31 Tage Asien mit dem Rucksack (1)


Tag 1: 5. Februar 2009. Ein ganz normaler Freitag. Es ist trocken, aber gerade einmal zehn Grad „warm“. Letzter Check der Siebensachen, dann kommt das Taxi zum Bahnhof. Mit dem ICE geht es erst nach Nürnberg, dann zum Flughafen Frankfurt am Main. Es herrscht Sauwetter: Kühl und regnerisch. Das versprochene Transfer-Fahrzeug zum Hotel lässt auf sich warten. Als es dann endlich kommt, reichen die Sitzplätze nicht. Hektische Telefonate des Fahrers, dann endlich geht es per Taxi nach Langen ins „Steigenberger“. Ein Gläschen Champagner auf eine hoffentlich erfolgreiche Reise, dann sinken wir in die Federn.
Der Samstag beginnt früh. 7:30 Uhr geht es zurück zum Flughafen. Die Rucksäcke sind schnell eingecheckt. Wir haben uns bereits zum zweiten Male für Gulf Air entscheiden. Erstens, weil wir sehr zufrieden waren. Zweitens, weil der Preis passte. Drittens, weil es zwei super Stopover-Möglichkeiten gibt. 2006 waren wir im Oman, jetzt werden wir als letzten Ort der Reise Bahrain einen Besuch abstatten. Viertens, weil wir nicht nonstop fliegen müssen.
Dann das Unvermeidliche, was ich am meisten hasse – das ewige Warten aufs Boarding. Noch ein letzter teurer Flughafen-Kaffee, eine letzte Zigarette vor dem mehr als sechsstündigen Flug gen Bahrain. Wie immer ist es ein schönes Gefühl, dem freundlichen Herrn der Bundespolizei „Adieu“ zu sagen.
Der Airbus A-330 hebt pünktlich um 11:20 Uhr ab und schwebt ebenso pünktlich um 19 Uhr in Bahrain ein. Endlich wieder die Beine vertreten, endlich wieder eine „Lungen-Quälung“! Doch es dauert nicht lange, da erfolgt der erneute Aufruf; 20:30 Uhr geht es weiter. Am nächsten Morgen (es dämmert gerade) landet der Flieger pünktlich und sicher in Bangkok Suvarnabhumi.
Die Immigration geht zügig, das Gepäck ist vollzählig. Bangkok-Reisende aufgepasst: Die Thailänder sprechen so gar manches anders aus und so kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Das „i“ am Ende von „Suvarnabhumi“ wird nicht gesprochen! Am besten ist es für erstmalige Bangkok-Besucher, sich sein Ziel von einer freundlichen Flughafen-Mitarbeiterin auf einen Zettel schreiben zu lassen. Die meisten Taxi-Fahrer verstehen kein Englisch – oder gar nichts … Wir ordern die Taxis gern „offiziell“ – da weiß man vorher, was es hinterher kostet. Der neue internationale Flughafen in Bangkok liegt noch weiter draußen als sein Vorgänger – ca. 45 Kilometer außerhalb der Stadt; die Fahrt ins Zentrum sollte keinesfalls mehr als 400 Baht kosten (1 Euro = 45 Baht, also rund 9 Euro). Konstante 32 Grad werden uns die nächsten Tage und Nächte nun begleiten.
Gegen 8 Uhr kommen wir im Hotel „Tawana“ an und checken ein. Eine Erfrischung tut jetzt Not! Ich habe noch keinen anderen Ort auf der Welt gefunden, in dem man so gute Hotels so preiswert „schießen“ kann wie in Bangkok. Allerdings lohnt sich die Buchung über deutsche Veranstalter sehr! Statt 3.300 Baht (ca. 73,30 Euro), wie auf der Internet-Seite ausgewiesen, haben wir bei Meier´s Weltreisen nur 36 Euro pro Nacht (inklusive Frühstück) bezahlt. Ein Schnäppchen angesichts der vielen Annehmlichkeiten, die das Hotel zu bieten hat.
Nach einer Stunde im klimatisierten Zimmer, einer ausgiebigen Dusche und einem starken Kaffee beginnt der erste Tag in Thailands Hauptstadt, unser 3. Tag. Mit dem hoteleigenen Tuktuk geht es zum Chao Phraya, zum Express-Boot. Es ist die m. E. beste Möglichkeit, die Stadt zu erkunden. Die einfache Fahrt kostet ca. 20 Cent und das Boot legt in der Nähe der meisten Sehenswürdigkeiten an! Alles sonst muss man sich im wahrsten Sinne erlaufen. es geht vorbei am Wat Arun, dem Tempel der Morgenröte. Er liegt am westlichen Ufer des Chao Phraya und gehört mit seinen 70 Metern Höhe zu den imposantesten Bauwerken am Fluss. In der Dämmerung und auch nachts beleuchtet, gehört der Wat Arun auch zu den beliebtesten Fotomotiven Bangkoks. Der Tempel wurde während der Ayutthaya Periode errichtet und hieß ursprünglich Wat Makok.
Der erste Gang führt zu Wat Phra Chetuphon. Am Pier Tha Tien aussteigen, schnell noch eine frische Kokosnuss naschen und 250 Meter laufen. Besser bekannt ist dieser eindrucksvolle Tempel unter dem Namen „Wat Pho“ oder „Tempel des liegenden Buddha“.

Bereits im 16. Jahrhundert gab es diese eindrucksvolle Stätte. Somit ist Wat Pho älter als Bangkok. Komplett neu gebaut wurde die Tempel-Anlage 1781, ein Jahr vor der eigentlichen Stadtgründung. Im 19. Jahrhundert erfolgten umfangreiche Restaurierungsarbeiten. Hauptattraktion ist der 45 Meter lange und 15 Meter hohe vergoldete Buddha. Die liegende Stellung soll symbolisieren, dass der Buddha gerade ins Nirwana hinüber gleitet. Unbedingt die Perlmuttintarsien in den Fußsohlen betrachten!
Länger verweilen sollte man auch an den vier Chedis (Türme), die zu den schönsten in ganz Thailand zählen. Wermutstropfen: Massenandrang und Souvenirverkäufer lassen kaum eine meditative Stimmung aufkommen.
Bangkok-Neulinge aufgepasst: Zwischen Wat Pho und dem Königspalast treiben sich Schlepper herum, die Fremden erzählen, der Tempel sei etwa wegen eines buddhistischen Feiertags geschlossen. Statt dessen wird die Tuktuk-Fahrt zu einem anderen Tempel (der natürlich nur heute geöffnet ist!) angeboten. Eigentliches Ziel: Der „Besuch“ diverser Juweliere und Schneider. Nicht einschüchtern lassen! Wer an buddhistischen Tempeln einen Narren“ fressen kann, dem sei eine Führung empfohlen (ca. 7 Euro für zwei Personen). Die Investition lohnt sich. Der einfache Eintritt kostet lediglich 50 Baht.

Am späten Nachmittag meldet sich der Jetlag. Wir fahren mit dem Boot zurück zum Ausgangspunkt am „Mandarin Oriental“ und laufen einen Kilometer zum Hotel zurück. Unterwegs noch ein schnell ein frisch gepresster Ananas-Saft und ein Schälchen Reis mit Ente. Dann folgt die Abkühlung im Hotel-Pool und ein „Nickerchen“. Wir sind leicht „breit“.
Erst nach 20 Uhr machen wir uns noch einmal auf den Weg, um die nähere Umgebung anzuschauen. Das Rotlicht-Viertel ist „um die Ecke“, aber es sind mehr Dirnen als Freier zu sehen. Das Geschäft läuft schlecht.

Nach einem ausgiebigen asiatischen Frühstück im Hotel bestiegen wir wieder das Tuktuk und fuhren zum Chao Phraya. Ziel des 4. Tages war der Große Palast. Die prachtvolle Anlage beherbergt viele kunstvolle Tempel und Gebäude in unterschiedlichen architektonischen Stilrichtungen. Der Prunkbau war die offizielle Residenz der Könige von Siam in Bangkok vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Nach dem Tod von König Ananda Mahidol (Rama VIII.) 1946 im Borom-Phiman-Palast beschloss König Bhumibol Adulyadej (Rama IX.) die Verlegung der Residenz in den Chitralada-Palast.
Reiche Goldverzierungen, reflektierende Dächer und Bildnisse Buddhas sind überall zu sehen. Der wunderbare Wat Phra Kaeo liegt im Zentrum der Anlage. Der Tempel ist eine wahre Schatzkammer der thailändischen Künste und Heimat des sogenannten Smaragd-Buddhas, dem in Thailand meist verehrten Buddha-Bildnis. Aber auch eine ständige Ausstellung von königlichen Insignien, Ehrenzeichen, Medaillen und Münzen ist sehr sehenswert. Es lohnt unbedingt, einen Führer zu nehmen! Wichtig: Lange Hosen sind unumgänglich, die holde Weiblichkeit sollte ebenfalls Kleidung tragen, die Beine und Arme bedeckt! Sonst ist kein Reinkommen. Es gibt zwei Eingänge, der linke ist nur für Thailänder.
Die offiziell angebotenen Halbtages-Touren sind mit saftigen Preisen behaftet! Wirklich nur für Reisende geeignet, die von gar nichts eine Peilung haben!! Wer sich auf Schusters Rappen begibt und einer Führung in Englisch geistig folgen kann, kommt pro Person locker mit 7-8 Euro aus.

Anschließend haben wir im Backpacker-Bezirk Bangkoks mal nach dem Rechten geschaut. Die Khao San Road ist das Mekka aller Traveller. Hier gibt es preiswert bis billigste Quartiere (Schlafsaal) in Hülle und Fülle. Aber angesichts des Hotel-Preisniveaus kann man auch getrost hochherrschaftlich nächtigen. Die Khao San Road (Straße des ungekochten Reises) ist eine rund 400 Meter lange Straße im Bangkoker Stadtteil Banglamphu und liegt etwa einen Kilometer nordöstlich von Königspalast und Wat Phra Kaeo.
Die Khao San Road wurde während der Regierungszeit von König Chulalongkorn gebaut. Auf einer alten Karte aus 1921 kann man bereits einige hölzerne Geschäftshäuser an beiden Seiten der Straße ausmachen. Bekannt geworden ist sie seit Mitte der 1980er Jahre durch ihre Popularität bei Rucksacktouristen. Die Straße ist gesäumt von einer Vielzahl von Übernachtungsmöglichkeiten, Kneipen, Restaurants, Antiquariaten, Maßschneidereien, Straßenhändlern, Tattoo-Shops und Reisebüros. Zunehmend siedeln sich Großhändler für Silberschmuck an, die nur an Händler verkaufen. Dementsprechend verändert sich das Gesicht der Straße stark. Die Mieten steigen rasant an, so dass viele alteingesessene Betriebe schließen müssen und Platz machen für Filialen großer Ketten wie McDonald’s. Ein weiterere, allgemeiner Trend: Viele Backpacker-Hostels renovieren und werden zu Mittelklassehotels. Mittlerweile gibt es einige Hotels, die sogar über einen Swimmingpool verfügen.
In der Khao San Road trifft man auch jede Menge menschliches Strandgut. Und damit meine ich westliche „Aussteiger“, die in Thailand kläglich scheiterten. Die vor Jahren mit ein paar Tausend Dollar ankamen – und meinten, dass Leben bestehe aus Fun ohne Ende! Aber die Zeiten haben sich eben gewaltig geändert …
In diversen Buchläden kann man sich second-hand Reiselektüre sehr preiswert kaufen. Z. B. diverse Ausgaben des „Lonely Planet“, aber auch Bücher, die zum Schmökern am Strand geeignet sind. Wir sind in einer kleinen Kneipe dann endlich wieder zu meinem Lieblings-Getränk gekommen – frisch gepresster Saft zu je 50 Prozent Ananas und 50 Prozent Papaya. Der „stolze“ Preis: Umgerechnet 60 Cent!

Eigentlich hatten wir beabsichtigt, gen Koh Samui mit dem Bus und mit der Fähre zu fahren. Nach dem Mittagessen haben wir uns dann doch entschlossen, den Plan zu ändern. Leider ist Bangkok Airways „Hausherr“ des Flughafens auf Koh Samui – und damit die Flüge vergleichsweise teuer. Dennoch sind natürlich 70 Euro für einen einstündigen Oneway-Flug okay. Immerhin spart uns der Flieger einen ganzen Tag.
Dann ging es zurück zum Chao Phraya, Mittagessen in einem kleinen Foodstall. Dann ein kurzer Rundgang durch einen weiteren sehr schönen buddhistischen Tempel: Wat Mahathat.
Den späteren Nachmittag haben wir dann doch lieber am kühlen Pool verbracht. Die ewige Dunstglocke über Bangkok erleichtert Spaziergänge nicht wirklich. Abends haben wir dann mal in diversen Läden geschaut, was sich dreieinhalb Wochen später eventuell eignet, mit nach Hause genommen zu werden.
Letzter Tag in Thailands Hauptstadt, Tag 5. Den Pool des Hotels ausgiebig testen, frühstücken – und ab ins Gewimmel. Chinatown ist unser Ziel. Das immer wieder aufs Neue herrliche Gefühl, in eine ganz andere Welt abzutauchen.
In dem Viertel nahe des Chao Phraya meint man stets, untergehen und sich im Labyrinth verlaufen zu müssen. Eine Vielfalt an Lebensmitteln, die ihresgleichen sucht. Ein Gewimmel und Geschrei, das man mögen muss, wenn man sich dorthin begibt. So langsam werden wir zu Thailändern: Sie essen ständig – und wenn sie mal nicht essen, denken sie darüber nach, was sie als nächstes essen werden. Wir „fressen“ uns durch Chinatown …
Voller Bauch studiert nicht gern? Doch! Nach der Völlerei mit knuspriger Ente und anschließend Durian (nicht jedermanns Geschmack!) muss rasch geistiger Nachtisch her:
Eher beiläufig wollten wir uns auf dem Weg zum Fluss den Tempel Wat Trimit anschauen – und verweilen dann doch länger als geplant. In diesem Heiligtum am Ende der Yaowarat Road, neben dem Bangkoker Hauptbahnhof Hualongpong, thront ein drei Meter hoher Buddha aus fünfeinhalb Tonnen massivem Gold.
Dann lassen wir uns treiben, im Express-Boot auf dem Fluss. Gelassenheit hat endgültig Einzug gehalten. Wir ließen uns in die Fremde hineinfallen – und schweben. Der Absturz kommt erst Wochen später, nämlich in Frankfurt am Main. Auf dem Rückweg zum Hotel im Tuktuk das Unvermeidliche auf dem Wege: Ein Besuch in einer Schneiderei, ein kurzer Blick über die Schultern eines Goldschmieds. Gekauft haben wir natürlich nichts …
Zum Teil 2

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