HALB-ZEIT auf Madeira

Madeira liegt mitten im Atlantik und gehört zu Portugal. Völlig zu recht trägt die Insel den Beinamen „Blumeninsel“: Ganzjährig mildes Klima sorgt für immerwährendes Grün und farbenfrohe Blüten. Die einzigartige Natur Madeiras ist es, die von Januar bis Dezember Touristen anzieht.

Eines vorweg: Wer einen klassischen Badeurlaub verbringen möchte, ist auf Madeira fehl am Platze! Wer Ruhe sucht, aktiv sein möchte – der ist hier richtig. Die Preise liegen geringfügig über dem portugiesischen Festland, ein Hauch England ist unverkennbar. Letzteres ist ein Vorteil für all jene, die kein Portugiesisch sprechen. Wobei: In den hauptsächlich von deutschen Touristik-Konzernen belegten Hotels sprechen die dienstbaren Geister oft und gut auch Deutsch.

Die Atlantik-Insel kann man am besten beim Wandern oder auf einer Rundreise mit dem Mietwagen erkunden. Den Mietwagen halten wir auf Grund des eigentlich nicht wirklich vorhandenen ÖPNV für ein Muss. Kleinwagen gibt es ab ca. 150 Euro pro Woche. Wir empfehlen dringend, im Zweifel lieber ein paar PS mehr zu ordern. Sonst kann man auf steilen Bergstrecken bei laufender Fahrt die Räder wechseln!

Anreise:

Madeira ist nur mit dem Flugzeug oder dem Kreuzfahrtschiff zu erreichen. Direktflüge werden von zahlreichen deutschen Flughäfen angeboten (z. B. Germania ab Nürnberg im November: ca. 250 Euro). Eine weitere Möglichkeit: Stopover in Lissabon und Weiterflug von dort (tägliche Flüge mit TAP). Der Flughafen „Santa Catarina“ (FNC) liegt bei Santa Cruz und ist 16 km von der Inselhauptstadt Funchal entfernt. Die Flugzeit nach Madeira beträgt ca. 4 Stunden, der Zeitunterschied liegt bei -1 Stunde.

Logis:

Madeira hat in ausreichender Zahl Hotels und Pensionen für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel zu bieten. Die Nähe zum Meer und die Verpflegungsleistung beeinflussen den Preis maßgeblich. Eine Woche mit Frühstück im Appartment (samt Meerblick im 4-Sterne-Haus) gibt es im Winter schon für deutlich weniger als 500 Euro pro Person. Fünf-Sterne-Häuser reißen hingegen auch locker die 1.000 Euro-Marke. Beispiele:
Luxus: „The Cliff Bay“, Funchal. „Belmond Reid’s Palace“, Funchal. „Quinta da Casa Branca“, Funchal.

Mittleres Preissegment: „Royal Orchid“, Caniço de Baixo (Foto). „Dom Pedro Garajau“, Garajau. „Quintas da Graça“, Machico.
Einfache Unterkünfte: „Casal São João“, Ribeira Brava. „Pensão Fernandes“, Porto Moniz. „Vila Gama“, Machico.

Ribeiro Frio sollte man unbedingt ansteurn, auch wenn die Parkplatzsuche sich schwierig gestaltet. Dort beginnt ein Wanderweg, der empfehlenswert ist. Der leichte Weg führt durch alten Waldbestand und geht an einer Levada entlang. Bis zum Aussichtspunkt Balcões und zurück benötigt man ca. anderthalb Stunden.

Im Rabacal Naturschutzgebiet befindet sich eine außergewöhnliche Levada. Man bekommt 25 Quellen und einen Wasserfall zu Gesicht: Levada das 25 Fontes. Bereits die Fahrt auf die Hochebene Paúl da Serra lädt immer wieder zu Stopps ein. Das Landschaftsbild ändert sich ständig. Vom großen Parkplatz aus gelangt man entweder zu Fuß in einer halben Stunde zum Forsthaus oder man nimmt einen Kleinbus-Shuttle. Dann folgen viele kleine Wasserfälle und dichte Lorbeerwälder. Einziger Wermutstropfen: Man muss denselben Weg wieder zurückgehen! Wetterfeste Kleidung, festes Schuhwerk und ein „Notproviant“ sind empfehlenswert. Einen halben Tag sollte man dafür einplanen.

Geradezu umwerfend schön, wenn das Wetter passt: Das Cabo Girão (Kap der Umkehr). Die Steilklippe liegt in der Nähe von Câmara de Lobos. Die Höhenangaben schwanken zwischen 560 Metern und 589 Metern. Fest steht: Eine der höchsten Steilklippen der Europäischen Union. Als Aussichtspunkt ist das Cabo Girão vor allem wegen seiner Glasbodenplattform sehr beliebt.

Porto Moniz: Natürliche Meeresschwimmbecken, die von bizarren Lavaformationen eingerahmt und von der Flut stets mit frischem Meerwasser befüllt werden.

Der bekannteste Leuchtturm befindet sich nahe Ponta do Pargo. Das Dorf befindet sich am westlichsten Punkt der Insel und wurde 1560 gegründet. Der Leuchtturm von Ponta do Pargo befindet sich 312 Meter über dem Meer und hat somit auch das höchstgelegene Signalfeuer Portugals.

Câmara de Lobos (Höhle der Mönchsrobben) gilt als der Fischerort Madeiras. Der Ort erlangte Berühmtheit, weil der britische Premierminister Winston Churchill ihn auf einem Gemälde verewigte. Oberhalb der Stadt erstreckt sich Estreito de Câmara de Lobos, das wichtigste Anbaugebiet für den Madeirawein. Im Westen erhebt sich das Cabo Girão.


Der Pico do Arieiro ist mit 1.818 Metern der dritthöchste Berg Madeiras. Im Gegensatz zu den zwei höheren Gipfeln Pico Ruivo (1.861 Meter) und Pico das Torres (1.851 Meter) ist er mit einer vom Poiso-Pass ausgehenden Straße erschlossen und deshalb wohl der meistbesuchte Gipfel der Insel. Unmittelbar neben dem Gipfel befindet sich eine weithin sichtbare Radarstation der Portugiesischen Luftstreitkräfte.

Essen & trinken

Wer die bodenständige traditionelle Küche Madeiras sucht, wird (mit Mühe) nur in kleinen Kneipen fündig: Weizen- oder Wasserkressesuppe (sopa de trigo, sopa de agriões), Kutteleintopf (dobrada) oder gekochtes Zicklein (cabrito) muss man mit der Lupe suchen. Anders sieht es da schon mit espada und espetada aus – Degenfisch und Rindfleischspieß (Foto). Das Fleisch am Spieß wird oftmals mit Lorbeer und Meersalz gewürzt. Vielerorts brennt sichtbar das Feuer. Die Preise dafür schwanken zwischen moderat (in den Bergen) und unverschämt (in den Hauptorten). Wie auch auf dem portugiesischen Festland: Stockfisch (bacalhau) überrascht in immer neuen Geschmackserlebnissen! Sehr gut schmeckt auch carne vinho e alho – ein Hauptgericht mit Schweinefleisch und reichlich Knoblauch und Wein. Gegrille Thunfischsteaks (bife de atum), Papageienfisch (bodião), Tintenfisch (lulas) können wir ebenso empfehlen wie einen guten Fischeintopf (caldeirada).
Wer Seefisch und Krustentieren abhold ist, sollte Bergforellen (trutas) ordern – sie werden auf Madeira gezüchtet. Frische also garantiert. Unübersehbar auf vielen Grillrosten (lecker und preiswert): Hähnchen (frango).
Als Vorspeise kommt man häufig an Entenmuscheln (lapas) nicht vorbei. Sie werden heiß in der Pfanne serviert.
Das Bier kommt oft aus heimischer Produktion. „Coral“ heißt die bekannteste Marke. Wein von der Insel ist eher selten, meist kommt der rote oder weiße Tropfen vom portugiesischen Festland.
Eine regionale flüssige Spezialität ist der Poncha, den man am besten in einer Poncha-Bar genießt. Dort kann man zusehen, wie aus frischgepresstem Zitronensaft, Honig und Zuckerrohrschnaps das hochprozentige Getränk zubereitet wird. Poncha gibt es auch mit Orangensaft, Honig und Whisky. Ginga ist ein sehr spezieller Likör, der aus einheimischen Kastanien und Kirschen hergestellt wird.
Ein MUSS: Die Verkostung des für die Insel typischen Likörweins. Spezielle Verfahren wie Alkoholanreicherung und Wärmebehandlung verleihen dem Madeira seinen milden aromatischen Geschmack.