt.
Am frühen Abend kommt das Taxi. Kuching verabschiedet uns so wie es uns am ersten Tag begrüßt hat – mit strömendem Regen. Um 20.30 Uhr hebt der Flieger von Silk Air (Tochter von Singapore Airlines) ab und landet pünktlich 80 Minuten später in Changi. Wir müssen dem einheimischen Taxifahrer erklären, wo sich unser Hotel befindet. Üblicher Weise befördert er Ausländer wahrscheinlich in noblere Herbergen als in unser kleines, etwas herunter gekommenes Hotel in Chinatown, das aber trotzdem immerhin 64 Euro pro Nacht kostet.
Das Zimmer ist sauber, klimatisiert – und wir noch nicht so recht müde. Also gehen wir zu nachtschlafener Stunde noch spazieren. Die Zunge klebt am Gaumen. Eine kleine Bar hat noch geöffnet. Wir trinken einen Orangensaft und ein Guinness – und gewöhnen uns schlagartig die malaysischen Preise ab: 16 Singapore-Dollar = 8 Euro. Der Durst ist dann weg – ab in die Federn.

Tag 21: Mal wieder so etwas ähnliches wie europäisches Frühstück! Der Kaffee entspricht so halbwegs dem, was wir üblicher Weise darunter verstehen. Noch schnell ein paar Mails gecheckt – und dann ab zur U-Bahn (MRT). Wir kaufen den Singapore-Pass, mit dem wir dann den ganzen Tag die U-Bahn nutzen können. Für Nachahmer: Auf die „Scheckkarte“ ist Pfand! Wer am Ablauftag abends fliegt, hat ein Problem: Denn die Ausgabestellen, die auch das Pfand wieder auszahlen, schließen meist um 18.30 Uhr. Also aufpassen, sonst verfällt das Geld. Wir haben am nächsten Morgen zum Glück genug Zeit, uns den Pfandbetrag zurück zu holen.

Wer in Singapore keine Shopping-Gelüste bekommt, ist selbst Schuld! Unsere Schweizer Begleiterin hatte einen iPod dabei, der mich begeisterte, obwohl ich stets ein erklärter Gegner solchen „Spielzeugs“ war. Tipp: Nirgendwo sonst als auf dem Flughafen Changi ist es teurer!! Wer indes zur MRT-Station Bugis fährt und dann die paar Schritte zum Sim Lim Square läuft, findet ein Elektronik-Paradies auf sechs Etagen vor. Alles, was irgendwie mit Technik zu tun hat, gibt es hier zu (sehr) günstigen Preisen. Zwei Dinge sollte man beachten: Ohne internationale Garantiekarte ist vieles im Nachhinein teuer. Preise vergleichen, auch wenn die Händler dies gar nicht mögen. Wenn man dabei beobachtet wird, wie man bei zwei oder drei Wettbewerbern gefragt hat, bekommt man unter Umständen nur dumme Antworten. Wir haben für unseren iPod jedenfalls einen Preisunterschied von 76 Euro ausgemacht!!
Ein bisschen Little India, ein bisschen Hafen, ein bisschen Chinatown, ein bisschen flanieren am Merlion. Der Name „Singapur“ entstammt dem Sanskrit und setzt sich zusammen aus Singha („Löwe“) und Pura („Stadt“), bedeutet also Löwenstadt.

Gewichtiger Hinweis für Raucher: Singapore ist das einzige Land der Welt, in das Zigaretten nicht duty free eingeführt werden dürfen. Die Geldstrafe für die Einfuhr einer Stange Zigaretten beträgt das Zehnfache des Preises innerhalb Singapores (zur Zeit also rund 550 Euro!!!!) Selbst wenn man eine angebrochene Schachtel mit sich trägt, darf diese maximal 17 Zigaretten beinhalten. Wer im Stadtstaat in den Tabakladen geht, zahlt pro Schachtel 5 Euro!
Für alle, die übernachtungstechnisch den Cent zum Kupferdraht drehen wollen oder müssen: Im Gegensatz zu (fast) allen asiatischen Gegenden übernachtet man in Singapore nicht in Chinatown, sondern in Little India am preiswertesten. Mit ein bisschen Glück bereits ab 8 Euro pro Nacht.
Spät abends sitzen wir dann noch wie die Penner auf dem Bordstein vor dem Hotel, um ein Zigarettchen zu qualmen. Wer die Nachtsafari im Zoo erleben möchte, dem sei es dringend empfohlen, es ist dort sehr schön!

Tag 22: Der unwiderruflich letzte Tag. Eine asiatische „Henkersmahlzeit“, ein letzter Papaya-Ananas-Saft, ein kurzer Spaziergang durch Chinatown, Stippvisite im Tempel.


Dann ab in die MRT gen Changi. Für knapp 20 Euro den zolltechnisch erlaubten „Kippen“-Vorrat gekauft. Und dann in der Smokers-Area die Lunge nochmals richtig gequält – in Anbetracht von 12:50 Stunden rauchfreiem Rückflug. Dann geht es zur Mittagszeit mit einer Boeing-777 der Singapore Airlines pünktlich in die Luft. Nachdem ich aus allen verfügbaren Zeitungen förmlich die Buchstaben heraus gesogen habe, zeigt ein Blick zur Uhr, dass die Flugzeit noch 6 Stunden beträgt. Das erstklassige Unterhaltungsprogramm macht die Zeit auch nicht wirklich kürzer. Durch die Zeitverschiebung landet der „Vogel“ noch am selben Abend in Frankfurt am Main. Es dauert geraume Zeit, bis das Gepäck endlich auf dem Förderband ankommt.
Dann schnell zum Abflug-Terminal. Denn wie es das Schicksal so will: Meine Eltern fliegen in zwei Stunden gen Costa Rica. Meine Mutter hat (wie erbeten) eine Augensalbe dabei, da ich ein entzündetes Auge mitgebracht habe. Kurzes Schwätzchen, dann rufen wir unseren Transfer zum Parkplatz. Das Auto steht noch da …
Kurz vor 23 Uhr machen wir uns auf die 300 Kilometer Rückfahrt gen „kalte Heimat“. An der Zapfsäule wird mein Hals immer dicker als ich den Literpreis sehe! Zwei Stunden nach Mitternacht hat dieser Trip ein Ende.

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