31 Tage Asien mit dem Rucksack (4)

Am 16. Tag geht es noch einmal auf hohe See. Unser Ziel sind vier der rund 100 traumhaften kleinen Inseln des Langkawi-Archipels. Vier Stunden Natur pur. Diese Island-Hopping-Tour bieten fast alle Agenturen in Cenang an, wir haben 28 RM pro Person berappt (ca. 5,70 Euro). Nach vielen Stunden im salzigen Meerwasser tut es richtig gut, im einzigen Süßwasser-See weit und breit zu schwimmen – auf der Dschungelinsel Pulau Dayang Bunting. Im Inneren der Insel, auf der Marmor abgebaut wird, liegt ein kleiner Süßwasser-Kratersee, der Tasik Dayang Bunting. Er wird auch „See des schwangeren Mädchens“ genannt (Lake of pregnant maiden), aus dem der Legende nach ein kinderloses Paar Wasser trank und denen in Folge ein Mädchen geboren wurde. Im Norden des Sees liegt die Höhle Gua Langsir bzw. Höhle der Banshee Hexe, wo es spuken soll. Weniger romantische Zeitgenossen schreiben die Legende dem Umstand der tausenden von Fledermäusen zu, die in der 91 Meter hohen Höhle leben. Weiter geht es zu den nur auf Langkawi lebenden Adlern (auch das Wahrzeichen der Insel). Anschließend ein asiatischer Traum – ein kleine Insel mit puderzuckerweißem Sand und türkisblauem Wasser ringsum.

Am Nachmittag planen wir die nächsten Tage und essen abends nochmals den leckeren Rochen vom Grill. Wir müssen sehr früh raus, fraglich ist, ob um 6 Uhr am Morgen ein Taxi rein zufällig vorbei kommt, das uns zum Fährhafen nach Kuah bringt …
Tag 17 beginnt ungewöhnlich früh. Schon um 6 Uhr stehen wir „gestiefelt und gespornt“ auf der Hauptstraße in Cenang,um ein Taxi zu ergattern. Nach 20 Minuten kommt auch tatsächlich eins vorbei. Auf zum Fähr-Terminal, wo schon das Boot gen Kuala Kedah wartet. Nach knapp zwei Stunden sind wir dort angekommen, setzen uns für 20 Minuten in ein Taxi, um zum Bus-Terminal zu gelangen. Weiter gen Ipoh. Vier Stunden Fahrt – kurz nach 15 Uhr kommen wir an. Doch der Bus gen Tanah Rata in den Cameron Highlands wird erst um 17:15 Uhr abfahren. Kurz und bündig: Wir heuern ein Taxi an. Und sind schon um 16:30 Uhr in Tanah Rata. Kostenpunkt für die 85-Kilometer-Fahrt: 120 RM = 24 Euro.

Wir hatten unser Quartier für die nächsten drei Nächte bereits vorgebucht: in „Father´s Guesthouse“. Netter Service unserer Gastgeber: Wir werden vom Taxistand abgeholt. Die Übernachtung im Guesthouse kostet pro Nacht 80 RM (DZ mit Dusche/WC) = 16 Euro. Es gibt auch preiswertere Möglichkeiten. Aber es empfiehlt sich dringend, eine Woche vorher anzufragen, das „Father´s“ ist sehr beliebt und bekannt! Man kann ab 7 Uhr (sehr gut!) frühstücken, auch abends bekommt man warme Kleinigkeiten aus der Küche.
Randbemerkung zur Kommunikation. Eine Mobilfunkkarte (passt in jedes Simlock-freie Quadband-Handy) eines malaysischen Anbieter kostet (z. B. Hot Link) 8 RM, wovon 4 RM (knapp ein Euro) abtelefoniert werden können. ich habe mit dieser Karte 5 Inlandsgespräche und sechs Auslandsgespräche (Thailand, Bahrain, Deutschland) geführt und hatte zu guter letzt noch ein Guthaben von 1,34 RM. Billiger geht´s nicht!

Die Cameron Highlands liegen im malaysischen Sultanat Pahang und sind Teil der Bergkette, die die malaysische Halbinsel in Nord-Süd-Richtung durchzieht. Benannt wurden die Gegend nach William Cameron, einem Landvermesser der britischen Kolonialregierung, der sie 1885 bei einer Kartografierungsexpedition entdeckte. Alle kleinen Orte der Cameron Highlands liegen an einer einzigen Straße. Der wichtigste Ort ist Tanah Rata.
Sowohl für Touristen als auch für Malaysier sind die Cameron Highlands ein beliebtes Ziel, denn aufgrund ihrer Höhenlage (um 1.500 Meter) bieten sie ein für tropische Verhältnisse angenehm kühles Klima. Die Temperaturen erreichen tagsüber um 25 Grad, sinken jedoch nachts auf 10 bis 15 Grad. Daher waren die Cameron Highlands bereits in der Kolonialzeit für die Briten ein beliebtes Ziel, so dass die Cameron Highlands über mehrere traditionelle Gästehäuser im Tudor-Stil und einen gepflegten Golfplatz verfügen.
Aufgrund der relativ kühlen Witterung gedeihen in den Cameron Highlands andere Pflanzen als in der malaysischen Ebene. Neben Erdbeeren, (grünem) Spargel, weiteren Blattgemüsen und Rosen wird vor allem Tee angebaut.
Für die Cameron Highlands empfehlen sich ein leichter Fleece – und eine gute Regenjacke! Denn der „Segen“ von oben ist allgegenwärtig.

Der Abend vergeht mit einem kurzen Spaziergang durch Tanah Rata, verbunden mit einem üppigen Mahl.
Der 18. Tag beginnt wie der Vortag endete – sonnig. Wir krabbeln nach einem ausgiebigen Frühstück um 9 Uhr mit drei jungen Engländerinnen in einen Jeep, um uns mit Flora und Fauna der Cameron Highlands zu beschäftigen.

Der erste Stopp ist an einer Rosenfarm. Eine Farbenpracht ohnegleichen empfängt uns. Die Hauptattraktion hier ist eine grüne (richtig!) Rose. Aber auch so manch anders floristisches Highlight ist zu sehen. Die Farm liegt an einem steilen Hang – der Ausblich von oben ist grandios! Eine Schmetterlingsfarm ist das nächste Ziel. Auch diverse Schlangen, Skorpione und Schildkröten haben hier ihr Zuhause. Und manches vermeintliche Blatt ist ein Tier …!

Nun wenden wir uns dem Hauptprodukt der Cameron Highlands zu – dem Tee. Größter Produzent ist die Boh-Company. Ein Meer von Teesträuchern, dann die Produktion, wo aus „Grünzeug“ köstlicher schwarzer Tee wird, der aber (leider) nur in Singapore und Malaysia vertrieben wird. Dank unseres sachkundigen Tee-„Führers“ wissen wir nun halbwegs, was guten von schlechtem Tee unterscheidet.
Zur Mittagszeit sind wir zurück – und ein im Wortsinne längerer warmer Regen setzt ein.
Wenn man das Guesthouse in Richtung Ort verlässt, muss man mehrere Dutzend Stufen nehmen. Zur Nacht leisten unsere Kopflampen nun gute Dienste, denn der rutschige Weg nicht beleuchtet. Abends essen wir gemütlich ein Steamboat (Feuertopf) und gewöhnen uns wieder an „normale“ Bierpreise im Lande – 16 RM für 0,66 Liter = 3,23 Euro …
Unser 19. Tag beginnt regnerisch. Wir hoffen, dass es sich bis zum Mittag bessert, denn dann wollen wir zu den Orang Asli fahren. Wir haben Glück – die Sonne kommt später doch noch. Bis dahin werfe ich dann im Guesthouse doch mal einen kurzen Blick ins Internet. Wir nutzen den Vormittag, um dem Sam Poh Temple (auf einem Hügel bei Brinchang), einem chinesischen buddhistischen Tempel, einen Besuch abzustatten. Man sagt, es sei der viertgrößte buddhistische Tempel in Malaysia. Der Sam Poh Tempel wurde erst im Jahr 1972 erbaut und dem chinesischen Admiral Zheng He gewidmet.

Orang ist das malaiische Wort für „Mensch“; „Asli“ bedeutet „zuerst“, „ursprünglich“. Orang Asli ist eine Oberbezeichnung für verschiedene Ethnien im Inneren der Malaiischen Halbinsel, hauptsächlich in Malaysia. Sie bestehen aus mehreren indigenen Ethnien. Manchmal werden die Orang Asli mit den Malaien mit zu dem im gewissen Umfang privilegierten Staatsvolk der sogenannten Bumiputra gezählt, den „Söhnen und Töchtern der Erde“, die von den eingewanderten Chinesen und Indern im Multi-Kultur-Staat Malaysia unterschieden werden.
Die Orang Asli zogen sich vor den Nachwanderern zumeist in die höher gelegenen Hügel- und Bergregionen der Halbinsel zurück, leben oft halbnomadisch und in primitiven Verhältnissen. Einfachster Zugang für eine Begegnung ist somit der Besuch der Cameron Highlands. Erst weit oben im Bergland sieht man an der einzigen Straße vereinzelt einfache Hütten am Straßenrand und gelegentlich ihre Bewohner.
Rund 30 Kilometer von Tanah Rata entfernt befindet sich eine der letzten kleinen Siedlungen dieser Ureinwohner. Wer nun meint, dort lebe man „hinter dem Mond“ – weit gefehlt. Ein moderner Kindergarten spricht eine andere Sprache. Die größeren Kinder sind unter der Woche im Schul-Internat. Gut zu erkennen, dass dies wohl vermutlich die letzte Siedlung sein wird – denn die jungen Leute ziehen weg, die Alten bleiben.

Die Orang Asli leben von Landwirtschaft und der Jagd (auch heute noch mit dem Blasrohr). Ihre Hütten schweben fast über dem Erdboden; Schwergewichte sollten die Unterkünfte nicht betreten, denn lediglich Bambusmatten stellen den Fußboden dar … Ein interessanter Einblick. Wer jemals in die Gegend kommt, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Zumal man im Wald lernen kann, dass gegen (fast) alles ein Kraut gewachsen ist.
Der Abend wird kurz, denn wir müssen (wieder) sehr früh raus. Um 8 Uhr geht unser Bus gen Ipoh und dann weiter gen Georgetown (Penang).
Um 7 Uhr nehmen wir unser Frühstück ein, ein wenig in Eile, denn bald geht der Bus gen Georgetown. Tag 20 wird uns zur Insel Penang in der Straße von Malakka bringen. Es geht auch pünktlich los, dann stottert der Motor erstmals und der Fahrer gießt seelenruhig Öl nach. Weitere fünf Kilometer, dann sitzen wir in einer Wolke von Öl und Diesel – nichts geht mehr.
Als sei es die normalste Sache der Welt, macht sich der Busfahrer an die Arbeit. Mal ruhig werkelnd, mal eher hektisch telefonierend. Wie auch immer: Nach einer Stunde rollt das Gefährt wieder, immerhin bis nach Ipoh. Dort steigen wir um und kommen gegen 14:30 Uhr in Georgetown an. Vom Busbahnhof bringt uns ein Taxi ins 30 Kilometer entfernte Batu Ferringhi. Gemütliches Mittagessen – dann „klappern“ wir alle möglichen Quartiere ab.

Das „erste Haus“ am Platze ist das „Park Royal“ – und fragen kostet ja noch nichts. Aller guten Dinge sind drei Nächte. Das „billigste“ Zimmer hätte regulär 670 RM (135,50 Euro) gekostet. Nicht unsere Preisklasse! Aber nachzuhaken lohnte: 340 RM (68,70 Euro) lautete das Angebot – wir zogen ein (Preis für DZ, Bad/WC, Klima; Frühstück inklusive). Wenn ich bedenke, für welche erbärmlichen „Schuppen“ rings um meine Heimatstadt teils 70 Euro und mehr verlangt werden – ein Schnäppchen. Der Rest des Tages war geruhsame Entspannung am Pool. Abends ein Bummel über den für Orte dieser Art unvermeidlichen Touri-Nachtmarkt mit allem möglichen und unmöglichen Nippes und jede Menge „Fakes“.
Ein erstklassiger Foodcourt mit Riesen-Auswahl sorgte für ausreichende Füllung knurrender Mägen. Viele Einheimische und ein voll besetztes Haus sind stets ein Indiz dafür, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut sein muss.
Zum Teil 5

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