In der Heimat der Kopfjäger (Teil 3)

Tag 9: Das Quartier war wirklich nicht dazu angetan, länger als nötig darin zu verbleiben. Wie wir Olgas Gesicht ansahen, war die Nacht wohl nicht die beste gewesen. Wie sich später heraus stellte, hatte unser englischer Freund „gegrapscht“. Aber auch ihm sahen wir an, dass er selbst bemerkt hatte, dass der Bogen überspannt worden war. Wortkarg teilte er mit, dass er wohl im Niah Park bleiben werde. Unsere Wege würden sich trennen. Auch gut.
Beim „Hotel“-Besitzer frühstückten wir – und nahmen dann ein Taxi (Geländewagen). Kurz vor Abfahrt sprang noch ein junger Mann mit Rucksack auf die Ladefläche des Pickup. Wie sich heraus stellte, ein durchtrainierter Amerikaner. Als Amerikaner kommt man natürlich nicht irgendwo aus den „Staaten“, sondern aus Alabama. Und man trekkt nicht, sondern man stählt seinen Body. Dafür habe er, so berichtete er stolz, sogar Hanteln im Rucksack. So viel Blödheit lässt stets meinen „Charme“ (den einer Brechstange) erwachen. Wie man sich vorstellen kann, waren wir diesen Zeitgenossen dann los …

Der Nationalpark machte bereits am Eingang einen hervorragenden Eindruck: Es waren kaum Menschen da. Unser David verabschiedete sich grußlos – und suchte sich ein Zimmer. Letztmalig sahen wir ihn dann am späten Nachmittag in der Cafeteria. Es war dann auch seine ultimativ letzte Chance, bei mir zu schnorren. Wie alle Nationalparks kostete auch dieser 10 Ringgit Eintritt, ein fairer Preis. Wer beim Besuch der Caves zum Experten werden will, sollte einen Guide buchen. Die rund 5 Euro sind gut angelegt, da man Dinge erfährt, die selbst Bücher nicht zu bieten haben.

Der Niah-Nationalpark erstreckt sich auf einer stattlichen Fläche von rund 3.000 Hektar rund um den 400 Meter hohen Gunung Subis. Im Inneren des Berges liegt ein grandioses Höhlensystem (Caves), das 1974 zum Nationalpark erklärt wurde. Die berühmten Kalkstein-Höhlen kann man sich nur erlaufen. Wir haben die Trekking-Stiefel zum Mittel der Wahl erklärt, was richtig war. Vier Kilometer geht es auf Plankenwegen durch den Regenwald, bevor man zur ersten Höhle, Great Cave genannt, kommt. Zuvor heißt es noch Boot fahren, da in dem zu überquerenden Gewässer Krokodile leben. Sicher ist sicher.

Die Great Cave erscheint wie eine riesige Kuppel, die bis zu 60 Meter hoch ist. Ohne zusätzliche Lichtquelle geht hier gar nichts, Kopflampen sind da bewährte Mittel. Man sollte aufpassen, wohin man tritt – links und rechts des Weges lauern bis zu 100 Meter tiefe Spalten! Die Great Cave erreicht man nach rund einer Stunde, zur Painted Cave sind es dann noch einmal 20 Minuten. In der Painted Cave wurden um 1950 Felsmalereien entdeckt, die mutmaßlich 40.000 Jahre (!) alt sind. Man kann sich den Malereien nur auf fünf Meter nähern, ein Maschendrahtzaun versperrt den direkten Zugang.
Die Höhlen selbst wurden 1948 entdeckt – und sofort „wirtschaftlich“ genutzt. Hier werden Vogelnester gesammelt, eine halsbrecherische Aktion, Aus den Nestern wird die berühmt-(berüchtigte) chinesische Birds Nest Soup zubereitet. Mittlerweile müssen die Parkwächter Obacht geben, dass nicht zu viele Nester abgebrochen werden. Die Spezialität ist so heiß begehrt, dass für ca. 500 Gramm der gereinigten Vogelnester (Foto) bis zu 120 Euro (!!!!) gezahlt werden. Eine unglaubliche Summe für malaysische Verhältnisse.

Die Sammlung der Vogelnester geht wie folgt: Lebensmüde steigen zur Ernte im April/Mai und im September/Oktober an glatten (!) Stangen bis zur Höhlendecke auf. Dann wird mit hakenbesetzten Stangen, an deren Ende sich eine Leuchte befindet, das Vogelnest abgekratzt. Aber auch der Kot der Vögel (Salanganen) ist heißt begehrt. Man tritt in der Höhle quasi ständig in der Scheiße herum … Als Guano kommt der Mist als Pflanzendünger zum Einsatz.
Am späten Nachmittag sind wir – tief beeindruckt – durchgeschwitzt zurück. Noch ein schneller Kaffee, denn für 17 Uhr haben wir das Retoure-Taxi bestellt. Am Busbahnhof in Batu Niah zurück, gehen wir erst einmal essen, da wir den ganzen Tag nichts in den Magen bekommen haben, außer literweise Mineralwasser. Ca. zwei Stunden Busfahrt liegen dann bis nach Miri, der drittgrößten Stadt Sarawaks, vor uns. Am dortigen Busbahnhof am Stadtrand angekommen, wird guter Rat echt teuer. Denn wir hatten geplant, mit einem Nachtbus (das Hotel sparend) gen Brunei zu fahren. Nur: Es gibt keinen! Da wir speckdreckig sind und uns zweieinhalb Tage nicht gewaschen haben, wird es Zeit. Für eine Dusche. Wir wollen uns gegenseitig nicht mehr riechen – und können es wohl auch nicht. Wörtlich zu nehmen!
Also ab ins Taxi. Ich erkläre dem Fahrer, dass wir in ein Hotel wollen. Und bevor ich seine Gegenfrage („in was für eines“) beantworten kann, antwortet statt meiner Olga mit den verhängnisvollen Worten: „the cheapest“ (das Billigste). Na, das hatten wir dann auch nach zehn Minuten Fahrt erreicht. Im Rotlicht-Viertel von Miri. So herunter gekommen, dass selbst Olga schauderte. Wir mussten auf die Suche gehen, fußläufig. Zwei Anläufe, dann hatten wir ein Gemach vom Feinsten. Wir teilten uns das für malaysische Verhältnisse teure Zimmer (sogar mit inbegriffenem Frühstück). Aber dafür gab es heißes (!) Wasser, grandiose, nicht durchgelegene Betten – und eine Klimaanlage.
Kurz nach Mitternacht waren wir dann alle „abgetreten“, geschafft, aber sauber …
Tag 10: Wie schön doch eine funktionierende Dusche sein kann. Und erst ein Spiegelei! Sogar der Kaffee schmeckte zum Frühstück. Doch zuvor mussten wir erst einmal einen Feuer-Schreck überstehen: Neben dem Hotel hatte sich der Müll entzündet (oder war entzündet worden). Erst nur dicker schwarzer Qualm, dann lodernde Flammen. Die Feuerwehr brauchte 15 Minuten, um die Flammen zu löschen.

Der Blick in die andere Richtung war dann schon netter. Schade, dass wir Miri so stiefmütterlich behandeln müssen – doch wir wollen (müssen) weiter. Denn in 24 Stunden steigt einer der zwei jährlichen Höhepunkte in Brunei – der Nationalfeiertag des Landes. Da wird sich auch der Sultan höchstpersönlich zeigen, was sonst nur zu seinem Geburtstag im Sommer noch tut. Der Tag wird auch noch zwei große Überraschungen bereit halten, eine davon leider sehr unangenehm. Doch das weiß ich zu diesem Zeitpunkt Gottlob noch nicht.
Wir brechen um halb neun Uhr auf – um zum Busbahnhof zu fahren. Wo der Zubringer abfährt, wissen wir nicht. Aber wir sind in der Lage zu fragen. Zwei Antworten, jede weist in eine andere Richtung. Wir hätten ein Taxi nehmen sollen. Aber meine beiden Begleiterinnen wollen sparen. Manchmal um jeden Preis. Und ich bin ja in der Minderheit … Wären wir auf das Angebot des Taxifahrers in der Nacht eingegangen (uns früh am Morgen abzuholen), wären wir jetzt fast in Bandar Seri Begawan gewesen! So stehen wir wie bestellt und nicht abgeholt unter dem Sonnenschutz der Haltestelle. Erst nach einer geschlagenen Stunde kommt der Zubringerbus. Am Busbahnhof müssen die Damen zur Kenntnis nehmen, dass alle Busse in Richtung Brunei weg sind. Also bleibt nichts anderes übrig – als wenigstens jetzt ins Taxi zu steigen. 11 Euro pro „Nase“ für 230 Kilometer, das ist mehr als angemessen. Nur eben auch nicht billiger als wenn wir bereits um 7.30 Uhr gefahren wären! Aber das ist nun egal.
Nach einer Stunde sind wir an der Grenze, der Taxifahrer „kassiert“ routiniert unsere Pässe – und reicht dem Grenzer einen Plastikbeutel: 5 Dosen Bier. Aha, so geht das also! In weniger als fünf Minuten haben wir einen malaysischen Ausreise- und einen Einreisestempel von Brunei im Pass. Gepäckkontrolle? Fehlanzeige.
Das Bild links und rechts des Wegs wandelt sich in einem vollkommen: Es ist sauber, kein Müll! Und es riecht nach Wohlstand. Für alle. Nach weiteren anderthalb Stunden zügiger Fahrt haben wir die Stadtgrenze der Hauptstadt Bandar Seri Begawan erreicht. Plötzlich zur Rechten ein imposantes Bild: Hohe Mauern, dann Eisenzaun, dann eine riesige Zufahrt. Dahinter der Palast des Sultans, der größte der Welt mir mehr als 1.800 Zimmern. Dagegen ist der Buckingham Palace nur ein eine armselige Hütte.

Unübersehbar Plakate zum Nationalfeiertag. Der Sultan ist natürlich an jeder Häuserfront präsent. Aber: Der Regent ist wirklich populär; davon konnten wir uns überzeugen! Wen wundert´s, bei all den sozialen Wohltaten: Für „locals“ zahlt der Staat alles, von Bildung (auch Auslandsstudien) bis hin zu freier Gesundheitsfürsorge auf höchstem Niveau.
Unser Taxifahrer bringt uns zu einem Hotel mitten im Zentrum. Ich gehe in den zweiten Stock zur Inaugenscheinnahme der Zimmer. Und siehe da: Saubere Betten, Dusche, WC, allerdings alles mit dem Charme eines Krankenhaus-Zimmers. Dafür mega-preiswert, Kaffee, Tee und Mineralwasser zur freien Verfügung. Wir checken zu dritt ein. Und machen uns gleich wieder auf den Weg. Zum Wasser. Die Bootsführer übertrumpfen sich gegenseitig mit Fantasie-Preisen, haben aber die Rechnung ohne meinen Sturkopf gemacht. Nach einigem Hin und Her werden die Preise zivil: 5 Euro für 45 Minuten. Das passt.

Watervillage (Kampung Ayer) in unmittelbarer Nachbarschaft des Palastes und der Hochhäuser ist kein Elendsviertel. Hier leben vielmehr die Traditionsbewussten, die nicht in Neubauten ziehen möchten. Arm sind sie keineswegs! Auch die hygienischen Zustände sind nicht die des 19. Jahrhunderts! Nach 20 Minuten Bootsfahrt höre ich ein eigenartiges Geräusch meiner Kamera. Ein Blick aufs Display bestätigt die böse Vermutung: Der Verschluss hat sich verabschiedet. Wie soll es anders sein: Vier Monate nach Garantie-Ende. So bleibt uns den Rest der Reise nur eine kleine Canon Powershot. Ärgerlich, aber unabänderlich.


Nach der Bootsfahrt erkunden wir Kampung Ayer (auch durch Brücken erreichbar) zu Fuß und kommen zum großen Schauplatz des tags darauf folgenden Geschehens. Alles ist präpariert, dienstbare Geister legen letzte Hand an. Die betuchteren Auto-Freaks präsentieren fahrende Stereo-Anlagen – die schönste und gelungenste darf das vorbeigehende Publikum wählen. Erst einmal geht´s ans Essen. Thailändisch! Lecker – und teuflisch scharf. Und die Frauen in der kleinen Küche können es nicht fassen, dass wir ihre Gerichte den malaysischen vorziehen. Und noch dazu bei der Schärfe nicht aufstöhnen – sondern kräftig mit Chili nachhelfen.

Ein schneller Besuch bei „Coffee Bean“ muss auch sein. Zumal man dort auf dem Bürgersteig sitzend so herrlich klönen kann. Irgendwie werden wir beäugt, als kämen wir vom anderen Stern. Also brechen wir zu einem, nunmehr abendlichen, Spaziergang auf. Richtung Palast. Vier Kilometer schlendern wir so hin – und stehen dann vor einem gewaltigen Lichterwerk am Eingang. Beeindruckender Pomp, nicht einmal geschmacklos. 20 Milliarden Dollar soll der Sultan schwer sein, da philosophieren meine beiden Begleiterinnen doch glatt, wie denn die Nachkommenschaft aussieht – und ob sie noch zu haben ist. Olga hätte Heimvorteil, denn der Kronprinz ist mit einer Schweizerin verheiratet. Ein bisschen lästern wir dann doch über das Gigantomanische der Immobilie.
Wir wechseln die Straßenseite, während stadtauswärts eine schwarze S-Klasse mit abgedunkelten Seitenscheiben fährt und plötzlich mit quietschenden Reifen wendet. Von der angeblich allgegenwärtigen Religionspolizei haben wir einiges gelesen … Meine Herzallerliebste meint nur trocken: „Jetzt werden wir abgeholt.“ Und so war es! Die Beifahrerscheibe summt nach unten, heraus blickt eine junge Frau, die sich erkundigt, ob wir nicht lieber chauffiert werden möchten. Da blieb uns dann doch die Spucke weg! Am Lenkrad saß eine ältere Dame mit Kopftuch. Wir stiegen im Fond ein. Angenehm kühl, aus dem Lautsprecher säuselte Frankie Sinatra, die Welt passte wieder einmal.
Wo wir denn wohnen würden. Wir bekamen gekonnt die Kurve und erklärten, dass wir noch im Zentrum spazieren gehen wollten, während man uns partout vor die „Haustür“ fahren wollte. Wir konnten ja wohl unmöglich sagen, dass wir als arme Ausländer in einer der schäbigsten Absteigen logierten. Also setzten uns die Damen dort ab, wo wir los gelaufen waren – und wendeten dann wieder mit qietschenden Reifen. Wir waren immer noch ein wenig sprachlos – beendeten das Schaulaufen – und gingen zu Bett.
Tag 11: Der frühe Vogel fängt den Wurm, auch an Nationalfeiertagen. 8 Uhr ging der große Pomp los, also hieß es eine Stunde zuvor: Raus aus den Federn! Strahlender Sonnenschein, das passte. Rund um den „Festplatz“ bereits ein einziges farbenfrohes Getümmel. Fahnen-Meere und man meinte, ganz Brunei sei auf den Beinen.

Wie unsere Schweizer Begleiterin richtig feststellte: Das ist schon sehr speziell. Irgendwie erinnerte mich das ein bisschen an die Aufmärsche der 1980er Jahre in (Ost)Berlin. Egal. Wohin man schaute: Fröhliche Menschen. Jung und alt.
Kein Problem, sich ins Geschehen reinzudrängeln. Zwar gab es Ordner – aber freundliche! Auch die martialisch anmutenden Uniformierten im Leoparden- und Dschungel-„Look“ ließen Nähe zu. Die Musik aus den Lautsprechern war etwas laut, egal. Dann defilierten alle los, der Sultan war im Rolls Royce gekommen. Tausende zogen an uns vorbei, winkten fröhlich. Nach rund zweieinhalb Stunden (der „Boss“ war wohl längst wieder in seinen Gemächern) löste sich das Spektakel wieder auf. Alle Absperrungen waren längst aufgehoben, auch zum Allerheiligsten, dem gelben Samtsessel des Regenten, konnte man gehen.


Am Rande der großen „Fete“ sah ich plötzlich einen jungen Mann in Landestracht, der einen sehr deutschen Eindruck machte – und ich sprach ihn an. Ja, er war aus Erlangen, hatte eine Frau aus der Hauptstadt Bruneis geheiratet und lebte nun dort! Arbeit hatte er als Fotograf. Gleich nach dem Gespräch dann ein Reporter der „Brunei Times“. Der unbedingt ein Interview wollte. Also gab ich es dem Kollegen. Wir haben uns köstlich amüsiert. Dann sind wir erst erst einmal in ein Hotel („all you can eat“) zum Frühstück. Einzig an die berühmt-berüchtigten „beans“ kann ich auch jetzt nicht ran.

Alle Fotografen wollten unbedingt die zwei Mädels fotografieren. Ich hoffte sehr, dass sie dem Star-Rummel gewachsen sein würden. Denn von Mal zu Mal posierten sie gekonnter. Olga hat es gut in ihrem Blog beschrieben wie Frau zum Star wird – oder sich wenigstens so fühlt.

Wir haben dann per pedes weiter die Stadt erkundet, leider doch gewaltige Dreckecken gefunden (bei Ebbe) und uns einen richtig bunten Tag gemacht. Extra scharfes Essen gab es wieder bei den freundlichen Thai-Frauen. Dann haben wir feststellen müssen, dass der Wecker am nächsten Tag um 5.30 Uhr klingeln muss, da um 7 Uhr bereits das Schnellboot gen Insel Labuan (Sabah) geht. Wir waren zwei Tage auch ohne Alkohol (strikt verboten im muslimischen Brunei!) sehr lustig. Unser Fazit: Mit mehr Zeit auf jeden Fall noch mal nach Brunei! Die Herzlichkeit der „locals“ war einfach überwältigend!!

Tag 12:
Das hat es gerade noch gebraucht mitten in der Nacht: Hässlicher Niesel-Regen! Glücklicher Weise sind es bis zum Busbahnhof nur ein paar Schritte, teils läuft man sogar auf überdachten Wegen. Eine Viertelstunde, dann sind wir am Hafen von Bandar Seri Begawan angelangt. Ticket kaufen, Ausreise-Stempel reindrücken lassen und die obligatorische Ausreise-Steuer berappen. Das war´s dann. Mittlerweile schüttet es aus Eimern. Unser Boot fährt nicht planmäßig, sondern mit anderthalb Stunden Verspätung los.
Dafür hört der Regen während der Überfahrt zur Insel Labuan gnädig auf. Es ist highnoon als wir wieder bei der malaysischen Immigration Schlange stehen – und uns das nächste Visum (90 Tage) holen. Das nächste Schiff gen Kota Kinabalu (Hauptstadt des Staates Sabah) geht erst in zweieinhalb Stunden. Zeit zum Klönen.

Selbst als Nicht-Shopper bekommen wir dann mit, warum Labuan so beliebt ist, denn schön kann man die Insel nicht wirklich nennen: Hier herrscht Zollfreiheit! Das führt dann dazu, dass meine Begleiterinnen bei einem Preis von 74 Cent pro Packung alle möglichen Zigaretten durchprobieren. Es gibt Menthol, Melone und Pfirsich-Kippen. Brrrr. Als sparsamer Mensch begnüge ich mich mit einer Stange einheimischer Zigaretten für 10 Ringgit, das sind 2,26 Euro!! Noch billiger habe ich noch nie Zigaretten gekauft. Wir sehen auch Traveller, die palettenweise Guinness schleppen. Wir halten lieber Siesta bei Milchkaffee und „tiefgeistigen“ Gesprächen. Irgendwann erinnere ich mich, Wein gesehen zu haben. Ich hole eine Flasche australischen Rotweins, der mir sortenrein scheint. Und für die Mädels ein 2-Liter-Tetrapack ebenfalls australischer Herkunft. Später wird sich zeigen, dass ich mal besser die „Packungsbeilage“ gelesen hätte …

Um 14 Uhr geht es weiter. Nochmals dreieinhalb Stunden auf dem Schiff. Jetzt sind deutlich mehr Ausländer vertreten, denn Kota Kinabalu (auch KK genannt) ist das Mekka für alle diejenigen, die den nahe gelegenen Mount Kinabalu (4.101 Meter hoch) „erstürmen“ wollen. Wir verpennen die Überfahrt – und landen bei leichtem Regen pünktlich an. Unsere und Olgas Wege werden sich nun trennen. Sabah ist ein Paradies für Kletterer – und natürlich für Taucher. Olga hat einen PADI-Schein und will gen Sipadan ziehen. Wir werden auf die alten Tage weder klettern noch tauchen gehen, sondern zurück in die Natur fliegen. Olga wird mit einem Bett im Schlafsaal gleich fündig, Zimmer gibt es keine mehr. Erstmalig nichts frei! Ein Novum auf unserem Trip. Wir verabreden uns für 20 Uhr und ziehen suchend weiter. Nach 20 Minuten haben wir dann das Gewünschte: Ein schönes Guesthouse, ein schönes Zimmer, nette Gesellschaft – und eine Katzen-Mama mit drei Jungen. Wir lassen uns kaltes Wasser über den „Pelz“ laufen – und gehen mit Olga essen – Reis mit Huhn und Laksa-Suppe.

KK ist hochgradig touristisch gestrickt, nicht so unser aller Geschmack. Die Bedienung nickt (was man als Verstehen deutet) – und bringt trotz des eindeutigen verbalen Zusatzes „no sugar“ einen zücklisüßen Limettensaft. Igitt! Im zweiten Anlauf klappt´s dann. Wir ziehen noch um in eine open air-Bar in der Fußgängerzone. Live Musik umsonst – und alles andere ziemlich teuer. Wir bestellen Cola light – und „köpfen“ den Tetrapack. Strohhalm rein – und: Pfui Teufel. Zuckersüß, mehr ein Sangria, denn ein Rotwein! Olga findet´s dennoch ganz lecker. Aber lauwarm geht wirklich nicht. Die Mädels lästern so lange rum bis ich bei der Kellnerin einen Berg Eiswürfel ordere. Es wird tatsächlich gebracht. Wir werden mit jedem Schluck immer alberner, zumal wir das Zeug halb mit dem Kopf unterm Tisch trinken müssen. Die Szenerie was etwas Pennermäßiges. Leicht angeschlagen schleichen wir zur guten Nacht.
Tag 13: Den heutigen Tag müssen wir wohl unter „Ulk“ verbuchen, so recht wird nichts gehen. Denn mein kaputter Rücken meldet sich auf unangenehmste Art und Weise. Tabletten haben nicht geholfen, da wird es mit viel Bewegung nichts werden. Also buchen wir nach dem Frühstück bei Air Asia erst einmal einen Flug zurück gen Kuching. Am nächsten Tag können wir fliegen, one-way für jeweils 28 Euro. Die mögliche Nähe zu entsprechenden medizinischen Einrichtungen ist jetzt wichtiger als ein strapaziöser „Ritt“ in die Berge.


Den Tag lassen wir sehr ruhig angehen, ein langsamer Spaziergang über die örtlichen Märkte. Ich sitze mehr als dass wir wirklich voran kommen. Mit dem Bus fahren wir zum ersten Mal an den Strand des Südchinesischen Meeres. Und wären beinahe gleich wieder umgekehrt. Die „üblichen“ Verdächtigen und gesichtlose Bettenburgen mit dem bekannten Drumherum. Wir gehen ein wenig spazieren, genießen es, dass (noch) kein „Rummel“ herrscht. Ein kleiner Food Stall ermöglicht ein leckeres Mittagessen – und eine grandiose Aussicht.

Am Strand ist eingedeckt, blütenweiße Tischtücher, ein Oberkellner instruiert seine Mannschaft. Sehr schön das alles, mit einer einzigen Ausnahme: Hier würden wir nur einen Zweiertisch haben wollen. Wir fahren zurück nach Kota Kinabalu – und halten Siesta. Der „Planet“ drückt doch gewaltig.
Am Abend treffen wir ein letztes mal auf Olga. Same procedure. Aber wir haben kluger Weise den sangriaähnlichen Rotwein ins Tiefkühlfach gepackt. Und: Plötzlich schmeckt das Zeug sogar! Es wird wieder ein lustiger Abend, wenngleich ein kurzer. Denn ich kann nicht lange sitzen. Herzliche Verabschiedung von unserer Schweizer Begleiterin auf Zeit – und ab in die Federn. Wörtlich darf man das natürlich nicht nehmen. Zugedeckt wird mit einem (mitgebrachten) Bettlaken, das gut kühlt!

Tag 14: Etwas länger geschlafen also sonst, die Kätzchen im Guesthouse noch mal gestreichelt – und dann fahren wir mit dem Bus zum Flughafen. Trotz Inlandsflug der übliche „Zinnober“. Da die malaysischen Staaten Sabah und Sarawak auf Grund einer gewissen Autonomie ihre eigenen Ein- und Ausreise-Süppchen kochen, dauert´s etwas länger. Der Airbus von Air Asia ist niegelnagelneu – und höchsten halb besetzt. Für 75 Minuten geht es in die Luft, sanfte Landung in Kuching, dem Ausgangspunkt der Reise. Bei der Immigration dann ein Lacher erster Güte: Die Beamtin will aus meiner Lebensgefährtin eine Dänin machen, da sie meint, das „D“ stünde für „Denmark“. So geht´s natürlich auch!
Wir fahren mit dem Taxi gleich zum Tourist Center und hoffen danach in den Bako Nationalpark fahren zu können. Null Chance: Alles ausgebucht! Erst am nächsten Abend können wir dort Quartier beziehen.
Also erst einmal Zwischenstopp in Kuching für eine Nacht. Großes Hallo im Nomad-Guesthouse bei Chris und den Seinen – wir sind wieder da! Mal kurz ins Internet geschaut, Kaffee (!!!!) gekocht – und Wäsche waschen lassen. Dann: „the best duck in town“. Ente und Reis, beides in riesigen Mengen.
Dann an einer Hotel-Zufahrt ein „herrliches“ Warnschild gesichtet!

Abends noch lange geklönt, die Nacht wurde kurz, denn es ging früh los.
Zu Teil 4 und Schluss

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