Erlaubt, geduldet, verboten

Norwegen 2007: Ein Parkplatz direkt am Fjord. Tisch, Bänke, in Laufnähe ein WC. Was will ein Camper mehr?

Norwegen 2007: Ein Parkplatz direkt am Fjord. Tisch, Bänke, in Laufnähe ein WC. Was will ein Camper mehr?

Eine immerwährende Frage überzieht Wohnmobil-Foren: Was ist eigentlich des Nachts jenseits explizit ausgewiesener Camping- und Stellplätze in Europa erlaubt? Von „wildem campen“ wird dann gern geschrieben. Als Nicht-Jurist werde ich nicht zum Paragraphen-Reiter werden. Aber von unseren praktischen Erfahrungen in 38 europäischen Ländern binnen elf Jahren, in denen wir rund eine Viertelmillion Kilometer zurück legten, lässt sich durchaus einiges ableiten.
Einzige Einschränkung:  Die Länge des Wohnmobils muss zur Größe der Parktasche passen!

Einzige Einschränkung: Die Länge des Wohnmobils muss zur Größe der Parktasche passen!


Das Jedermannsrecht wird absolut überstrapaziert! (Zu) viele verwechseln dies mit einem Freibrief, zu tun und zu lassen, was immer sie möchten. Dabei sind die Regeln zwischen Algarve und Nordkap ziemlich klar: Es wird eine klare Trennlinie zwischen Übernachtung im Wohnmobil und Camping (Tisch-Stühle, Grill außerhalb des Wohnmmobils, offenes Feuer, Aufstellung einer Satellitenschüssel) gezogen!
Wer glaubt, sich außerhalb von Campingplätzen „häuslich“ niederlassen zu können, wird schnell (und mitunter teuer) eines Besseren belehrt.
Wer sein Reisemobil ordnungsgemäß an nicht verbotenem Ort parkt und zur Nacht dann darin schläft, wird selten bis nie Probleme bekommen.
Wer bei diesem Zusatzschild dennoch ein Wohnmobil parkt, muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein!

Wer bei diesem Zusatzschild dennoch ein Wohnmobil parkt, muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein!

Zur Ausgangslage: All unsere Gefährte waren nie länger als 5,02 Meter, passen somit auf jede Parkfläche, die Pkw auch benötigen. Das erleichert das Finden eines Plätzchens für die Übernachtung ungemein. Eine leider häufig von uns beobachtete Unsitte: Dickschiffe belegen die explizit für Lkw und Busse vorgesehenen Parkflächen. Auch wir machen einen großen Bogen um Parkplätze, die nachdrücklich als nur für Pkw gekennzeichnet sind. Wer solche Plätze nachts (vor allem in der Hochsaison) belegt, sollte sehr „stressresistent“ sein und eine dicke Brieftasche dabei haben.
Wenn auf derart gekennzeichneten Plätzen Trucker oder Autofahrer parken, bekomme ich den sprichwörtlichen "dicken Hals"! Da gibt es doch nun wirklich nichts misszuverstehen.

Wenn auf derart gekennzeichneten Plätzen Trucker oder Autofahrer parken, bekomme ich den sprichwörtlichen „dicken Hals“! Da gibt es doch nun wirklich nichts misszuverstehen. Wenn auf derart gekennzeichneten Plätzen Trucker oder Autofahrer parken, bekomme ich den sprichwörtlichen „dicken Hals“!

Besonders im Dunstkreis von Metropolen lieben wir nicht nur das große „P“, sondern auch das große „R“: Park and ride. Es bewahrt uns vor „Ehrenrunden“ auf der Suche nach einem Parkplatz, spart Gebühren und Nerven. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann man alle Sehenswürdigkeiten in der Stadt seiner Träume erreichen und sich auch mal ein Gläschen Wein genehmigen. Wir haben es noch nie erlebt, dass auf P + R-Plätzen der Umstand, dass man nachts dort im Wohnmobil schlief, Probleme bereitet hätte!
Nicht wenige Städte und Gemeinden weisen inzwischen Parkplätze speziell für Wohnmobile aus. Aber aufpassen: Vermehrt verbietet ein dezentes Zusatzschild, diese „overnight“ zu nutzen. Derartige Hinweise sollte man tunlichst beachten, sonst droht (teurer) Stress mit Ordnungshütern.
Nun das heikle Thema: Kein Stellplatz, kein Parkplatz, kein Campingplatz in der Nähe – aber dafür traumhafte Landschaft bzw. nahende Dunkelheit. Wahrlich gute Erfahrungen haben wir zu später Stunde mit Gewerbegebieten in ganz Europa gemacht. Nachts ist es dort ruhig. Sicher ist es obendrein, denn meist patrouilliert gelegentlich ein Sicherheitsdienst oder die Polizei. Die interessieren sich für alles Mögliche, aber nicht für ein geparktes Wohnmobil! Wer lediglich ein paar Stunden geruhsamen Schlaf sucht, ist dort richtig.
Spanien 2011: Parkplatz am Ortsrand, Laufnähe zu Restaurants, Frischwasser, Tisch, Hocker.  Mehr haben wir weder gesucht, noch erwartet. (Fast) perfekt!

Spanien 2011: Parkplatz am Ortsrand, Laufnähe zu Restaurants, Frischwasser, Tisch, Hocker. Mehr haben wir weder gesucht, noch erwartet. (Fast) perfekt!

Eine Alternative für all diejenigen, deren Reisemobile längenmäßig in übliche Parktaschen passen: Ruhige (!) Wohngebiete bzw. Parkplätze bei Hotels und Restaurants, die nicht ausdrücklich deren Gästen vorbehalten sind. In vielen Ländern (gute Erfahrungen haben wir u. a. in Deutschland, Ukraine, Slowakei, Kosovo oder auch in Spanien und Portugal gemacht) ergibt sich ein kostenloser Stellplatz dann, wenn man (nach Verzehr bzw. Einkauf) freundlich bei Gastwirten oder Winzern nachfragt. Wir bekamen bisher kein einziges „Nein“!
In der „Wildnis“ über Nacht zu stehen, hat diverse Tücken. Nicht selten wird doch ein (kleines) Verbotsschild übersehen, gelegentlich wacht man in Steinwurfnähe eines Zigeunerlagers auf. Beides kann zu sehr unliebsamen Überraschungen führen! Übernachtungsplätze in der Natur sollte man tunlichst noch bei Tageslicht gründlich inspizieren oder des Nachts 360 Grad ausleuchten.
Ein solcher "Stellplatz" an der portugiesischen Atlantikküste ist gewiss nur in der Nebensaison wirklich empfehlenswert.

Ein solcher „Stellplatz“ an der portugiesischen Atlantikküste ist gewiss nur in der Nebensaison wirklich empfehlenswert. Und ganz sicher nicht für Dickschiffe!

Vor allem in der Nebensaison kommt man (bei entsprechenden Maßen des Reisemobils) zu hübschen Plätzen direkt am Meer. Viele Häfen bieten Parkplätze in der Grauzone. Dort über Nacht zu bleiben ist nicht wirklich erlaubt, aber auch nicht explizit verboten. Motto: Wo kein Kläger, da kein Richter.
In der Hochsaison dürfte in Le Verdon an der Gironde (Frankreich) kein Campingstuhl mehr zwischen zwei Wohnmobile passen! Im Herbst oder Frühjahr ist dieser idyllische Platz unter Umständen sogar übernachtungstauglich.

In der Hochsaison dürfte in Le Verdon an der Gironde (Frankreich) kein Campingstuhl mehr zwischen zwei Wohnmobile passen! Im Herbst oder Frühjahr ist dieser idyllische Platz unter Umständen sogar übernachtungstauglich.


Fazit: Wer mit Campingplätzen eher auf Kriegsfuß steht – so wie wir – tut gut daran, einfach die Augen aufzumachen oder sich bei Einheimischen umzuhören, dann findet sich IMMER ein Platz für die Nacht.
Herzliche Bitte an alle „Wildcamper“: Behaltet eure „Geheimtipps“ für euch, damit ihr nicht irgendwann auch dort vorfindet, was ihr nicht sucht – Massen!
Notfalls reicht uns auch ein Rastplatz an der Autobahn (wie hier an der BAB 93) zur Übernachtung.

Notfalls reicht uns auch ein Rastplatz an der Autobahn (wie hier an der BAB 93) zur Übernachtung.

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