Blog als Gelddruckmaschine?

Michael Ringier, Chef des gleichnamigen Schweizer Medienhauses, brachte es auf den Punkt: „Niemand verdient mit digitalen Inhalten Geld.“ Was für klassische Medien gilt, gilt für Reiseblogs erst recht! Legionen von Bloggern haben sich bereits die Finger wund geschrieben, um zu „erklären“, wie man mit einem Blog Geld verdienen kann. Ganz einfach: Anfangs gar nicht – später nur sehr schwer. Wie es aktuell aussieht, verdeutlicht dieser Beitrag gut.
Finger weg von Netz-„Gurus“, die die ultimativen Tipps geben, wie man auf direktem Wege mit Bloggen oder gar Reisen Geld verdienen kann. Reisen kostet meines Wissens noch immer Geld. Eigenes Geld, das man zuvor erarbeitet haben muss. Dass jemand dafür bezahlt wird, ein paar Wochen zu verreisen, wäre mir gänzlich neu. (Vom Gegenteil lasse ich mich gern überzeugen!)
Werbung auf einem Reiseblog als Einnahmequelle ist ein anderes Thema. Um mit seinem Content Geld zu verdienen, gibt es nur eine einzige Einnahmequelle: Die VG Wort. Schnell erklärt: Mindestens 1.800 Anschläge pro Beitrag sind gefordert, sie werden mit einem integrierten Zähler gemessen. Bei 1.500 Aufrufen per anno gibt es für jeden Beitrag Geld (jährliche Ausschüttung). Guter Content kann sich also in barer Münze auszahlen. Bevor ich zum Wiederkäuer werde: Gute Erklärung, besser geht nicht.
Um mit Inhalten eines Reise-Blogs sonst noch ein paar Euro zu verdienen, bliebe nur die Paywall. Entweder für alle oder für ausgewählte Inhalte. Dass mit einem solchen Modell Geld verdient würde, wäre mir gänzlich neu. Denn wer ein Blog ausschließlich mit der Motivation Geld zu verdienen schreibt, wird früher oder später scheitern. Auch mit einem Reiseblog. Wer schon Dollar-Zeichen in den Augen hat, bevor überhaupt eine Zeile geschrieben ist, wird kommerziell selten erfolgreich werden.
Bevor Früchte des Bloggens geerntet werden können, muss das Saatgut stimmen. Was sollte ein Reiseblogger zuerst mitbringen? Drei Dinge: Die Lust am Schreiben. Die Lust am Schreiben – und nochmals die Lust am Schreiben. Es schadet auch nicht, mehr zu können als nur den Auslöser einer Kamera zu betätigen. Bilder bewegen – bewegte Bilder bewegen noch mehr.
Genügend Zeit: Wer nicht bereit ist, wöchentlich wenigstens zu Beginn 15-20 Stunden Freizeit zu opfern, sollte die Finger vom Bloggen lassen. Erst in einer stabilen Plateauphase reichen später drei bis fünf Stunden aus.
Genügend Ideen zu haben, ist ein weiteres Muss. Unschöne, aber notwendige Einschränkung: Mitunter werden leider auch Blogs (oder Ideen) kopiert – und sind am Ende besser bzw. erfolgreicher als das Original.
Wer bloggt, sollte dies vor Beginn gut überlegen – und langfristig anlegen. Ein verdammt langer Atem ist unabdingbar. Mitunter kann es ein Jahr und auch länger dauern, ein Blog „zum Laufen“ zu bringen. Je kleiner die Nische, umso länger dauert es. Ein Ratschlag für Neulinge: Erst an die Leser, dann an Google denken!
Wer bloggt, sollte ebenfalls ein gewisses Maß an Exibitionismus mitbringen. Leser wahrhaftig teilhaben zu lassen, heißt auch, einiges von sich preiszugeben (deshalb muss man nicht in jedem Beitrag im Bild zu sehen sein). Aber gänzlich ohne persönliche Note funktioniert ein Blog nicht!
Ein essentielles Erfordernis: Wer bloggt, sollte möglichst der deutschen Sprache mächtig sein. Holprige und fehlerhafte Sätze liest niemand gern.
In Abwandlung eines alten Sprichworts gilt auch (und besonders!) für Reiseblogger: „Red und schreib, was wahr ist – trink, was klar ist, iss, was gar ist.“ Erst wenn das alles gegeben ist, kann man darüber nachdenken, mit der Plattform Blog auch Geld zu verdienen. Die Ware eines Reisebloggers ist seine Wahrhaftigkeit. Anfänglich gibt es als Lohn nur „unique visitors“ und „page impressions“. Dafür kann sich (noch) niemand etwas kaufen.
Schauen wir uns einmal die deutschen Reiseblogs an. Es sind – mehr oder minder spezialisiert – alle Genres vertreten. Backpacker finden sich ebenso wie Alleinreisende, Generalisten ebenso wie Reiseblogs, die sich speziell mit Food, Abenteuer oder Frauen-Themen befassen. Auch Länder-Spezialisten sind dabei. Welt- und sonstige Retter fehlen ebenfalls nicht. Wer sich jetzt in diesem eng umkämpften Feld als Neuling behaupten will, muss entweder eine geniale Nische besetzen – oder besser sein als alle anderen.
Doch ein gewisser Gleichklang ist nicht zu übersehen: Warum werden die Attribute „beste“, „geilste“ und „ultimative“ so inflationär gebraucht? Ganz einfach: Damit die Inhalte von Google gefunden werden und auf den entsprechenden Webseiten Werbung platziert werden kann. Möge sich jeder Leser fragen, warum es auf der Mehrzahl der Reise-Blogs Werbung für ein und dieselbe „beste“ Kreditkarte gibt. Wer über die „beste Kreditkarte“, den „ultimativen Rucksack“ oder die „geilste App“ seinen Lebens- und Reiseunterhalt dauerhaft bestreiten möchte, wird wohl regelmäßig zwischen 10.000 und 15.000 Besucher am Tag brauchen, damit diese fleißig von den „Angeboten“ Gebrauch machen.
Masse statt Klasse? Stimmt irgendwie. Erst dann, wenn die Besucher-Zahlen wirklich stimmig sind – also ein gewisses Maß an Traffic erreicht wird – ist ein Blog für potenzielle Werbekunden interessant. Wer später Einnahmen generieren möchte, braucht ein Blog, dessen Inhalt dem Köder (Nutzer) schmeckt, nicht dem Angler (Blogger)! Wo sehe ich die kritische Größe, ab der Werbeeinnahmen generiert werden können, die über einen wöchentlichen Besuch in der Eckkneipe hinaus gehen? Interessant wird es bei ca. 600 – 800 Besuchern pro Tag. Da wird man mit Werbung nicht reich, aber der Blogger freut sich.
Amazon ScrrenshotIn Sachen Werbebanner & Co. gilt wie so oft: Viel hilft noch nicht viel. Zuviel Werbung hat eher eine abschreckende Wirkung. Die Werbung muss zum Blog und zur Zielgruppe gleichermaßen passen. Der Nutzen für den Lesers sollte im Content liegen, den ein Blogger liefert – nicht in der Zahl der auf seiner Seite befindlichen gesponserten Links! Ein Grund, warum ich von zufälligen Werbeeinblendungen (wie Google Adsense) nichts halte. Auch Modelle, die mich irgendwie ans Thema „Kettenbrief“ erinnern, sind mir suspekt (da gibt es viele Anbieter, z. B. getmore). Blog-Einnahmen über Affiliate-Programme können zu einem ordentlichen Zubrot werden, wenn man das rechte Maß findet. Affiliate-Marketing ist internetgestützter Vertrieb: Ein Anbieter (Englisch: Merchant) zahlt seinen Vertriebspartnern (Englisch: Affiliates) Provisionen. Der Anbieter stellt dazu verschiedene Werbemittel zur Verfügung, die der Affiliate (in diesem Fall der Blogger) auf seiner Web-Seite platziert. Eines der verkaufsstärksten Partnerprogramme ist das von Amazon. Das Amazon Partnerprogramm dürfte häufig eine Rolle spielen. (Anmeldung)
Eine weitere Auswahl: Affili.net (Anmeldung), Zanox (Anmeldung), Travia-net (Anmeldung), Tradedoubler (Anmeldung). Facebook- und Twitter-Nutzer können den einen oder anderen Cent bei Seeding up generieren (Anmeldung).
Wer hat aus meiner Sicht die besten Chancen, vernünftige Einnahmen mit seinem Blog zu generieren? All diejenigen, die halbwegs schreiben können, einen guten Riecher für die richtigen Themen zur richtigen Zeit haben, ohnehin internetaffin sind sowie gut vermarkten und netzwerken können. Wer dauerhaft Leser haben möchte, braucht auch das passende Näschen, Trends zu riechen, die erst im Kommen sind.
Allein mit „Produkt-Tests“, „Advertorials“, „Verlosungen“, „Gewinnspielen“ und „unterstützten Reisen“ ist noch niemand wohlhabend geworden. Über „peanuts“ führt dies dauerhaft nicht hinaus! Wer hingegen sein Blog dazu nutzt, echte eigene Dienstleistungen jedweder Art zu bewerben, wird bedeutend schneller zu Einnahmen kommen als über „fünf Ecken“. Aber dann ist das Blog nur genau das, was es sein kann: Mittel zum Zweck.
Koh Chang SonnenuntergangMein Fazit: Man sollte an fernen Gestaden freudvoll dann (s)ein Bier trinken, wenn man es zuvor verdient hat – möglichst unabhängig. Möglichst losgelöst vom Blog. Ja, es freut, wenn ein wenig Werbung oder Einnahmen aus Affiliate-Programmen dazu beitragen, den Blog zu refinanzieren.
Sein Reise-Blog aus Spaß an der Freude zu betreiben – und die Reisekasse anderweitig zu erarbeiten – scheint mir der beste Weg, unterwegs Freude zu haben. Erlebtes aufzuschreiben und kund zu tun, das kann man sehr gut auch in der kalten Heimat.

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