HALB-ZEIT in Albanien

Campingplatz am Skutari-See in AlbanienShkodra oder Shkoder in AlbanienAlbanien – das ist mehr als Betonbunker aus vergangenen kommunistischen Zeiten unter dem einstigen Diktator Enver Hoxha! Zwar ist das kleine Land (flächenmäßig kleiner als Belgien, dafür ein paar mehr Einwohner als Schleswig-Holstein) im europäischen Alphabet an der Spitze – aber noch immer unter den Schlusslichtern, wenn es um Wirtschaft & Soziales geht: Ein Geheim-Tipp ist das Land der Skipetaren aber längst nicht mehr, hat es doch einiges zu bieten:
362 Kilometer Küstenlinie an Adria und Ionischem Meer, historische Orte en masse (derzeit drei UNESCO-Welterbestätten und vier Nominierte!) und eine Vielzahl von Hotels, die den Vergleich mit westeuropäischem Standard nicht mehr scheuen müssen.
Skutari-See und die Stadt Shkodra (obere Fotos) erwarten den von Montenegro kommenden Reisenden mit unberührter Natur und einem wiederauferstanden historischen Zentrum.

Auf dem Weg in die Hauptstadt Tirana ist die kleine Stadt Kruja ein Muss für historisch Interessierte. Die Festung ist  für die Albaner ein Nationalheiligtum ist. Sie beherbergt zudem das Skanderberg Museum.

Auf dem Weg in die Hauptstadt Tirana ist die kleine Stadt Kruja ein Muss für historisch Interessierte. Die Festung ist für die Albaner ein Nationalheiligtum. Sie beherbergt zudem das Skanderberg Museum.


Die größte und wichtigste Stadt ist Tirana. Wer in die Kultur der Hauptstadt eintauchen möchte, sollte eines der Museen oder den Kulturpalast besuchen. Der Skanderberg Platz mit seiner Reiterstatue ist das Wahrzeichen von Tirana. Sehenswert ist zudem die Et’hem Bey Moschee. Der Verkehr in der Hauptstadt ist  im günstigsten Falle chaotisch zu nennen.  Manch Einheimischer hat seinen Führerschein nicht in der Fahrschule gemacht, sondern käuflich erworben!

Die größte und wichtigste Stadt ist Tirana. Wer in die Kultur der Hauptstadt eintauchen möchte, sollte eines der Museen oder den Kulturpalast besuchen. Der Skanderberg Platz mit seiner Reiterstatue ist das Wahrzeichen von Tirana. Sehenswert ist zudem die Et’hem Bey Moschee.
Der Verkehr in der Hauptstadt ist im günstigsten Falle chaotisch zu nennen. Manch Einheimischer hat seinen Führerschein nicht in der Fahrschule gemacht, sondern käuflich erworben!

Albanien - SarandaDenkt man an Badeorte, so fallen sofort die Namen Saranda (Foto), Vlora und Durrës (von Süden nach Norden). Das Badewasser ist von sehr guter Qualität, allein das „Hinterland“ ist weniger einladend. In der Hochsaison (Sommerferien) sind die Orte sehr überlaufen; spontan ein Hotel zu buchen kann dann schwierig sein.
Durrës  liegt am Adriatischen Meer etwa 40 Kilometer westlich der albanischen Hauptstadt Tirana.

Durrës liegt am Adriatischen Meer etwa 40 Kilometer westlich der albanischen Hauptstadt Tirana.


Amphitheater in Durres - AlbanienDas Amphitheater von Durrës gilt als einziges in ganz Albanien und bot in der Antike bis 20.000 Menschen Platz. Die historische Stätte ist ein Anwärter fürs UNESCO-Welterbe und wurde im vorigen Jahrhundert beim Anlegen eines Weinkellers zufällig wiederentdeckt. Andere Überreste aus römischer Zeit wie Türme, Säulen oder Hausmauern sind auch anderen Orts in Durrës zu sehen, aber nicht für Besucher zugänglich.Durres
Anreise: Wir waren seit 2005 immer mit dem Campingbus in Albanien und sind via Montenegro, Griechenland oder Mazedonien ein- und ausgereist. Die Ausreise erfolgte zudem einmal in Richtung Kosovo. Von Italien (Bari, Brindisi, Triest, Ancona) kann man mit der Fähre u. a. nach Igoumenitsa (Griechenland) oder ins albanische Durrës und Vlora fahren. Kosten: Um 500 Euro für zwei Personen samt Wohnmobil (bis 7 m Länge) – Preise schwanken je nach Saison und Fährgesellschaft sehr stark!
Direkte Flugverbindungen zwischen Albanien und Deutschland existieren meines Wissens nicht! Umsteigeverbindungen bieten beispielsweise Allitalia (von Düsseldorf via Rom und Mailand nach Tirana – z. B. im April: Hin- und Rückflug für 227 Euro). Von München fliegt Adria Airways via Ljubljana in die albanische Hauptstadt. Von Hamburg fliegt Austrian Airlines über Wien nach Tirana. Mit Pegasus Air kann man z. B. von Frankfurt a. M. über Istanbul nach Albanien fliegen. Mietwagen sind vergleichsweise günstig am Flughafen Tirana zu haben. Kleinwagen gibt es selbst in der Ferienzeit ab ca. 140 Euro pro Woche – inklusive Vollkasko und Diebstahlschutz mit SB.
Hotel Brilant in SarandaSchlafen: Wer fliegt und dann mit dem Mietwagen unterwegs ist, kommt an Hotels nicht vorbei. In Shkodra, Durrës, Tirana, Vlora, Saranda oder in Pogradec sind ausreichend Hotels (außer Hochsaison!) mit westeuropäischem Standard verfügbar. Campingplätze finden sich auch in der Hochsaison (je nach Lage ab ca. 15 Euro für zwei Personen samt Wohnmobil. Beispiel). Das absolut zentral gelegene „Colosseo“ in Shkodra (auf dem 2. Foto von oben zu sehen) kann ich ebenso uneingeschränkt empfehlen wie das „Brilant“ in Saranda (Foto rechts). Die Preise fürs DZ beginnen (z. B. im Juni) bei ca. 40 Euro.
Essen & trinken: Die albanische Küche kann ganz sicher nicht mit der Italiens oder Frankreichs konkurrieren, aber man wird mit gutem Gewissen satt. Speis & Trank allein sind kein Grund, nach Albanien zu reisen! Mediterrane Einflüsse sind ebenso wenig zu leugnen wie orientalische. Die Küche variiert regional – mitunter von Dorf zu Dorf – ganz erheblich. Von einer albanischen Küche zu sprechen, wäre also Unfug. Eine große Rolle spielt Gemüse – von Aubergine über Tomate, Paprika, Gurke bis hin zu Kohl und Spinat. Brot, Reis, Kartoffeln und Bohnen sind Zutaten vieler Gerichte.
Rind, Lamm, Ziege, Kalb und Geflügel sind fast allerorten anzutreffen. Schwein ist eher selten.
An der Küste und am Ohrid-See kann Fisch (vor allem gegrillt) eine wahre Delikatesse sein. Wer nach Pogradec kommt, sollte unbedingt einmal Koran essen. Nein, nicht das dicke Buch, sondern eine gegrillte Ohridforelle. Das rosafarbene Fleisch ist äußerst schmackhaft!
Albanien Sammelbild
Auch von Bedeutung sind Milchprodukte wie Joghurt. Süßspeisen strotzen fast immer vor Zucker – Jahrhunderte osmanischer Herrschaft haben Spuren hinterlassen. Käse und Olivenöl sind fast überall anzutreffen; ebenso wie typische Gewürze: Basilikum, Oregano, Paprika, Minze. Auch Zwiebeln und Knoblauch stehen hoch im Kurs.
Im Zweifel würde ich stets zu Gegrilltem raten. Hauptmahlzeit der meisten Albaner ist übrigens eher das Mittag- denn das Abendessen.
Typische Getränke sind Kaffee und Tee (Çaj mali), aber auch Bier und Raki (hochprozentiger Traubenbrand, der aus manch hauseigener Destille schon mal 70 Vol. % erreichen kann!). Der albanische Wein kann (!) recht gut sein, wenn man den richtigen wählt.
Inklusive der Getränke wird man zu zweit im Lokal auf dem Lande problemlos für 2.500 albanische Lek (ein Euro = 137 Lek) gut satt – die albanische Währung ist nicht frei konvertierbar. Je internationaler – umso teurer. Die Regel 1 : 1 im Verhältnis Euro zu Bier passt meistens.
Allerorten unübersehbare Schandmale kommunistischer Herrschaft: Die Bunker. Errichtet  vor allem zwischen 1972 und 1984. Unter Enver Hoxha sollen im kommunistischen Albanien ca. 200.000 solcher Bunker erbaut worden sein. Der Diktator  wollte  für je vier Albaner einen Bunker zu bauen, also insgesamt 750.000!

Allerorten unübersehbare Schandmale kommunistischer Herrschaft: Die Bunker. Errichtet vor allem zwischen 1972 und 1984. Unter Enver Hoxha sollen im kommunistischen Albanien ca. 200.000 solcher Bunker erbaut worden sein. Der Diktator wollte für je vier Albaner einen Bunker zu bauen, also insgesamt 750.000!

Sicherheit: Allgemeine Kriminalität ist vorhanden, die Korruption dürfte allerdings das größere Problem sein (doch davon werden Reisende nur selten berührt). Echt bedrohlich ist hingegen nicht selten der Straßenzustand, vor allem abseits großer Ortschaften. Auch notwendige Reparaturen nach Unfall oder Panne stellen mitunter ein Problem dar. Fahrer in Autos deutscher oder italienischer Marken dürften dabei die geringsten Probleme haben. Nachts können schon auch mal unbeleuchtete Fahrzeuge unterwegs sein – Autos ebenso wie Pferdegespanne.
Wer möchte hier länger krank sein? Albanien ist da noch harmlos zu nennen!

Wer möchte hier länger krank sein?

Wer in die Berge eintauchen möchte, dem seien albanische Begleiter dringend angeraten! Einen große Bogen sollte jeder Ausländer um die Bergregion im Norden des Landes machen. Das Gesetz der Blutrache – begründet im Kanun – schien unter Enver Hoxha ausgerottet, lebte aber nach 1990 wieder auf. Die UNO schätzt, dass seit 1990 rund 10.000 Menschen der Blutrache zum Opfer fielen. Ein schlechtes Pflaster für Reisende.
Wohlmeinender Hinweis besonders für alle, die bereits von Wehwechen geplagt sind bzw. mit solchen rechnen: Auch wenn es Albaner nicht gern lesen werden, so ist doch die ärztliche Versorgung nur katastrophal zu nennen (von sehr wenigen Ausnahmen in Tirana oder Durrës abgesehen). Von westeuropäischem Standard mehrere Lichtjahre entfernt. Einer Operation oder einem Krankenhausaufenthalt sollte man sich nur dann unterziehen, wenn Lebensgefahr besteht. Eine Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport im Krankheitsfall ist unverzichtbar! Wer auf die ständige Einnahme von Medikamente angewiesen ist, sollte diese bei einer Reise in ausreichender Menge bei sich haben.
Von Tirana gen Süden ist ein Stopp in Berat unabdingbar: Die "Stadt der tausend Fenster" gehört seit 2008 zum Welterbe der UNESCO.  Berat ist zudem eine der ältesten Städte des Landes. Mit  seinen drei kompakten Altstadt-Quartieren Mangalem, Gorica und Kalaja ist Berat eine der bedeutendsten  Sehenswürdigkeiten des Landes.

Von Tirana gen Süden ist ein Stopp in Berat unabdingbar: Die „Stadt der tausend Fenster“ gehört seit 2008 zum Welterbe der UNESCO. Berat ist zudem eine der ältesten Städte des Landes. Mit seinen drei kompakten Altstadt-Quartieren Mangalem, Gorica und Kalaja (Burg über der Stadt) ist Berat eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Landes.

Sehenswertes: Von Tirana aus gibt es zwei Möglichkeiten: Via Elbasan zum Ohridsee (Pogradec) zu reisen oder gen Süden der Küste zu folgen.
Wer mit dem Auto oder Wohnmobil reist, verpasst etwas, wenn die Strecke durchs Gebirge zwischen Vlora und Saranda außen vor gelassen wird (die Straße ist vergleichsweise gut zu nennen). Das Ceraunische Gebirge (albanisch Mali i Kanalit) überwindet man über den 1.027 m hoch gelegenen Llogara-Pass. Traumhafte Aussichten sind bei schönem Wetter garantiert! Die Pinienwälder stehen als Nationalpark unter Naturschutz. Wenn entlang des Wegs Honig angeboten wird: Kaufen! Sein Geschmack ist legendär!
Wenn man auf Meereshöhe den Küstenort Vlora passiert hat (wirklich viel zu sehen gibt es dort nicht), gelangt man als nächstes gen Saranda (quillt ebenfalls nicht vor sehenswerter Historie über). In der Vorsaison gut erträglich, in der Ferienzeit nur ein billiger Abklatsch von Benidorm und anderen Bettenburgen am Meer. Eine gute Autostunde von Saranda entfernt im Landesinneren liegt eine weitere historische Perle: Gjirokastra: Gjirokastra in AlbanienGjirokastra hat nur rund 19.000 Einwohner und zählt seit 2005 zum UNESCO-Welterbe. Sie ist eine der ältesten Städte des Landes sowie Geburtsort des stalinistischen Diktators Enver Hoxha und des bekanntesten albanischen Schriftstellers Ismail Kadare. Gjirokstra trägt den Beinamen „Stadt der Steine“ (ich habe auch schon „Stadt der tausend Treppen“ gehört). Das einzigartige Altstadtbild wird von Häusern geprägt, die fast schon kleinen Trutzburgen ähneln. Die Dächer sind nicht mit Ziegeln, sondern mit Steinplatten eingedeckt. So sollte vor allem in den heißen Sommermonaten die Temperatur im Hausinneren erträglich gehalten werden. Weiße Außenfassaden, hohe Holzfenster und schöne, aber meist kleine Innenhöfe mit riesigen Hoftoren aus Holz charakterisieren das Bild der Altstadt. Burg in Gjirokastra  - Albanien
Bevor man nun (wenn man den Rückweg scheut) Albanien in Richtung Griechenland verlässt, ist es Zeit für einen letzten historischen Schatz im äußersten Süden des Landes, 20 km von Saranda entfernt: Butrint.
Butrint liegt auf einer Halbinsel aus, die vom Butrintsee und  vom Vivar-Kanalumgeben ist. Korfu ist von dort gut zu sehen. Das Hohelied auf Butrint wurde bereits in der Antike gesungen, z. B. von Milet oder  von Vergil. Die antiken Stätten von Butrint zählen zu den meistbesuchten touristischen Zielen und zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten des kleinen Albanien. Seit 1992 gehört Butrint zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Foto: Valerie M

Butrint liegt auf einer Halbinsel aus, die vom Butrintsee und vom Vivar-Kanal umgeben ist. Korfu ist von dort gut zu sehen. Das Hohelied auf Butrint wurde bereits in der Antike gesungen, z. B. von Milet oder von Vergil. Die antiken Stätten von Butrint zählen zu den meistbesuchten touristischen Zielen und zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten des kleinen Albanien. Seit 1992 gehört Butrint zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ein bedeutsamer Teil von Butrint ist die vorgelagerte bronzezeitliche Höhenfestung Kalivo.
Der Eintritt zu den antiken Stätten kostet 700 Lek = 5,10 Euro. Foto: Valerie M


Zurück in die Hauptstadt: Via Elbasan mit seinen vielen Dreckschleudern gelangt man in ca. drei bequemen Autostunden nach Pogradec. Wenn links oder rechts des Wegs ein Grill raucht – anhalten, schmecken lassen!
Pogradec (20.000 Einwohner) liegt direkt am Ohridsee, den sich Albanien und Mazedonien teilen. Die Stadt hat entlang des Ufers ein Flair, das man mit Fug und Recht mediterran nennen darf. In der kalten Jahreszeit ist in Pogradec sprichwörtlich der Hund begraben – im Hochsommer ist richtig viel los (ohne Ballermann-Feeling). Der Grenzübergang Qafë Thana nach Mazedonien ist nur vier Kilometer entfernt, zur Ausreise in Richtung Griechenland muss man ein Stück weiter fahren: Bis zur Grenze Kapshtica – Krystallopigi sind sind es ca. anderthalb Autostunden.
Für alle Albanien-Neulinge, die in die Berge fahren wollen: Wir haben bei unserem ersten Trip gen Albanien einige  Dörfer in den Mokra-Bergen gesehen. Wir waren nie ohne sachkundige Einheimische unterwegs. Die Durchschnitts-Geschwindigkeit auf abenteuerlichen Wegen lag bei ca. 15 km/h, mehr als der 2. Gang war nie drin! Ein Reifen mit Hufnagel als "Andenken" und eine lädierte Ölwanne waren das Resultat. Wir würden ohne Allradfahrzeug nie wieder die Wege verlassen.

Für alle Albanien-Neulinge, die in die Berge fahren wollen: Wir haben bei unserem ersten Trip gen Albanien einige Dörfer in den Mokra-Bergen gesehen. Wir waren nie ohne sachkundige Einheimische unterwegs. Die Durchschnitts-Geschwindigkeit auf abenteuerlichen Wegen lag bei ca. 15 km/h, mehr als der 2. Gang war nie drin! Ein Reifen mit Hufnagel als „Andenken“ und eine lädierte Ölwanne waren das Resultat.
Wir würden ohne Allradfahrzeug nie wieder die befestigten Wege verlassen.


PS: Albaner sagen nicht „Auf Wiedersehen“. Diesem Abschiedgruß am nächsten kommt: „Mirupafshim.“
Und das heißt wörtlich: Gut, dass wir und getroffen haben. Genauso haben wir es seit 2005 stets empfunden, wenn wir wieder von dannen fuhren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.