A & O: Gutes Schuhwerk

Zwiesel GTX von Hanwag. Jetzt müssen sie nur noch gut eingelaufen werden.

Zwiesel GTX von Hanwag. Jetzt müssen sie nur noch gut eingelaufen werden.

Nichts, aber auch gar nichts, vergällt einem eine Wanderung oder den Pilgerweg mehr als ein falscher Schuh! Ich habe seit 20 Jahren so manchen Schuh gekauft – und war dabei nicht frei von Enttäuschungen und Fehlinvestitionen. Seit 2002 habe ich nicht mehr daneben gegriffen – und bin blasenfrei gelaufen, wo auch immer. Auch Lehrgeld trägt irgendwann Zinsen.
Beim Kauf von Trekking- oder Wanderstiefeln sollte man vor allem Zeit mitbringen. Schuhe habe ich nie im Internet gekauft, sondern im Fachgeschäft. Nach diversen Reinfällen mit „stylischen“ Tatzen-, Streifen- und sonstigen „Tretern“ hatte ich mir geschworen, nur noch in Deutschland gefertigte Ware an meine Füße zu lassen.
Für die Alpen (und wenn es noch höher hinaus geht) genau richtig. Für eher flaches Gelände und  tagelange Wanderungen zu schwer.

Für die Alpen (und wenn es noch höher hinaus geht) genau richtig. Für eher flaches Gelände und tagelange Wanderungen zu schwer.


Bis heute halten mir relativ schwere (bedingt steigeisenfeste) Stiefel aus dem Hause Lowa die Treue. Die knapp 200 Euro waren 2002 gut investiert. Aber bei Mehrtagestouren in leichterem Gelände macht sich das Gewicht von 844 Gramm pro Schuh dann doch bemerkbar. So toll diese Stiefel auch sind – für Rennsteig oder Jakobsweg sind sie einfach zu massig. Dennoch möchte ich sie im Schuhschrank nicht (mehr) missen.
Zurück zum Anfang: Es braucht schon ein wenig Zeit am Nachmittag, das passende Modell zu finden. Nur wenn der Fuß „angeschwollen“ ist, taugt eine Anprobe. Ich habe stets meine eigenen Socken mitgenommen und bin möglichst viel herumgelaufen. Hilfreich kann sein, statt der Original-Einlegesohlen einmal andere auszuprobieren. Niemals in ein Modell verlieben! Wenn der Leisten nicht zum Fuß optimal passt: Finger weg.
Die vier Jahre alten MEINDL meiner besseren Hälfte waren für den Jakobsweg genau richtig: Gramm schwer, ein wenig höher, aber deutlich robustere Sohle.

Die vier Jahre alten MEINDL meiner besseren Hälfte waren für den Jakobsweg genau richtig: Ein Pfund leicht, ein wenig höher, aber deutlich robustere Sohle.

Der Schuh sollte bis oben fest geschnürt werden. Eine schiefe Ebene (möglichst mit Steinen besetzt) ist unabdingbar. Nur so kann man testen, wie sich der Schuh bergauf und bergauf verhält. Niemals sollte der große Zeh beim Bergabgehen vorn drücken! Eine Faustregel für die Größe gibt es nicht. Probieren geht über studieren. Ich habe sowohl Stiefel im Schrank, die zwei Schuhgrößen höher gewählt sind als auch ein Paar, das nur eine Größe mehr aufweist.
Die beste Vorbeugung gegen spätere Druckstellen: Nach 10-15 Minuten die Stiefel nachschnüren und möglichst viel bewegen. Das Abrollverhalten ist wichtig – je geschmeidiger, umso besser. Sitzt der Abrollpunkt direkt unter dem Ballen, hat man den idealen Schuh erwischt.
Sofern man nicht fünf Paar Schuhe kaufen möchte, halte ich nichts, aber auch gar nichts von all den Modellen, die nicht knöchelhoch sind. Ebenso gut könnte man dann Turnschuhe tragen. Wer damit glücklich wird – bitteschön. Ein sicherer Halt ist mir ein Minimum an Komfortverzicht wert. Und wenn es in die Turnschuhe längst hinein geregnet hat, bleibt ein Stiefel innen trocken.
Ich schwöre bei allen Modellen auf Goretex. Bei Leder überwiegen für mich die Nachteile, vor allem, wenn sie mal völlig durchnässt sein sollten.
Vor drei Jahren hatte ich das Gefühl, dass es auch ein leichterer Schuh tut und entschied mich für Meindl Maine Men Mid GTX. Klassische Wanderschuhe, Kaufpreis 128 Euro. Sehr bequem, sehr leicht (490 Gramm). Wie ich nach zehn Tagen Jakobsweg wusste, war dieser Wanderstiefel für Geröllstrecken jedoch eigentlich zu leicht gewesen. Ansonsten: Top und jederzeit gerne wieder. MEINDL Schaden
Erst bei der Reinigung sah ich das Malheur: Die rechte Schuhsohle war in leichter Auflösung (Foto) begriffen. Mail an MEINDL, Schuhe zum Händler. Nach 14 Tagen: 75 Euro auf Kulanz retoure. So geht das, auch nach Ablauf der Gewährleistung und ohne Kaufbeleg. Klasse.
Jetzt musste eine Alternative her. Hanwag-Stiefel (Foto oben) waren mir in der Vergangenheit stets zu teuer. Doch Glück muss man haben. Zum akzeptablen Preis gab es sehr robuste Stiefel (wenigstens aus EU-Produktion), die wie Strümpfe passten. Die Sohle ist erstaunlich robust. Am meisten überrascht dabei das Gewicht: 589 Gramm. Ein gesundes Mittelmaß angesichts der Robustheit.
Jetzt kommt das bei neuen Schuhen Entscheidende: Das Einlaufen. Zuvor werden die „Füßlinge“ imprägniert. Gute (richtige) Pflege verlängert die Lebensdauer eines Wanderschuhs deutlich.
Wenn die Wanderstiefel länger in Gebrauch waren: Sämtlichen Schmutz entfernen. Ich nehme dazu lauwarmes Wasser und eine mittelharte Bürste. Innen gehe ich mit einem feuchten Lappen durch. Wenn alles getrocknet ist, wird außen erneut imprägniert. Der Tod jeden guten Schuhs: An der Heizung trocknen. Never ever!
Irgendwann ist auch der beste Schuh einmal durchnässt. Feuchtes Schuhwerk zu imprägnieren ist sinnlos! Trockene Einlegesohlen (Reserve) helfen eher weiter.
PS: Der allerbeste, gut passende und vielleicht auch teure Schuh nützt nichts, wenn man dazu die unpassenden Socken trägt. Für Trekkingsocken muss man recht tief in den Geldbeutel langen, aber es zahlt sich aus. Ob Wolle oder Mischgewebe, das ist Geschmackssache. Ich habe gute Erfahrungen sowohl mit Marken wie Falke oder MEINDL gemacht, bin aber auch einmal angenehm überrascht worden von Socken aus dem Discounter-Regal.

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