Benimm unter Campern

Wir lieben es, fernab der "Zivilisation" (wie in der Extremadura Spaniens) unsere Ruhe zu pflegen.

Wir lieben es, fernab der „Zivilisation“ (wie in der Extremadura Spaniens) unsere Ruhe zu pflegen.

Benimm unter Campern ist eine ganz eigene Geschichte. Aber letztlich auch wieder nur ein Spiegelbild des ganz normalen Alltags. Mein Fazit über das letzte Jahrzehnt: Mit der „Nettiqette“ hapert es von Jahr zu Jahr leider mehr.
Es beginnt bereits unterwegs: Als besonders rücksichtslos erleben wir auf Parkplätzen viele Gespannfahrer. Die meisten Caravans würden (allein stehend neben dem Zugfahrzeug) in ganz normale Parktaschen passen. Aber weit gefehlt: Sie machen sich breit, wo immer sie können. Auch dort, wo sie nichts verloren haben. Hinweisschilder ignorieren sie tapfer. „Hoppla, jetzt komm ich“ ist ihr Credo. Diese reisemobilen Zeitgenossen gehen mir zunehmend auf den berühmt-berüchtigten Zeiger!
Ein Caravan ist KEIN Wohnmobil! Was ist da so schwer zu verstehen???

Ein Caravan ist KEIN Wohnmobil! Was ist da so schwer zu verstehen???

In der sommerlichen Hauptreisezeit kennen sie alles – außer dem § 1 der Straßenverkehrsordnung. „Ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ gilt für nur alle anderen, nicht für sie selbst. Sie blockieren mit ihren Dickschiffen oder Gespannen jede verfügbare Parkfläche an Autobahnen und ignorieren tapfer, dass Bus- und Lkw-Parkflächen eben nicht für sie gedacht sind.
Zusatz andechsIch habe immer mal wieder ein „Tänzchen“ mit Gespannfahrern, die meinen, dass das Zusatzzeichen 1048-17 auch für sie gelte. Aufklärung tat immer not. Dass einige völlig sinnfrei auch Bus- oder Lkw-Parkplätze blockieren, die Trucker und Buslenker dringend für die Einhaltung ihrer Ruhezeiten benötigen, stört diese Spezies nicht im geringsten.
Stellplätze sind eine wunderbare Angelegenheit. Dumm nur, dass sie fast immer für WOHNMOBILE ausgezeichnet sind. Die Zahl des Lesens unkundiger Gespannfahrer nimmt leider beständig zu. Sie belegen zwei oder drei Stellflächen bar jedes Unrechtsbewusstseins. Dass sie auf einen smarten, aber freundlichen Hinweis fast immer pampig reagieren, versteht sich von allein.
Herbst 2014 am Kloster Andechs (Beispiel-Liste wäre ellenlang erweiterbar!): Kostenlos sein Wohnmobil parken zu können, reicht einigen längst nicht mehr. „Camping verboten“ legen sie auf ihre eigene Weise aus. Sich häuslich einzurichten (auch fern der Heimat) gehört für diese abartige Spezies einfach dazu. Tisch und Stühle rauszustellen (gern auch den Grill!) – und sich in Jogginghose und Feinrippunterhemd wie daheim auf Balkonien fühlen! Dass irgendwann mal Stell- und Parkplatzbetreiber auf den Gedanken kommen, Wohnmobile zu verbieten, dämmert diesen Vollhonks partout nicht!
Die „rote Karte“ möchte ich stets unterwegs all denjenigen Reisemobilisten zeigen, die trotz Toilette im Fahrzeug auf Rastplätzen Halt machen – um dann wild in die Gegend zu pinkeln! Einige Herren der Schöpfung tun dies selbst dann, wenn sich das WC in Steinwurfnähe von ihrem Fahrzeug befindet. Hat von diesen Ferkeln je einer daran gedacht, dass dieselbe Wiese, auf die sie urinieren, auch von krabbelnden Kleinkindern genutzt wird?
Ich mag Reisebegleiter auf vier Pfoten sehr, aber oft schaffen es deren Frauchen und Herrchen beharrlich nicht, den Kot ihrer tierischen Lieblinge zu entsorgen.
Viele Camper wollen (oder können) nicht lesen. Wenn man mit einem "Dickschiff" einen traumhaften Hafenblick in Frankreich genießen möchte, sollte man schon schauen, was die Parktasche hergibt - und nicht mit dem Heck die Straße blockieren. Glück für unser kleines "Wägelchen".

Viele Camper wollen (oder können) nicht lesen. Wenn man mit einem „Dickschiff“ einen traumhaften Hafenblick in Frankreich genießen möchte, sollte man schon schauen, was die Parktasche hergibt – und nicht mit dem Heck die Straße blockieren. Glück für unser kleines „Wägelchen“.

Ein Thema, bei dem mir regelmäßig der Kamm richtig schwillt, ist die Ver- und Entsorgung. Wie kann man ein Luxusmobil fahren, aber seine Toilette am Wegesrand ablassen? Warum protzen einige Zeitgenossen mit 170 und mehr PS, haben aber den Euro fürs Frischwasser nicht übrig und entleeren ihre Kassetten-WC in die freie Natur? Das ist doch irgendwie krank!
Wir nutzen aus gutem Grunde Campingplätze (sehr) selten – missionieren aber deshalb nicht für unsere Art des Reisens. Ein wenig Kopfschütteln erzeugt es bei mir aber dennoch, wenn Reisende mit dem Wohnmobil lediglich von A nach B auf den Campingplatz fahren, um dort für Wochen zu bleiben – da wäre jeder Caravan preiswerter (und sinniger).
Wir mögen vor allem große Campingplätze nicht: Weil sich diejenigen, die dort teils wochenlang wohnen, von den reisenden Campern grundlegend unterscheiden. Wir reisen gern – und wollen nicht den festen Wohnsitz lediglich verlagern! Dauercamper wären ein weiteres Kapitel für sich – um diese Spezies machen wir einen ganz großen Bogen. Es sind die gleichen Idioten, die unterwegs auf Park- und Stellplätzen ihren vermeintlich zügellosen Traum von „Freiheit“ leben, dann aber wochenlang in Reih und Glied auf längst im voraus reservierten Campingplätzen stehen und sich wie die Blockwarte aufspielen. Was für ein Gesocks!
Noch (!) zählt die überwiegende Mehrheit der Wohnmobilfahrer zu den freundlichen Zeitgenossen. Individualismus hin oder her – auf Campingplätzen gelten Regeln. Und zwar die der Betreiber. Leider mehren sich die Camper, die gern ihre eigenen aufstellen und sich wie Blockwarte aufführen.
Uns mit solchen Querköpfen auseinanderzusetzen ist uns unsere Urlaubszeit zu schade! Da ziehen wir gern weiter bzw. checken gar nicht erst ein, wenn uns auch nur der Verdacht beschleicht, mit solchen Menschen das Areal teilen zu müssen. Ja, auch reisende selbsternannte Missionare sind gar nicht so selten. Wir möchten jedenfalls abends im Campingstuhl weder über die Schädlichkeit des Rauchens noch über gesundheitliche Folgen von Rotwein-Genuss „aufgeklärt“ werden! Und die Welt wollen wir auch nicht retten.
Ein "Stellplatz" in der Natur (Portiugl) ist etwas Wunderbares, wenn nicht vergessen wird, was man der Natur schuldig ist.

Ein „Stellplatz“ in der Natur (Portugal) ist etwas Wunderbares, wenn nicht vergessen wird, was man der Natur an Benimm schuldig ist.

Ein gewisses Maß an „Klassengesellschaft“ tobt (leider) auch unter Wohnmobilfahrern. Gelegentlich erzählen die Wohnmobile selbst bereits die Geschichte der Insassen, ohne dass diese zu sehen sind.
Die erfreulichsten und nachhaltigsten Erlebnisse unterwegs hatten wir meist mit denen, die von der Mehrheit gemieden werden. Vor der alten Sprichwort-Weisheit, dass Kleider Leute machen, können wir nur warnen! Wir plauschten bereits mit vielen klugen Menschen auf Reisen halbe Nächte hindurch, denen andere auf Grund ihres Äußeren nicht mal einen „Guten Abend“ entboten hätten. Und wir haben nicht wenige Möchtegern-Intellektuelle erlebt, die sich trotz teuerster Outdoor-Klamotten als geistige Nullen entpuppten!
Während „klein & klein“ sich meist gern gesellt, ist das unter „Dickschiff“-Fahrern nicht immer der Fall. Wenn dann ausgerechnet die Arroganten nicht mal 8 m Länge einparken können, entlockt mir das ein Schmunzeln.
Kleine, wenig frequentierte Campingplätze mitten in der Natur (hier: Schweden) lassen unser Camper-Herz höher schlagen.

Kleine, wenig frequentierte Campingplätze mitten in der Natur (wie auf dem Foto in Schweden) lassen unser Camper-Herz höher schlagen.

Wir haben es unterwegs immer sehr genossen, dass wir mit unserem kleinen Campingbus gar nicht so recht als „Wohnmobil“ wahrgenommen wurden. Das ist auch gut so!
Es wird kaum Notiz von uns genommen. Zum Glück passen wir, wenn es Not tut, auch in die kleinste Lücke. Wenn aber selbst diese auf Stellplätzen noch von „Wildcampern“ mit Campingtisch nebst Stühlen beansprucht wird, fehlen mir ab und an die passenden Worte.
Es störte auf dem Stellplatz = Marktplatz an der Garonne (Frankreich) niemanden, dass abends (Vorsaison) gegrillt wurde. Aber das muss nicht immer so sein. Höfliche Fragen ersparen viel Ungemach.

Es störte auf dem Stellplatz = Marktplatz an der Garonne (Frankreich) niemanden, dass abends (Vorsaison) gegrillt wurde. Aber das muss nicht immer so sein. Höfliche Fragen ersparen viel Ungemach.

Wir sind froh, dass die Zahl der Stellplätze von Jahr zu Jahr wächst. Weniger glücklich sind wir ob des Umstandes, dass einige Zeitgenossen meinen, sich dort (weil kostenlos) über mehre Tage wohnlich einrichten zu müssen. Oft sind genau jene es, die den Platz dann verlassen wie die Ferkel. Den nächsten, der sich zu benehmen weiß, trifft dann der Unmut der Einheimischen zu Unrecht!
Unser „Wägelchen“ sorgt dafür, dass sich so mancher Smalltalk, an den man sich später gern erinnert, meist wie von selbst ergibt. Viele gute Tipps kamen uns so zur Kenntnis.
Wir fahren seit mehr als einem Jahrzehnt gut damit, uns selbst unterwegs stets als Lernende, nie als (Ober)Lehrer zu betrachten. Wir geben unser Wissen gern weiter – an diejenigen, die damit etwas anfangen können, an Gleichgesinnte.

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