15 Tage Vía de la Plata (Tag 8 – 15)

Tag 8 – 30.03.: Zafra – Villafranca de los Barros (20 km)

Wir beginnen den Tag, womit der vorige aufhörte: Zünftiges Frühstück mit gutem Schinken und Café con leche (statt Rotwein). Noch ein paar Blicke auf die schönen Fassaden – dann sind wir schon aus Zafra hinaus gelaufen. Zafra PlazaZafra am MorgenBei dieser Gelegenheit: Entgegen anderslautender Latrinenparolen ist die Vía de la Plata inzwischen sehr gut gekennzeichnet. Wer dazu wenigstens Englisch spricht (besser Spanisch), kann auf gedruckte Führer gut und gern verzichten. Alle kommerziellen Herbergen (auch die meisten Bars oder Restaurants) haben kostenloses WLAN – man kann sich also am Abend auch gut via Smartphone oder Tablet über den kommenden Tag informieren.Muschel JakobswegAndrea am tag 8Auch gelegentlich über Bahngleise gehen zu müssen, ist unvermeidlich.Bahngleise auf der Via de la PlataEs handelte sich (wieder einmal) um eine typische „Flachetappe“ – ohne Höhen und Tiefen – aber auch ohne wirkliche Reize.radpilgerVia de la Plata Tag 8Wir erreichen am frühen Nachmittag Villafranca de los Barros und folgen den Schildern zu einer privaten Herberge: „Albergue Tierra de Barros“ (Calle Nueva, 35 – zum Zentrum 500 m zu laufen). Wir haben ein Drei-Bett-Zimmer für uns allein und zahlen für die Nacht 20 Euro. Man kann Wäsche waschen, es gibt eine Küche und einen kleinen Innenhof. Wer kein Smartphone dabei hat: Es gibt auch einen PC zur gemeinschaftlichen Nutzung – neben WLAN. Für uns ist erst einmal Waschtag, bevor ein „Stadt“-Bummel ansteht. Wir verzichten wiederum aufs Pilger-Menü und kaufen uns statt dessen Brot, Käse, Chorizo und Schinken, Eier und Getränke. Abends und am Morgen essen wir in der Herberge.
Villafranca de los BarrosDarüber hinaus gibt es eine zentral gelegene Herberge (Carvajales, 2 – Schlafsaal), das „Hotel Diana“ und die „Albergue El Carmen“ (C/ Carmen, 26 – Schlafsaal).

Tag 9 – 31.03.: Villafranca de los Barros – Almendralejo (19 km)

Jesuiten CollegIm Gegensatz zu vielen anderen (die irgendwelchen Wanderführern folgten) haben wir uns entschieden, nicht bis nach Torremejía zu laufen, sondern die Etappe zu teilen. Wir gehen lediglich bis Almendralejo, obwohl sich dort keine Herberge befindet – und man den „klassischen“ Weg kurz verlassen muss.
Nach dem frühen Frühstück nehmen wir in einer Bar noch den obligatiorischen Café con leche und machen am Ortsausgang einen Stopp im Jesuiten-Colleg.Gefälle am Tag 9Die ersten Kilometer sind recht schön anzusehen, 14% Gefälle laufen sich im Zweifel besser als 14% Steigung – und einen hübschen kleinen Ort passieren wir ebenfalls noch.Winzer am Tag 9SonnenschirmDoch dann wird es regelrecht öde. Ist anfänglich noch der eine oder andere Winzer bei der Arbeit zu sehen, wird es dann stundenlang eintönig – und extrem heiß. Wir machen kurzerhand aus den Regenschirmen brauchbare Sonnenschirme. Nicht schön, aber effizient. Der Umstand, ewig und drei Tage lang kein Ende des Wegs absehen zu können, nervt zunehmend!Einöde Tag 9Leider macht sich inzwischen auch meine bereis durchoperierte Lendenwirbelsäule deutlich bemerkbar. Die Beschwerden werden mehr, die Schmerzen stärker, die Not-Pausen häufiger. Nach 16 quälenden Kilometern biegen wir links ab – gen Almendralejo. Die die Landschaft verschandelnden Solar-Anlagen am Ortseingang nehmen wir gar nicht richtig wahr – der Durst macht uns zu flinken Pilgern!SolaranlagenHotel in AlmendralejoWir müssen nicht lange suchen: Ein richtig plüschiges (was nun wahrlich nicht usner Geschmack ist!) und sehr zentral gelegenes Haus („Hotel España“ – Avenida San Antonio, 77) offeriert das klimatisierte Doppelzimmer für Pilger zum Preis von 39 Euro – wir müssen nicht überredet werden.
Ein abendlicher Stadtbummel ist absolut empfehlenswert! Wie wir belustigt feststellen konnten, waren wir nicht die einzigen, die sich eine „Halb“-Etappe gegönnt hatten.
Unser Pilger-Menü am späteren Abend für 9 Euro p. P. in einem der zahlreichen Restaurants (Bier & Kaffee inklusive) war ohne Fehl und Tadel. PS: Uns fiel lediglich ein weiteres mögliches „Nachtlager“ ins Auge: „Hotel Los Angeles“. Außerhalb befindet sich dann noch das „Hotel Acosta Vetonia“.

Tag 10 – 01.04.: Almendralejo – Torremjía (16 km)

Cafe con lecheMeine Rückenschmerzen noch vor dem Aufstehen waren an diesem Tag leider kein Aprilscherz! Nur die Verlockung eines starken Kaffee treibt mich aus den Federn. In einer kleinen Bar im Bahnhofsgebäude nehmen wir ein reichliches Frühstück zu uns. Sparfüchsen sei hier nochmals gesagt, dass alles, was über Café con leche und Toast hinaus geht, auch seinen Preis hat. Ein Bocadillo mit Schinken kann schnell 4,50 Euro kosten, zwei Spiegeleier im Bocadillo ebenfalls.
Die freundliche Betreiberin hatte leider keinen Stempel, um sich im Pilgerpass zu verewigen (im Hotel hatten wir das versäumt). Der Barmann nebenan lehnte einen Stempel erbost ab – schließlich hatten wir ja bei der Konkurrenz gefrühstückt … Belustigt ziehen wir von dannen.
Wir kehren nicht die drei Kilometer zurück – sondern nehmen gleich erst einmal den Weg parallel zur N-630. Erst nach sechs Kilometern überqueren wir dann die Autobahn und folgen wieder dem ursprünglichen Weg. Die kurze Etappe gen Torremejía endet bereits gegen 13:30 Uhr. Via de la PlataAutobahn überqueren auf Via de la PlataGrün am tag 10Irgendwie wirkt das Ortseingangsschild von Torremjía dann aber doch wie eine Erlösung! Wir sehen bereits von weitem, wie viele der Pilger-Herberge (Albergue Turístico Vía de la Plata de Torremejía – Calle Grande) entgegen laufen – und beschließen, antizyklisch zu handeln: Wir suchen uns eine private Bleibe. Torremejía Tag 10Der Deal, den wir in der ersten Bar (Rojo Plata) am Wege machen können, ist gut: Der Wirt betreibt auch eine 300 Meter entfernte Herberge (Albergue Rojo Plata – Calle José de Espronceda, 23) und bietet ein Doppelzimmer mit Frühstück und Pilgermenü für 44 Euro. Da muss man in die ausgestreckte Hand einschlagen.
Auch hier gibt es einen kleinen Innenhof, Küche mit Kühlschrank sowie Gelegenheit, Klamotten zu waschen.
Torremjía selbst bietet – NICHTS. Man kann nur die müden Knochen pflegen, was aber auch bitter nötig ist.

Niemand muss sich Sorgen machen, sein müdes Haupt nicht betten und seinen Magen nicht füllen zu können: Werbung am Wegesrand zeigt, dass auch auf der Vía de la Plata inzwischen Konkurrenz das Geschäft belebt.

Niemand muss sich Sorgen machen, sein müdes Haupt nicht betten und seinen Magen nicht füllen zu können: Werbung am Wegesrand zeigt, dass auch auf der Vía de la Plata inzwischen Konkurrenz das Geschäft belebt.

Tag 11 – 02.04.: Torremejía – Mérida (16 km)

Am Morgen müssen wir zum Frühstück ein Stück zurück laufen. Gut gestärkt machen wir uns dann gegen 8 Uhr auf den Weg nach Mérida, der Hauptstadt der Extremadura. WassertümpelWenige Kilometer hinter Torremejía macht ein „Wassserloch“ erneut deutlich, dass dauerhafter starker Regen so manchen Weg in einen Fluss verwandeln kann.
Schon weitem ist die Puente Romano sichtbar – die längste aus der Antike erhaltene Brücke. Zur Römerzeit überspannte die Brücke den Guadiana auf 62 Bögen mit einer Länge von 755 Metern. Seit 25 Jahren wird sie nur noch von Fußgängern genutzt. Mit anderen antiken Stätten in Mérida gehört sie zum UNESCO-Welterbe.
Schon wenig später grüßt Alcazaba Árabe, eine ehemals maurische Burg. Wer sich ausgiebig den Sehenswürdigkeiten von Mérida widmen möchte, gehe am besten in die zentral gelegene Tourismus-Information (Oficina de Turismo de Mérida) oder belese sich hier.
Merida BrückeMerida Mérida ZentrumWir hatten dann binnen 30 Minuten erkannt, dass es ein großes Problem gibt: Über Ostern haben die meisten Hotels ihren Preis verdoppelt, teils sogar verdreifacht – alle preiswerten Domizile sind längst ausgebucht! An der Pilger-Herberge (Avenida de José Fernández López – direkt am Fluss Guadiana gelegen) führte kein Weg vorbei – wir ergatterten die letzten beiden Betten. Preis pro Person: 6 Euro (und das ist eigentlich noch zu viel!) Eine schlechtere Herberge haben wir davor und danach nirgendwo gesehen. Außen hui – innen pfui! Wer sie meiden kann, der tue dies unbedingt! Jenseits der Ostertage gibt es mehr als genug ebenso komfortable wie preiswerte Alternativen. Herberge in MéridaMit dem Abendessen (der Appetit war uns ziemlich vergangen) hatten wir es dann auch nicht mehr so: Eine Kleinigkeit genügte. Wir waren anderweitig satt. Es sei auch offen gesagt: So viele Spinner, Loser und Weltverbesserer wie in Mérida haben wir lange nicht in einer Herberge getroffen.

Tag 12 – 03.04.: Mérida – Aljucén (18 km)

merida am MorgenAm zeitigen Morgen machen wir uns zurück gen Innenstadt auf die Suche nach einer Frühstücks-Möglichkeit. Wir lassen uns Zeit und werden erneut eine „klassische“ Etappe halbieren – um so auch einige schräge „Zugvögel“ loszuwerden, die man nicht als Gefährten braucht. So schlendern wir noch einige Zeit durch die gerade erwachende Stadt.
Am Ortsrand bewundern wir auch etwas länger als geplant den römischen Aquädukt der Wunder.

Acueducto de los Milagros (Aquädukt der Wunder) wird das wahrscheinlich im 1. Jahrhundert errichtete Bauwerk genannt.

Acueducto de los Milagros (Aquädukt der Wunder) wird das wahrscheinlich im 1. Jahrhundert n. Chr. errichtete Bauwerk genannt.

Es wird ein angenehmer Tag. Flache Strecke, vergleichsweise wieder viel Grün. Nach mehr als zwei Stunden kommt man an einer Talsperre (Embalse de Proserpina) vorbei – Einkehrmöglichkeit inklusive. Der Staudamm wurde von den Römern zu Beginn des 2. Jahrhunderts angelegt. See bei meridaTag 12 WegTag 12Kurz bevor man Aljucén erreicht, passiert man ein kleines Dorf, wo eine „Bar“ zur Einkehr einlädt. Dann schafft man die verbleibenden drei Kilometer locker!
Am Ortseingang von Aljucén lockt „Aqua Libera“ alle wahren Genuss-Pilger! Kein Schnäppchen – aber sehr, sehr schön. Die Pilger-Herberge (mit Küche, Kühlschrank und Gelegenheit zum Wäsche waschen) liegt am Ortsrand, oberhalb der Kirche (drei Restaurants in der gleichen Straße). Pro Person werden 10 Euro fällig. Unser Pilger-Menü war für 7,50 Euro p. P. absolut in Ordnung. Aljucén Kirche

Tag 13 – 04.04.: Aljucén – Alcuéscar (20 km)

Nach einem wiederum sehr zeitigen Frühstück, für das wir 13 Euro hinterlassen, machen wir flinke Füße, um von der morgendlichen Kühle noch zu profitieren. Wegweiser aus SteinenKreuzVia de la Plata
Es läuft im Wortsinne gut an diesem Tag. Die Rückenprobleme sind fast verschwunden, die Landschaft ist wieder etwas abwechslungsreicher geworden. Früher als erwartet erreichen wir den Ortseingang von Alcuéscar. Wir drehen erst einmal eine schnelle Runde durch den Ort und lassen uns danach ein kühles Bier schmecken.Tag 14 LandschaftOrtseingang AlcuescarAlcuescar Via de la PlataEinzige Möglichkeit, über Nacht in Alcuéscar unterzukommen: Im Kloster. Es gibt sowohl „Zellen“ mit zwei Betten als auch einen Schlafsaal. Alles sehr sauber, die sanitären Anlagen sind top gepflegt. KlosterzelleDie Regeln sind streng: 21 Uhr wird abgeschlossen, 22 Uhr das Licht gelöscht. Am Morgen muss man zwischen 7:30 Uhr und 8:00 Uhr das Haus verlassen haben. PilgersegenWer mag (kein Muss!): 18:30 Uhr gibt es den Pilgersegen, 19:30 Uhr ist ein gemeinsames Abendessen angerichtet. Es gab Suppe, Brot, reichlich Salat und Tomaten sowie als Hauptgang Fleischbällchen.
Das Kloster nimmt keine festen Preise – es steht eine Spendenbox bereit. In Anbetracht dessen, was im Vergleich zu anderen dort geboten wurde, packen wir 30 Euro für Übernachtung und Abendessen hinein. Am Rande bemerkt: Es nötigt uns absolute Hochachtung ab, was die Mönche für die im Kloster lebenden körperlich und geistig Behinderten leisten. Chapeau!

Tag 14 – 05.04.: Alcuéscar – Aldea del Cano (18 km)

Pünktlich um 7:30 Uhr verlassen wir das Kloster, an das wir uns gewiss lange erinnern werden. Einen Steinwurf entfernt gibt es ein leckeres Frühstück. Wir nutzen die Kühle des Morgens, voranzukommen.Kloster am MorgenMorgenstimmung auf Via de la Plata
In Aldea del Cano gibt es nur eine einzige, kommunal betriebe Herberge. Der Schlafplatz (neun sind ingesamt vorhanden sowie vier Not-„Lager“) kostet 6 Euro pro Person. Man bezahlt für die Herberge im Restaurant „Las Vegas“, das gleich gegenüber liegt. Die Alternative dazu: „Casa Rural Vía de la Plata“Alles in der Pilger-Herberge ist sehr sauber, die Küche voll ausgestattet und eine Waschmaschine steht auch bereit. Da ausreichend Sonne und Wind da sind, waschen wir auch letztmalig auf dieser Tour. Das Abendessen nehmen wir dann auch noch einmal als Pilger-Menü in Anspruch – 10 Euro pro Person gehen voll in Ordnung.

Tag 14 – 06.04.: Aldea del Cano – Cáceres (21 km)

Gleich neben der Herberge können wir frühstücken. Mit ein wenig Wehmut brechen wir auf, denn es wird unser letzter Tag auf der Vía de la Plata sein. Schon kurz hinter dem Ort beginnt es zu regnen. Regenschirm und Cape kommen wieder zu ihrem Recht. Regen am letzten Tagletzter regentagIn Valdesalor (wo sich eine weitere Pilger-Herberge befindet) trinken wir den vorletzten Café con leche dieses Tages. Die Bar ist Gottseidank gut geheizt.Ortseingang Caceres Cáceres empfängt uns trübe – aber trocken. „Albergue Municipal Ciudad de Cáceres“ heißt die städtische Pilger-Herberge in der Avenida de la Universidad, die gut ausgeschildert ist. Für uns ist das Thema „Herberge“ endgültig durch – wir ziehen dann wieder ein zentral gelegenes kleines Hotel vor: Das „Hostal Al-Qazeres“ ist nur einen Steinwurf von der geschichtsträchtigen Altstadt entfernt (UNESCO-Welterbe) und 35 Euro fürs Doppelzimmer sind absolut angemessen. Die Herren an der Rezeption waren sehr auskunftsfreudig und hilfsbereit. Caceres AltstadtIglesia de san juanAm späten Nachmittag klart es dann richtig auf – ein Bummel durch die Altstadt von Cáceres und die Einkehr in die Stille der Kathedrale San Juan beenden das diesjährige Kapitel Vía de la Plata.
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Die vielen Anekdoten, die es zu erzählen wert sind, gibt es im Herbst bei einer Pilger-Nachlese in Wort und Bild sowie mit kulinarischer Umrahmung. Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Hier im Blog wird es im neuen Jahr dann auch nachzulesen sein.

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